Claude Barbey
Die künstlerische Ader des Grenchner Stadtbaumeisters

Claude Barbey ist eine beliebte Zielscheibe fasnächtlichen Scherzes. 2009 wurde ihm der «Prix-Göschi» für herausragende närrische Leistung verliehen. Dieses Jahr hat er gleich selbst die Fasnachtsplakette entworfen.

Daniel Trummer
Merken
Drucken
Teilen
Grenchner Stadtbaumeister und «Plakettenmeister» Claude Barbey in seinem Atelier in Arch

Grenchner Stadtbaumeister und «Plakettenmeister» Claude Barbey in seinem Atelier in Arch

Urs Byland

Und als Stadtbaumeister hat Claude Barbey Wesentliches dazu beigetragen, dass Grenchen Wakkerpreisträgerin wurde. Beachtlich ist allerdings auch sein künstlerisches Schaffen, wie ein Atelierbesuch bei Claude Barbey zeigt.

«Frischluftkanalisation» heisst eine Radierung aus den 80er-Jahren, die er aus einer Schublade hervorzieht. Seine frühen Arbeiten erzählen von Besorgnis und Engagement im Bezug etwa auf Luftverschmutzung, Waldsterben und Atomenergie. Die Inhalte sind allegorisch umgesetzt und überzeugen mit indirekten Aussagen.

Bei Heinz Pfister, dem Schöpfer der Pfuschi-Cartoons und bei Holzschneider Martin Thönen, der als Dozent an der Hochschule der Künste in Bern tätig ist, hat er sich fortgebildet. Der Linolschnitt kam dazu. Er arbeitet meist mit der «verlorenen Technik». Bei mehrfarbigen Werken werden die Konturen, die auf dem Papier die erste Prägung hinterlassen haben, anschliessend weggeschnitten, und die Gestaltung des zweiten Drucks wird in Angriff genommen.

«Es rumplet tatsächlich»

«Seit rund drei Jahren ist dies mein Refugium», erklärt Claude Barbey. Das geräumige Zimmer im alten Schulhaus in Arch ist hell. Verschiedene Arbeitsplätze sind vorhanden, ein Liegestuhl steht im Raum, auf Tischen liegen bedruckte Blätter, und die Bilder an den Wänden zeigen die vielfältige Palette seines Könnens. In Köniz ist der heute 59-Jährige aufgewachsen. «Mein Vater war Waadtländer, der sich in ein ‹Bärner Meitschi› verliebt hat und im Exil geblieben ist», erzählt Barbey und erklärt damit seine Zweisprachigkeit.

Das Grenchner Plakettensujet.

Das Grenchner Plakettensujet.

Fasnacht war in seiner Zeit in Bern kaum präsent. 1996 hat er seine Stelle bei der Baudirektion Grenchen angetreten, wenig später begleitete er am Piano den Plauschauftritt der Amedisli-Zunft. «Ich hatte mich auf etwas eingelassen, ohne genau Bescheid zu wissen», meint er lachend. «Ein Kostüm nähen oder Verse schmieden, das ist nicht mein Ding.» Als Gassenfasnächtler sei er nicht geschaffen. Für die Grenchner Fasnacht engagiert sich Barbey – ist auch alleweil ein dankbares Thema.

Der «Prix-Göschi» beweist es. «Er wird an diejenige Person verliehen, die im vergangenen Jahr den grössten Seich getätigt hat», heisst es auf der Homepage der Fasnachtszeitung «Gosche» dazu. Barbey hat keine Mühe damit, auf die Schippe genommen zu werden. «Mit dem diesjährigen Fasnachtsmotto schieben sie mich ein bisschen auf die Rolle», sagt er schmunzelnd.

Das Spiel mit der Ironie ist auch ihm vertraut und so kommt die gelungene Plakette daher. Das Sujet zeigt einen Narren, der im Auto auf einer allzu holprigen Strasse herumkurvt. «Es rumplet tatsächlich», stellt er fest. Es stört ihn nicht. Staubig wird er, wenn sich Angriffe gegen den Verkehr und gegen die Sicherheit wenden. «Dann wirds einfach läppisch.»

Eine kritische Liebesbeziehung

«Ich bin dann mal weg», heisst ein Buch von Hape Kerkeling. Dies gilt auch für ihn, wenn es ihm in Grenchen ab und an zu eng wird. Eine kritische Liebesbeziehung verbindet ihn mit Frankreich. An der Ateliertüre kleben Fotografien von den Corbières, dem mediterranen Mittelgebirge. Eine seiner Reisen nach Frankreich führte ihn ins «Village du livre», Montolieu. Antiquariate, Buchhandlungen beherrschen das kleine Dorf im südfranzösischen Département Aude. Man riecht fast die alten, stockfleckigen Bücher, wenn Barbey erzählt. Nach langer Suche hat er sich in der Nähe eine alte Druckerpresse erstanden. Das Möbel wiegt 100 Kilo und steht jetzt im Archer Atelier.

Damit druckt er auch seine Monotypien. In dieser Technik kann sich sein zeichnerisches Können voll entfalten. Viel Humor ist bei seinen Werken auszumachen. 40 Blätter des vergrösserten Plakettenthemas liegen bereit. Er hatte sie am vergangenen Samstag am Gönnerlithoapéro der Vereinigten Fasnachtszünfte Grenchen dabei.