Abendmusik Grenchen
Die Grenchner liessen sich faszinieren von den russischen Traumstimmen

Sechs fantastische Stimmen, von Grund auf professionell geschult, bilden das Vokal-Ensemble Lyra aus St. Petersburg. Seit 1994 ist es auf Konzert-Tourneen durch Europa. Nicht zum ersten Mal waren sie nun in der Zwinglikirche in Grenchen zu Gast.

Hans Blaser
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Die Chorformation Lyra gastierte in der Zwinglikirche

Die Chorformation Lyra gastierte in der Zwinglikirche

Hanspeter Bärtschi

Irina Suchodolova, Leiterin des Ensembles und gleichzeitig Ansagerin, behauptete jedenfalls, das eine oder andere Gesicht im Publikum bereits zu kennen. In flüssigem Deutsch stellte sie die zwei anderen Frauen und die drei Männer vor. Sie nannte ihre Namen, natürlich ungewohnte russische Namen, schwierig zu verstehen und noch schwieriger zu merken.

Konzert in drei Teilen

Dass sie alle solistisch ausgebildet sind, war gut zu hören; ob sie allein, zu zweit oder zu dritt sangen. Davon profitierte auch ihr unisono vorgetragener Gesang. Suchodolova beschrieb sie auch alle als professionelle Sängerinnen und Sänger. Alle würden neben ihrer beruflichen Tätigkeit auf der Bühne oder in Konzertsälen auch immer wieder an orthodoxen Liturgien teilnehmen. Dabei habe man sich kennen gelernt. Dort habe das Ensemble Lyra auch seinen Ursprung. Vielleicht ist es auch das Geheimnis ihres Erfolges im übrigen Europa.

Das Ensemble gliederte sein Konzert in drei Teile. Zu Beginn waren es Gesänge aus der russisch-orthodoxen Liturgie. Einen mittleren Teil widmete es klassischen Liedern mit Klavierbegleitung. Dabei konzentrierten sie sich ausschliesslich auf russische oder zumindest osteuropäische Komponisten. Mit dem dritten Teil schliessen sie normalerweise ihr Konzert ab.

Sehnsucht, Leidenschaft und Glück

In den entsprechenden Kleidern boten sie ausgesuchte Beispiele aus der heimatlichen Folklore. Auch mit diesen Liedern voll von Sehnsucht und Leidenschaft, Glück und Erfüllung kamen sie gut an. Verstanden hat sie niemand. Irina Suchodolova erklärte zwar jeweils kurz ihren Sinn. Der wurde beiläufig auch wahrgenommen. Fasziniert hat aber die sorgfältige kunstvolle Wiedergabe auch dieser Lieder. Die hielt durchaus Stand mit der äusserst musikalischen Interpretation der beiden vorangehenden Abschnitte.

In Anbetracht der Adventszeit fügten sie zwei Weihnachtslieder an. Zu beiden war das Publikum eingeladen, mitzusingen. Es wagte aber kaum jemand den direkten Vergleich mit diesen wunderschönen Stimmen. An der Sprache kann es nicht gelegen haben: Die Russen sangen «Oh Tannenbaum» nämlich deutsch.

In welcher Sprache sie «Stille Nacht» sangen, war gar nicht so klar. Gerade da trat ihre raffinierte Technik am deutlichsten hervor. Die besteht darin, den Text zugunsten der Melodie zurückzudrängen. Es werden fast nur Vokale gesungen.