Grenchen
Die «Immo-Party» geht zu Ende

Die Credit Suisse orientierte am Kundenanlass im Velodrome über den Wohnungsmarkt in Grenchen.

Andreas Toggweiler
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Schweizweit gesehen beginnen die Preise von Wohneigentum zu sinken, während die Preise am Jurasüdfuss immer noch steigen.

Schweizweit gesehen beginnen die Preise von Wohneigentum zu sinken, während die Preise am Jurasüdfuss immer noch steigen.

Keystone

«Mieter gesucht», so ist die aktuelle Studie der Credit Suisse zum Schweizer Immobilienmarkt überschrieben. Inwieweit dieser nationale Befund auch für Grenchen und den Jurasüdfuss gilt, analysierte der Immobilienexperte der Grossbank, Fredy Hasenmaile, am Freitag an einem Anlass im Tissot-Velodrome.

«Immobilien stehen noch immer in der Gunst der Anleger», meinte Hasenmaile, denn die Rendite liegt etwa 3 Prozent über derjenigen von Bundesobligationen. Für den Normalverdiener liege der Kauf von neu erstelltem Wohneigentum aber oft jenseits der Tragbarkeitsgrenze.

Anders sieht die Situation bei bestehenden Wohnungen und Häusern aus. «Kaum in eine Region in der Schweiz ist die kalkulatorische Tragbarkeit für so viele Objekte gegeben wie am Jurasüdfuss.» In Grenchen könnte sich «Otto Normalverdiener» 80 Prozent des verfügbaren bestehenden Wohneigentums leisten.

Stabile Preise in Grenchen

Schweizweit gesehen beginnen die Preise von Wohneigentum zu sinken, während die Preise am Jurasüdfuss immer noch steigen. Hasenmaile führt dies auf ein Ausweichen der Kunden zurück, welche von den überteuerten Zentren in die Region ausweichen. In Grenchen ist dieser Effekt aber praktisch nicht spürbar, der Preis von Wohneigentum blieb 2016 stabil. Eine Bonanza findet zurzeit weiterhin beim Bau für Mietwohnungen statt.

Hier drohe am Jurasüdfuss in absehbarer Zeit ein Angebotsüberschuss. Schon beginnen die Leerstände zu steigen (vgl. Grafik). Zwar hat die Region auch letztes Jahr eine Nettozuwanderung von rund 4700 Personen verzeichnet, darunter auch zunehmend Leute aus der Schweiz, was laut Hasenmaile einem Bedarf von rund 2200 Wohnungen entspricht. «Gebaut wurden in der Region allerdings 2800 Wohnungen, und die nächste Baubewilligungswelle ist schon angerollt.»

Auf der Rückkehr zum langjährigen Mittel: Leerstände von Mietwohnungen in Grenchen.

Auf der Rückkehr zum langjährigen Mittel: Leerstände von Mietwohnungen in Grenchen.

az

Das seien eindeutig zu viele Wohnungen. In Grenchen und Solothurn liegt die Produktion deutlich über der «Absorption», also der Belegung durch Käufer und Mieter. In Olten ist demgegenüber das Verhältnis gerade umgekehrt.

Die Ausweitung des Wohnungsangebotes führt also zu steigenden Leerständen. Die «Überangebotsrisiken» seien dabei auf einer Achse zu beobachten, die quer durch das Mittelland von Lenzburg bis an den Genfersee führt. Grenchen sei nur deshalb nicht betroffen, weil hier die Zahl der Leerstände traditionell schon hoch ist. Der Anstieg bedeutet hier lediglich eine Wiederannäherung an den historischen Durchschnitt.

Wohnungen für Singles

Der Mietwohnungsbau-Boom findet also in den Agglomerationen statt, denn bauen sei in den Städten zu teuer und zu komplex geworden und auf dem Land zu risikobehaftet. Als Trend werden gegenwärtig die Single-Haushalte entdeckt, für die kleinere Komplettwohnungen mit voll ausgestatteter Küche und Waschturm gebaut werden.

Bei den Büroflächen spricht Hasenmaile von einem «sich verlangsamenden Abschwung». Das Angebot der ausgeschriebenen Flächen scheint sich auf hohem Niveau zu stabilisieren. Zum Stichwort leerstehende Ladengeschäfte meinte der Experte, dass kleinere Zentren wie Grenchen Opfer eines Trends werden, bei welchem alle mittleren Lagen unter die Räder kommen. Viel Konsum verlagert sich ins Internet. Um ein Gegengewicht mit einem attraktiven Einkaufserlebnis zu schaffen, wird demgegenüber in grosse Malls in den Zentren investiert, oft gepaart mit Eventprogrammen für die Familie.