IB Live
Die Industrie will Schülern zeigen, wie interessant sie ist

An der Berufsmesse IB Live können angehende Lehrlinge Arbeitsluft schnuppern. Eine Schulklasse besuchte so die Grenchner Blösch AG und konnte anschliessend selbst Hand anlegen.

Andreas Toggweiler
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Manfred Ruch führt durch die Werkstatt
9 Bilder
Produkte der Blösch AG
Schüler werden durch die Blösch AG in Grenchen geführt
Poliert wird unter anderem mit Gummikügeli
Körbe für die Galvanikbäder
Der Beschichtungsprozess wird erklärt
Bereit für den Testeinsatz mit Instruktor
Galvanisierte Teile
Ohne Worte

Manfred Ruch führt durch die Werkstatt

Andreas Toggweiler

Diese Woche ist wieder IB Live. Das heisst, hunderte von Schülerinnen und Schülern aus nah und fern besuchen Industriebetriebe in Grenchen und Umgebung, um Informationen für ihre Berufswahl zu sammeln.

In der Grenchner Firma Blösch AG waren gestern zwei Schulklassen aus Biel und Grenchen im Betrieb unterwegs, um sich über Berufe wie Oberflächenbeschichter oder Produktionsmechaniker Oberflächenbehandlung zu Informieren.

Die Namen verraten es: im Industriebetrieb geht es darum, existierende Teile oder Werkzeuge zu behandeln, damit sie danach gut aussehen, speziell hart sind oder andere erwünschte Eigenschaften aufweisen. Der 1947 gegründete Familienbetrieb hat sich damit einen Namen gemacht und beschäftigt heute in verschiedenen Standorten in der Region rund 230 Personen (inkl. Betriebe und Tochterfirmen in Lengnau, Pieterlen, Selzach und Brügg).

Dünner als ein Haar

Renato Cervini, (pensionierter) Personalchef der Firma gab den Jugendlichen zuerst einen Überblick über die Produkte. «Unsere Beschichtungen sind um ein mehrfaches dünner als ein menschliches Haar, aber sie können bewirken , dass beispielsweise ein Werkzeug 15 bis 25 mal länger hält als ohne Beschichtung.»

In einem Showroom konnten die Schüler verschiedene Produkte sehen und anfassen, vom gehärteten Borer über speziell behandelte Uhrengläser oder Linsen für Endoskope bis zu edlen Zifferblättern für Luxusuhren. Danach konnten die Schüler auch gleich selber and anlegen: an einer speziellen Galvanikstation zu Vorführzwecken konnten die Jugendlichen ein kleines Metallstück vergolden un danach als Souvenir mitnehmen.

Bereitmachen für den Galvanik-Einsatz

Bereitmachen für den Galvanik-Einsatz

Andreas Toggweiler

«Es ist einfach nicht das Gleiche, ob die Jugendlichen nur einen Text über einen Beruf lesen, oder ob sie sich selber in einem Betrieb ein Bild machen können», erklärt der Swatch Group-Lehrlingschef Reto Kohli. Speziell sei auch, dass die Berufe von Lehrlingen erläutert werden. «So begegnen sich die Jugendlichen auf Augenhöhe», meint Kohli.

Erfolgreiches Konzept

Das Konzept ist erfolgreich: Für die diesjährige IB Live haben sich über 1600 Jugendliche, die meisten im Schulklassenverbund angemeldet, sie kommen aus einem Einzugsgebiet von Biel bis Olten, dem Wasseramt und sogar aus Muttenz. Spricht sie ein Berufsbild an, können sie sich nach der IB Live für einen Schnuppertag anmelden.

Direkt messbar sei der Erfolg der IB Live an der Lehrstellenfront nicht. «Manchmal stellen wir aber fest, dass das Interesse an einem gewissen Beruf zunimmt und mitunter fällt beim der Kontaktaufnahme schon das Stichwort IB Live», meint Kohli. Auch Renato Cervini meint, dass «es vor allem darum geht den Jugendlichen zu zeigen, wie interessant es bei der Industrie sein kann.»

Bei der Bieler Schulklasse, ein «Motivationssemester» für Jugendliche ohne Lehrstelle oder solche, welche die Lehre abgebrochen haben, zeigt sich allerdings, dass sich vor allem junge Männer für die mechanischen Berufe interessieren. «Ich habe schon eine Lehrstelle als Kleinkindererzieherin, doch einmal in eine Fabrik reinzuschauen - warum nicht», meint eine junge Frau. In der Industie zu arbeiten, könne sie sich allerdings nicht vorstellen. Anders Nico Campiotti (17) aus Biel. «Die Polymech-Ausbildung war mir leider zu schwierig, doch etwas Handwerkliches möchte ich weiterhin machen meint er.

Szenenwechsel: in der Abteilung für Werkzeugbeschichtung gibts noch Einblick in moderne Technologien für die Hartstoffbeschichtung und Manfred Ruch weihte in die Geheimnisse der kleinen aber feinen Mechanikabteilung ein, welche mechanische Lösungen für in house-Anwendungen entwickelt und produziert.

Alte Maschinen mit Handbedienung sind hier neben einem CNC-Bearbeitungszentrum anzutreffen. «Um ein Gefühl für das Material zu bekommen, ist arbeiten mit einer Drehbank oder einem Bohrer halt immer noch das Beste», meint Ruch.