Jean-Pierre Ruch, Geschäftsführer der Repla Grenchen-Büren, erklärte dem Gemeinderat an der letzten Sitzung das Konzept für einen überkommunalen Richtplan «Energie» im Raum Grenchen und Büren. Die Gemeinde Bettlach, die auch in anderen Bereichen in der Vergangenheit oft eine Pionierrolle übernommen hatte, soll sich an diesem Richtplan beteiligen.

Um was geht es? In jeder Gemeinde existieren Orte oder Betriebe, die Energie erzeugen oder erzeugen könnten. Und jede Gemeinde verfügt über potenzielle Energie-Abnehmer. Der Fokus liegt dabei auf erneuerbarer Energie – Solarenergie, geothermische Energie, Energie aus Biogas und Ähnlichem – sowie der Abwärme, die in industriellen Betrieben entsteht und genutzt werden kann.

Der Energie-Richtplan stellt als Erstes den Ist-Zustand fest, also wo welche Energie vorhanden ist und wer sie optimal nutzen kann. Mit dem Richtplan will man es den Gemeinden und der Region ermöglichen, ihre Energieversorgung zu analysieren und ihnen eine Grundlage liefern, mit der sie ortsgebundene Abwärme und erneuerbare Energien optimal nutzen können. Gleichzeitig will man den Gemeinden auch über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus eine sinnvolle Energieplanung ermöglichen.

2000-Watt-Gesellschaft bis 2050

Grundgedanke ist dabei, weg von den fossilen Energieträgern Erdöl und Erdgas zu kommen sowie den vom Bund beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie umzusetzen und dabei die kommunalen und regionalen Möglichkeiten, zukünftig Energie zu sparen und sinnvoll zu verwenden, besser auszuschöpfen. Man strebt dabei bis ins Jahr 2050 eine 2000-Watt-Gesellschaft an.

«Im Kanton Bern ist man in dieser Hinsicht wesentlich weiter, als im Kanton Solothurn», erklärte Ruch. Dort ist der Energierichtplan im Energiegesetz bereits gesetzlich verankert. Im Kanton Solothurn gibt es noch keine Regelung, aber es besteht ein grosses Interesse.

Grenchen ist als einzige der neun Gemeinden der Repla GB als Energiestadt zertifiziert, die Berner Gemeinden Büren und Lengnau sind daran, das Label zu erreichen. Die Kantone Bern und Solothurn beteiligen sich je zu einem Viertel an den Gesamtkosten von 180000 Franken, der Rest wird von den neun Gemeinden proportional zur Einwohnerzahl finanziert. Die Beteiligung Bettlachs fällt mit 8800 Franken günstig aus, den grössten Beitrag hat Grenchen mit 30000 Franken letzten Dienstag bewilligt.

Vorhaben im Gegenwind

Das Vorhaben gefiel nicht allen im Gemeinderat: Vertreter der SVP-Fraktion, die schon während des Vortrags von Jean-Pierre Ruch wenig Geduld zeigten, meinten, dass es nicht die Sache Bettlachs sei, voreilig Dinge zu entscheiden, die zuallererst vom kantonalen Parlament abgesegnet werden müssten.

Es bestehe kein Handlungsbedarf, und die Repla GB suche sich bloss Arbeit. Der Kanton Solothurn sei noch immer ein Kernkraft-Kanton und man wolle hier einen vorzeitigen Ausstieg vorantreiben. Leonz Walker meinte sogar, es sei eine Anmassung seitens der überaktiven Repla, so ein Projekt vorzustellen.

Für wenig Geld «scharfe» Daten erhalten

Die CVP, allen voran Gemeinderat Thomas Steiner, begrüsste das Projekt. Der Rat habe in der Vergangenheit mehr aus dem Bauch heraus für oder gegen Vorlagen im Bereich Energie entschieden. Nun habe man die Möglichkeit, für wenig Geld «scharfe» Daten zu erhalten, die die Grundlage für Entscheide bilden können.

Auf die Frage von Gemeinderätin Barbara Leibundgut (FDP), was geschehe, wenn die Repla durch die Regionalkonferenzen abgelöst werde, meinte Ruch, der Kanton Bern wolle zuerst die Jurafrage klären, bevor über die Regionalkonferenz Biel Seeland abgestimmt werde. Das sei frühestens in zwei Jahren der Fall und betreffe den Energie-Richtplan nur am Rande.

Auch die SP, allen voran Gemeinderat Mathias Stricker, begrüsste den Richtplan. Gemeindepräsident Hans Kübli betonte, dass die Gemeinde hier eine einmalige Gelegenheit erhalte, für günstiges Geld zu einem Richtplan zu kommen, der andere Gemeinden im Bernbiet ein Mehrfaches gekostet hat und den man früher oder später in Hinsicht auf die Ortsplanungsrevision sowieso machen lassen muss.

Alle Fraktionen mit Ausnahme der SVP stimmten schliesslich für den Gemeindebeitrag von 8800 Franken.