Grenchen

Die «Gosche» spart nicht mit Hohn und Spott

Die Fasnachtszeitung «Gosche» spart auch in diesem Jahr nicht mit träfen Sprüchen.

Die Fasnachtszeitung «Gosche» spart auch in diesem Jahr nicht mit träfen Sprüchen.

Wer in der einzigen Grenchner Fasnachtszeitung, der «Gosche» erwähnt wird, darf stolz sein. Das «fasnächtliche, unzensurierte Intelligenzplatt» wird am Donnerstag durch die Goschenschreiber verteilt und ist ab Freitag an diversen Verkaufsstellen erhältlich.

Die Autoren des 73. Umgangs des «offiziellen Orkans der Faschingszunft Grenchen, dem fasnächtlichen, unzensurierten Intelligenzplatt», das man für einen 5-liber, «all inclusive, währungsbereinigt und gebrexitet» ab morgen an diversen Verkaufsstellen erstehen kann, nehmen auch dieses Jahr kein Blatt vor den Mund. Sie legen in ihrem gelben Heft den Finger auf offene oder schlecht verheilte Wunden und nennen die Dinge beim Namen.

Natürlich wollen wir hier nicht in allen Details verraten, wer alles wie tief durch den Kakao gezogen wurde. Grenchnerinnen und Grenchner können versichert sein, die Auswahl der «Zielpersonen» ist gross. Und man hat den Eindruck, als seien die Autoren wieder etwas schärfer drauf, verglichen mit der milden Variante im Jahr zuvor.

Göschis Reise durch die Traumwelt

Wie üblich beginnt der Reigen mit der ungereimten Reise des Göschi durch die Stadt, wo es etlichen bekannten Zeitgenossen und -genossinnen begegnet. Und jede dieser Personen hat einen spezifischen Wunsch – sprich: Platzbedarf. So möchte SVP-Gemeinderat Ivo von Büren am liebsten ein Gratis-Parkhaus, Angela Kummer sucht Platz für die Preziosen aus dem Museum, für die Ettlins einen neuen Bahnhofplatz – der alte ist einfach zu unübersichtlich – und für Alt-Ober Thomas Meister eine neue Reithalle. Göschi nimmt all die Wünsche auf, die ein bekannter und hier nicht genannt sein wollender Multimillionär, der in Grenchen auch sonst ein wenig sportlichen Zaster liegen lässt, später einmal bezahlen soll. Selbiger Sponsor ziert übrigens auch das Titelblatt, wie er zusammen mit dem umtriebigen Elias «es frivols Renne um e Chlütter» läuft.

Weiter geht’s in gereimter und geschüttelter Form, die Autoren der Gosche nahmen sich auch zeitgemäss dem Internetz an: «Du bisch vor Gränche, wenn ...» dürfte eine ergiebige Quelle gewesen sein. Wie auch die Online-Version dieser Zeitung, die den Redaktoren ausserdem dazu verhalf, gleich zwei Mal «unschuldig» im fasnächtlichen Intelligenzplatt erwähnt zu werden. Eine Ehre, die dem Grenchner Tagblatt seit geraumer Zeit nicht mehr zuteil wurde – obschon sich die Macher der Gosche doch regelmässig bei ebendiesem Blatt nach verwertbaren Themen umsehen.

Ereignisse, die Geschichte schrieben

Auch in diesem Jahr fanden die Goscheschreiber die Themen, welche durchs Jahr hindurch die Gemüter bewegten.Waren es letztes Jahr unter anderem der Dokfilm über Grenchen und ein Zugezogener, den man auf einen hohen Stapler setzte wie auch die «üblichen Verdächtigen», die fast jedes Jahr im Fasnachts-Blatt vorkommen, wurden sie fündig: Fast alle Storys, welche in Grenchen im vergangenen Jahr (oder auch erst ganz kürzlich) die Gemüter erhitzten, seien es Geschichten aus dem politischen Alltag, der Verwaltung oder dem täglichen Leben, fanden ihren Weg in die Fasnachtszeitung. Angefangen vom Sandkasten auf dem Märitplatz über den Kunstrasen-Beschluss und den Taucher-Skandal in der Badi bis zur zeitweiligen Sperrung der Bettlachstrasse oder dem verhinderten Brand im Hotel de Ville und dem verlorenen Final im Donnschtig-Jass.

Selbstverständlich werden auch Personen aus der lokalen Prominenz thematisiert: So wird der jüngst zum Schlagerstar gekürte Kurt «Moos» Gilomen wegen dessen Vorliebe für bissige Facebook-Posts zum «Shitstorm influencer», und beim bekannten Grenchner Grosswildjäger und Reiseveranstalter Eric von Schulthess kann man sich den lang ersehnten Leopardenpelzmantel gleich selber schiessen.

Politik und Verwaltung bleiben nicht verschont

Natürlich – das liegt schon fast auf der Hand – kriegen diverse Gemeinderäte, Chefbeamte und Abteilungsleiter und selbstredend auch der Stadtpräsident ihr Fett weg. Aber auch andere Grenchner Persönlichkeiten werden - zumindest im «Narre-ABC» auf der letzten Seite gebührend gewürdigt. Mit träfen Zweizeilern, bei denen man des Öftern zwischen den Zeilen lesen muss. Dabei treffen die Autoren öfters den Nagel auf den Kopf bei der Charakterisierung ihrer «Opfer».

Die aktuelle Ausgabe der Gosche lässt einen schmunzeln, insbesondere dort, wo die Macher auf «political correctness» verzichten und mitunter auch Reime unter der Gürtellinie bringen oder Witze ganz und gar nicht gendergerecht plazieren. Die Verarbeitung der Skandal-Geschichten, die zum Teil sogar schweizweit die Runde machten, gehören zu den Highlights der Gosche.

Die Karikaturen der Protagonisten von D.r.Pad, der kurzfristig für den abgesprungenen Leo einspringen musste, haben einen recht hohen Wiedererkennungswert – oder bringen das Thema gelungen auf den Punkt.

So oder so, eine gelungene Fasnachtszeitung, deren Kauf sich allemal lohnt: Die Lachmuskeln werden nicht geschont!

Die Gosche ist ab morgen an diversen Verkaufsstellen erhältlich – Bäckereien, Läden, Gewerbebetriebe, Kioske, Restaurants.

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