2005 wurde sie zum letzten Mal durchgeführt, die internationale Musikfestwoche Grenchen. Seither scheiterten alle Versuche, den für die Stadt bedeutenden Musikanlass wieder zu beleben. Aldo Bigolin, dem 2006 von der abtretenden Geschäftsleitung des Kuratoriums Musikwoche Grenchen die Aufgabe übertragen wurde, die Weiterführung sicherzustellen, wollte den Anlass wieder aufleben lassen.

Nur fehlten das Geld und das Personal. Der Gemeinderat hatte Ende 2012 einstimmig einer Wiederaufnahme der Internationalen Musikwoche Grenchen zugestimmt und die Bildung einer entsprechenden Stiftung beschlossen. Vorgesehen waren drei Durchführungen in den Jahren 2014, 16 und 18 und der Gemeinderat bewilligte einen Beitrag von je 120 000 Franken.

Man hatte die Absicht, mit einem Profi zusammenzuarbeiten, der Firma Obrasso Classic Events aus Luzern, einem Konzertveranstalter, der viele Veranstaltungen im KKL Luzern organisiert und beste Verbindungen zur internationalen Musikszene hat.

Geld vom Kanton erst im zweiten Anlauf

Inhaber der Firma sind übrigens die Söhne von Ernst Obrecht, dem langjährigen Direktor der Musikfestwoche Grenchen, Werner und Manfred Obrecht. Nur machte der Kanton einen Strich durch die Rechnung der Stadt: Statt des erhofften Beitrag aus dem Lotteriefonds in etwa derselben Höhe, wurde ein Beitrag bewilligt, der nicht den Erwartungen entsprach und eine Durchführung war aus diesem Grund nicht denkbar.

Nun hat man einen neuen Anlauf genommen und zusammen mit Obrasso ein Konzept entworfen, in dem man den kritischen Anmerkungen des Kantons und dessen Wünschen Rechnung trug. Stadtpräsident François Scheidegger erreichte das fast Unmögliche: Der Verein Kuratorium Internationale Musikwoche konnte beim Kanton erneut um einen Beitrag ersuchen und diesmal klappte es.

Im Juni diesen Jahres kam der positive Entscheid: Der Kanton beteiligt sich mit einem Beitrag von 120 000 Franken an der Durchführung im Jahr 2018 und einem Remember-Konzert im Jahr darauf.

Höchstes Niveau angestrebt

Im vorgelegten Konzept sind die wichtigsten Eckpunkte festgehalten: Das Festival soll ein Musikfestival auf höchstem Niveau sein, mit Galakonzerten, führenden regionalen, nationalen und internationalen Interpreten, eine Symbiose konzertanter Musik mit Orchester, Bands, Solisten und Dirigenten, Musik und Gesang in den Bereichen Klassik, Jazz und Blasmusik.

Man will Spitzenleistungen erzielen und Fördern: Weiterhin soll der Musikpreis Grenchen für Blasorchester sowie ein internationaler Instrumentalwettbewerb für Klarinette «Concours Dimitri Ashkenazy» stattfinden. Gleichzeitig will man auch Auftragskompositionen zeitgenössischer Komponisten vorstellen.

Nun ist man daran, die Personalien im Organigramm zu ergänzen: Gesucht werden unter anderem prominente Persönlichkeiten fürs Präsidium und Vizepräsidium sowie eine ganze Reihe von Prominenten aus Politikerkreisen, Kultur und Wirtschaft für das Patronatskomitee. Und nicht zuletzt fehlen weitere Sponsoren.

Man macht sich zurzeit auch Gedanken über die Form der Trägerschaft. Ein Verein eigne sich schlecht, so Bigolin. Deshalb zieht man, wie schon bereits vor Jahren, die Gründung einer Stiftung in Betracht.

Geschichte der Musikwoche

1955 wurde das Kuratorium Musikpreis Grenchen gegründet. Die Initianten Walter Ochsenbein und Stephan Jaeggi wollten damit die Blasmusik und Blasmusik-Literatur fördern. Die Stadtmusik Grenchen spielte dabei immer eine wichtige Rolle, aber auch andere Blasmusikorchester aus der ganzen Schweiz massen sich regelmässig in Grenchen.

Im Lauf der Jahre wuchs der Musik-Anlass. Den initiativen Leuten im Kuratorium – unter ihnen Teddy Buser als langjähriger Präsident, Ernst Obrecht als künstlerischer Leiter sowie Wolfgang Heutschi und Claudio Schaad als Vertreter des damaligen Hauptsponsors Credit Suisse – gelang es im Lauf der Jahre, den Musikpreis zur Internationalen Musikwoche Grenchen zu entwickeln.

Wettbewerbe und Galakonzerte, Konzerte mit Uraufführungen bildeten eine Symbiose verschiedener Elemente der konzertanten Musik. Während einer Woche fanden diverse Instrumentalistenwettbewerbe statt, Blasorchesterwettbewerbe standen jeweils im Mittelpunkt, bei Galavorstellungen traten internationale Stars auf.

Yehudi Menuhin, ein Virtuose auf der Violine, weltberühmter Dirigent und Ehrenbürger der Stadt Grenchen, übernahm das Ehrenpatronat der ersten internationalen Musikwoche. 1998 engagierte man für die Gala-Vorstellung die Sopranistin Noëmi Nadelmann und den Startenor Shimon Estes.

Anlässlich der Zweiten Internationalen Musikfestwoche im Juni 2002 gastierte die spanische Sopranistin Montserrat Caballé in der Eusebiuskirche. Es gab den Concours Ashkenazy, benannt nach dem russischen Weltklasse-Pianist Wladimir Ashkenazy, der anlässlich der letzten Durchführung 2005 zusammen mit seinem Sohn Dimitri an der Klarinette ein vielbeachtetes Konzert gab.

Dirigenten standen Schlange

Diese Durchführung war auch gleichzeitig die Jubiläumsveranstaltung 50 Jahre Musikpreis Grenchen. Die «Internationalen Musikwoche Grenchen» war tatsächlich international bekannt. Für den Dirigentenwettbewerb «Prix Credit Suisse» im Jahr 2005 hatten sich beispielsweise über 20 bereits etablierte Dirigenten aus Brasilien, Japan, Estland, Deutschland, Österreich und der Schweiz angemeldet. Am Blasmusikwettbewerb nahmen sechs Orchester teil und hatten als Aufgabenstück ein bis dahin unveröffentlichtes Werk des Komponisten und Dirigenten Stephan Jaeggi.

Besonders wichtig waren aber die Kompositionsaufträge, welche das Kuratorium erteilte: Von 1955 bis 2005 wurden 47 Kompositionsaufträge vergeben. Es entstanden 36 Werke von Schweizer Komponisten und 11 Kompositionen ausländischer Herkunft. Die Uraufführungen dieser Werke erfolgten alle in Grenchen. Darunter Werke, die nach wie vor zum Repertoire vieler Blasorchester gehören.

2006 trat die Geschäftsleitung des Kuratoriums zurück und übertrug Aldo Bigolin die Aufgabe, die Weiterführung sicherzustellen.