Pädiatrie
Die Kinderärztliche Versorgung in Grenchen ist gesichert

Der Grenchner Kinderarzt Thomas Bamberger schlug vor Jahresfrist Alarm: Nach zwei Jahren Suche war es ihm noch nicht gelungen, eine Nachfolge zu finden. Doch jetzt hat's endlich geklappt und Grenchens Versorgung ist auch zukünftig gewährleistet.

Oliver Menge
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Neues Paedriatisches Zentrum "Passerelle" in Grenchen mit Dr. Ahmad Zia als neuem Kinderarzt und Nachfolger von "Bambi", Thomas Bamberger (stehend)

Neues Paedriatisches Zentrum "Passerelle" in Grenchen mit Dr. Ahmad Zia als neuem Kinderarzt und Nachfolger von "Bambi", Thomas Bamberger (stehend)

Oliver Menge

«Die kinderärztliche Versorgung in Grenchen ist nun längerfristig gerettet», sagt der Kinderarzt Dr. Thomas Bamberger erleichtert. Vor einigen Monaten sah die Situation für Grenchen und die Region noch sehr kritisch aus. Thomas Bamberger hatte mehrere Monate erfolglos nach einem Nachfolger, einer Nachfolgerin gesucht, wie diese Zeitung im März 2020 berichtete. Für die Stadt Grenchen und alle umliegenden Gemeinden bis weit ins Berner Seeland hätte es um ein Haar nur noch die Praxis von Dr. Rolf Luterbacher sowie noch weiter entfernte Lösungen gegeben.

Mit Unterstützung von PraxaMed Center AG, einem spezialisierten Beratungsunternehmen für Aufbau und Beratung von Ärztezentren und der Stadt Grenchen, sei es gelungen, ein nachhaltiges Konzept zu erarbeiten und nun sogar einen Nachfolger zu rekrutieren. Die PraxaMed Center AG ist ein Unternehmen, das schon über 30 Ärztezentren geschaffen und administrativ unterstützt hat. Die Firma ist unter anderem darauf spezialisiert, Nachfolgelösungen für Hausarztpraxen zu finden. Wie im Fall von Thomas Bamberger, der plant, sich in einem halben bis einem Jahr komplett zur Ruhe zu setzen, wie er sagt.

Am 1. Januar 2021 eröffnete das neu gegründete Praxiszentrum Passerelle AG seine Türen. Der Standort der neuen pädiatrischen Praxis bleibt an der Bielstrasse 19, mit Eingang an der Breitengasse 20, bestehen. Ab Februar soll mit der Erweiterung der Praxis begonnen werden, denn gleich neben der Praxis von Bamberger gibt es weitere Räumlichkeiten, die früher schon einmal als Arztpraxis genutzt wurden und die nun unter Einbezug des Hausbesitzers umgebaut werden sollen. «So werden nach dem Umbau rund 400 Quadratmeter zur Verfügung stehen – genügend Platz für mehrere Ärzte, die hier arbeiten können.»

Kompetenter Nachfolger wurde gefunden

Parallel zum Start der Umbauarbeiten wird der Nachfolger von Thomas Bamberger in der Praxis beginnen. Dr. Ahmad Zia hat sein Medizinstudium an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, Deutschland, sowie an der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, USA absolviert. Zusätzlich erhielt er durch die Medizinische Hochschule Hannover ein Forschungsstipendium an der Yale University, New Haven Connecticut, USA. Seine weitere, pädiatrische Ausbildung absolvierte er in verschiedenen Kliniken in den USA, so in Toledo Ohio, Philadelphia, Pennsylvania und in New York.

Seit 2005 besitzt er den Facharzttitel für Pädiatrie und seit 2007 für Humangenetik in den USA und seit 2009 ist er auch in Deutschland als Facharzt für Kinderheilkunde anerkannt. Ab 2007 war er in verschiedenen Kliniken in Deutschland (München, Landshut und Berlin) tätig, um ab 2014 eine private, kinderärztliche Praxis in Berlin zu führen. Letztes Jahr konnte er bereits Erfahrungen mit dem schweizerischen System im Kanton Zürich machen.

«Bambi» wird noch eine Zeit lang Teilzeit arbeiten

«Mit Dr. Zia kann die Praxis in erfahrene, kinderärztliche Hände übergeben werden», sagt Bamberger, eine Lösung, die ihn sehr glücklich mache. Die Umbauphase und Erweiterung der Praxisräume auf die doppelte Grösse werden noch gemeinsam realisiert werden. Auch danach wird der bisherige Kinderarzt, der vielen als «Bambi» ein Begriff ist, in Teilzeit der Praxis zur Verfügung stehen., für Vertretungen und Pikettdienst.

Mit weiteren, zukünftigen Kinderärztinnen und -ärzten soll ein zeitlich und fachlich erweitertes medizinisches Angebot offeriert werden. Bamberger kann sich vorstellen, dass beispielsweise Kinderärztinnen, die nicht Vollzeit arbeiten wollen, an einer Mitarbeit im neuen kinderärztlichen Zentrum interessiert wären. «Mit diesem Ausbau wird das Praxiszentrum Passerelle langfristig den Bedarf für die medizinische Betreuung von Kinder- und Jugendlichen von Grenchen und Umgebung ­sicherstellen können», ist Bamberger überzeugt.