Trotz weniger Flugbewegungen konnte der Flughafen Grenchen sein operatives Ergebnis im vergangenen Jahr verbessern. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG orientierten gestern über das Geschäftsjahr 2016. Der operative Jahresverlust sank «trotz anspruchsvollem Umfeld» von 328'000 auf 58'000 Franken.

Verwaltungsratspräsident Erich Blösch erinnerte etwa an die gescheiterten Bemühungen um eine Pistenverlängerung und das Seilziehen um die Kosten der Flugsicherung. Dazu kommen Projektkosten für die Vorbereitung des im März gestarteten Versuchs mit reduzierter Tower-Präsenz, bei welchem Piloten wieder vermehrt eigenverantwortlich fliegen.

«Trotz diesen schwierigen Rahmenbedingungen möchten wir an unserem dreifachen Angebot für Ausbildungsflüge, Geschäftsfliegerei und Hobbyflieger festhalten», meinte Blösch. Der Flughafen soll auch in einem engeren Korsett florieren. Zurzeit werden 14 Personen, verteilt auf 820 Stellenprozente, beschäftigt.

2,7 Mio Bilanzgewinn

Im nichtoperativen Bereich kam es zu einer Umbuchung von Fremdkapital in Eigenkapital aufgrund eines neuen Steuerregimes für Transportinfrastruktur. Daraus resultierte ein einmaliger Ertrag ohne Geldfluss in der Höhe von 2,656 Mio. Franken. Der Generalversammlung vom 25. April wird beantragt, diesen Bilanzgewinn zur Bildung freier Gewinnreserven zu verwenden. Dadurch steigt das Eigenkapital auf 32 Prozent der Bilanzsumme.

Erstmals seit etwa 10 Jahren ist die Anzahl der Starts- und Landungen auf dem Flughafen auf einen Wert unter 70 000 gesunken. 2016 wurden laut Flughafenleiter Ernest Oggier 66 854 Flugbewegungen verzeichnet. Der Rückgang ist vor allem bei den Motor- und Helikopterflügen zu verzeichnen, während die Segelflugstarts auf tiefem Niveau stabil blieben. Der Rückgang der Flugbewegungen betrug in Grenchen 5,7 Prozent, gegenüber einem schweizweiten Rückgang von 3,3 Prozent. «Während die Landesflughäfen noch immer steigenden Verkehr aufweisen, verzeichnen alle kleineren Flugplätze diese Einbussen», präzisierte Oggier.

Einerseits seien diese Zahlen auf das schlechte Wetter im vergangenen Jahr zurückzuführen. Vor allem im ansonsten starken Juni ist der Flugverkehr in Grenchen richtiggehend eingebrochen, wie Oggier auf einer Monatsgrafik aufzeigte. Auch im Herbst war das Flugwetter oft schlecht.

Dieser Effekt wird von einer weiteren Entwicklung verstärkt, nämlich vom generellen Rückgang der Hobby-Fliegerei. «Heute überlegt es sich jemand zweimal, ob er die aufwendige Pilotenlizenz wirklich machen will, wenn er nur in seiner Freizeit als Hobby fliegen will», meinte Blösch. In Grenchen war denn auch die Ausbildungs- und Geschäftsfliegerei 2016 leicht zunehmend, der Einbruch geht damit voll auf das Konto der Freizeitflieger.

Laut Oggier investierte der Flughafen letztes Jahr rund 0,5 Mio. Franken. in die Infrastruktur, darunter 250'000 Franken für die Pistenbefeuerung. Aus Sicherheitsgründen wird zurzeit ein zweiter, redundanter Stromkreis verlegt. Eine Notfallübung am 28. November, bei welcher das Bundesamt die Flughäfen im Dreijahresturnus beübt, habe man «mit Bravour» bestanden».
Erstes Elektroflug-Meeting

Am 9./10. September dieses Jahres wird in Grenchen erstmals ein Meeting für manntragende Elektroflugzeuge durchgeführt. «Grenchen hatte schon beim Segelflug eine Pionierrolle, und wir möchten diese mit der Smartflyer-Challenge erneut wahrnehmen», sagte Verwaltungsrat Conrad Stampfli. Der Flieger, der am weitesten anreist, erhält die Trophy.

Weitere Daten: 25. April Vortrag von Claude Nicollier im Parktheater; 19./20 Mai Oldtimer-Segelflugmeeting; 23.-25. Juni Heli-Weekend; 6.-9. Juli Freeflyer-Festival (Skydiver); 24. September Modellflug-Meeting.