Wer bisher glaubte, dass Kurt Aeschbacher jeweils am Donnerstagabend in seiner Sendung «eine Show abzieht», wurde eines Besseren belehrt. Auf der Bühne sass ein Mann, der offen und ehrlich auch seine Schwächen und Ängste preisgab, der sich bewusst ist, dass er regelmässiger Gast in vielen Schweizer Wohnzimmern ist und mit der daraus resultierenden Bekanntheit gut umgehen kann. Im Gespräch, in dem sich die Schweizer Fernsehkoryphäe den Fragen von Radio- und Fernsehmoderator Joël Gilgen stellte, erzählte Aeschbacher über seinen Werdegang und seine Pläne für die Zukunft.

Eingeladen zur Talkshow hatte die Garage Vogelsang AG, und noch nie waren so viele Gäste der Einladung gefolgt. Rund 250 Personen drängten sich in die zum Theater umfunktionierte Werkstatt und applaudierten begeistert, wenn «Aeschbi» wieder eine seiner Anekdoten preisgab. So zum Beispiel, wie er überhaupt zum Fernsehen gekommen war: Als Vizedirektor der «Grün 80» in Basel war er für die Medien zuständig und kam erstmals in Kontakt mit dem Schweizer Fernsehen. Als sein Vertrag auslief und er ein Defizit von 60 Millionen hinterliess – «meine erste öffentlich wahrgenommene Tat» – wurde er für die Vorabendsendung «Karussell» probehalber engagiert. Sein erster Fernseheinsatz war ein Bericht über eine Zauberberg-Verfilmung in Montreux mit grossem Staraufgebot. «Ich hatte keinen blassen Schimmer vom Fernsehmachen. Es gibt in solchen Situationen zwei Möglichkeiten: entweder man tut so, als verstehe man etwas von der Sache, oder man lässt die Hosen runter. Wenn der andere erst einmal gesehen hat, ‹wie chlii ds Pfyyffli isch›, muss man nicht mehr darüber reden». Er habe sich für Zweites entschieden. Der Fernsehbeitrag sei dermassen überzeugend geworden, dass er engagiert wurde und seit nunmehr 30 Jahren beim Schweizer Fernsehen arbeite. «Meine Karriere beruht also eigentlich auf einem Missverständnis». Dem Prinzip des Hosen-Runterlassens sei er aber treu geblieben.

Intelligent und wahrhaftig

Aeschbacher war aber nicht nur witzig, sondern brachte auch die Menschlichkeit hinüber, die ihn auszeichnet. Er sprach über das Scheitern, das einen weiter bringe, seine Absturzgefährdung, seine Niederlagen und sein Lampenfieber vor jeder Sendung. «Spielen kann ich nicht – ich bin immer mich selber. Und ich habe immer Angst davor, die Leute zu enttäuschen.» Er sprach über den Respekt seinen Gästen gegenüber: «Man kann kein Menschenhasser sein und eine Talkshow machen.» Ihn reize das, was er nicht kenne. Und solange ihn diese Neugier nicht verlasse, werde er mit Fernsehen weitermachen.