Grenchen hat die Liebe zum Euro entdeckt. Am Wochenende waren in der ganzen Stadt keine Banknoten in Euro mehr erhältlich. Zuvor sahen sich Banken und das SBB-Reisebüro gezwungen, die Ausgabe der Währung zu limitieren. Am Personal ist der Run ebenfalls nicht spurlos vorbeigegangen.

Dienstleister schicken die Kundschaft nicht gern mit leeren Händen fort. Doch am letzten Wochenende blieb dem SBB-Reisebüro nichts anderes übrig, wenn die Kunden Euro wechseln wollten. Der Vorrat war aufgebraucht. «Es gab Leute, die wollten fünfstellige Beträge wechseln», sagt Daniel Hafner, Geschäftsführer des SBB-Reisebüros am Bahnhof Süd. «Das an sich ist nicht ungewöhnlich. Doch ungewöhnlich war die Häufung der Nachfrage.»

Nachdem die Entscheidung der Nationalbank am Donnerstag kurz vor Mittag bekannt wurde, erschienen ständig Leute am Bahnschalter, die Geld wechseln wollten. «Wir haben die Ausgabe auf 1000 Euro pro Person limitiert, dennoch war unser Vorrat, der am Donnerstagmorgen geliefert worden war, innerhalb weniger Stunden aufgebraucht», so Daniel Hafner. Dreimal pro Woche könne das Reisebüro Fremdwährungen bestellen. So habe es bis zum Montag gedauert, bis zum Südbahnhof wieder Euro erhältlich waren. In den Schalterstunden am Wochenende habe man die Situation erklärt und die Kundschaft auf den Montag vertröstet.

Bettlach/Selzach kaum betroffen

Bei der Bewältigung der Ausnahmesituation habe jede SBB-Verkaufsstelle autonom agiert, da sich die lokalen Bedürfnisse unterscheiden, erklärt der Geschäftsführer. Nur die Wechselkurse seien von der Zentrale vorgegeben. «In Grenchen mit seinem hohen Ausländeranteil ist der Run auf die günstigen Euro sicher deutlicher spürbar gewesen als an Orten mit geringem Ausländeranteil.»

Bei den Banken waren diese Tage ebenfalls anstrengend. Abgesehen von der Menge der Anfragen sei das Schalterpersonal mit Leuten konfrontiert gewesen, die sich zuvor kaum je mit dem Thema befasst haben. «Wir sind froh, dass der Run vorbei ist», sagt Tony Broghammer, Vorsitzender der Bankleitung bei der Raiffeisenbank Wandflue, am Dienstagnachmittag. Man habe einen «massiv höheren Bedarf an Euro» gehabt als sonst.

«In der Regel erhielten die Kunden, was sie wollten.» Dennoch sei eine zeitweilige Rationierung «auf unterschiedlicher Höhe» unvermeidlich gewesen. «Am Schalter haben wir unsere Kunden mit der Ausgabe von Euro bevorzugt, am Bancomat ging das natürlich nicht.» Die Folge: Bereits am Freitagmorgen seien am Bancomaten die Euro-Scheine erstmals ausgegangen. «Wir haben Euro nachgefüllt, aber am Wochenende sind sie in kurzer Zeit wieder ausgegangen.» Das galt offenbar für alle Bancomaten in Grenchen.

In den Raiffeisen-Filialen Bettlach und Selzach sei die Nachfrage nach Euro viel weniger ausgeprägt gewesen als in Grenchen, erklärt Tony Broghammer. Das ist umso interessanter, wenn man bedenkt, dass diese Filialen, anders als in Grenchen, sogar am Samstagmorgen geöffnet haben.

Bestellung statt Enttäuschung

Bei der UBS Grenchen lag die Barbezugslimite zeitweise bei 5000 Euro pro Person, wie Filialleiter Roland Annaheim erklärt. Das wichtigste Instrument zur Bewältigung der Ausnahmesituation sei die Bargeldbestellung zum jeweils geltenden Kurs gewesen. «Den meisten Leuten hat es nichts ausgemacht, das Geld am folgenden Tag abzuholen, und natürlich kann man es sich auch zuschicken lassen. Sie wollten vom Wechselkurs profitieren und nicht am selben Tag mit dem Geld in die Ferien reisen.»

Roland Annaheim ist überzeugt, dass das Personal den Run gut gemeistert hat. Reklamationen seien ihm nicht bekannt. Nach den Erfahrungen vom Donnerstag und Freitag habe man die Schublade für die Euro in den Bancomaten fürs Wochenende vollgepackt, so voll es nur ging, erklärt der Filialleiter. Es half nichts. Als der letzte Euroschein bezogen wurde, war das Wochenende noch lange nicht um.