Grenchen
Die Gebrüder Yigit führen das «Feldschlösschen» seit 10 Jahren

Das Restaurant Feldschlösschen an der Schmelzistrasse in Grenchen ist ein geschichtsträchtiger Betrieb. Den richtigen Riecher hatten die Gebrüder Yigit, als sie das Restaurant vor 10 Jahren übernahmen.

Patrick Furrer
Merken
Drucken
Teilen
2002 war das Restaurant noch hellblau.
7 Bilder
Die Brüder Bayram (Wirt) und Sihmehmet Ygit (Koch) übernehmen das Restaurant im Jahr 2002.
2005 präsentiert sich das Restaurant an der Schmelzistrasse 31 in zartem Gelb.
Die Schlössli Bar unter dem Restaurant.
Bayram Yigit wollte 2010 die Bar zum Fumoir machen. Der «Feldschlösschen»-Wirt scheiterte jedoch. Heute betreibt ein eigenständiger Wirt die Bar.
Bayram und Sihmehmet Yigit
Seit 10 Jahren wird das Restaurant Feldschlösschen in Grenchen von den Gebrüdern Yigit geführt

2002 war das Restaurant noch hellblau.

Robert Grogg

Langlebigkeit ist in der Gastroszene schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Viele Restaurants müssen schliessen, suchen verzweifelt nach neuen Beizern oder scheitern daran, dass die Leute hinter der Theke gar keine Ahnung von Gastronomie haben. Auch für den damals 21-jährigen Bayram Yigit und seinen Bruder Sihmehmet war es vor 10 Jahren ein Wagnis, als sie den heruntergewirtschafteten Restaurationsbetrieb Feldschlösschen am Berg übernahmen.

Zwar hatten beide Erfahrung in der Gastronomie - Bayram Yigit ist gelernter Koch, Sihmehmet Yigit hat über 20 Jahre Erfahrung in der Küche - «ich wusste damals aber nicht einmal, wie man einen Tisch deckt», erinnert sich Wirt Bayram Yigit. Als Jungspund dachte er erst gar nicht daran, länger als zwei, drei Jahre zu bleiben. Es kam ganz anders: Dieses Jahr feiert die Familie Yigit ihr 10-Jahre-Jubiläum im Haus, das für seine italienischen Spezialitäten und fairen Preise bekannt ist. Die Exilaargauer und gebürtigen Türken sind echte Grenchner geworden. «Wir könnten gar nicht mehr weg.»

Rauchverbot überstanden

Das «Feldschlösschen» hat eine bewegte Geschichte. Vor zwei Jahren machte es von sich reden, als der Kanton ein Gesuch um Einrichtung eines Fumoirs in der Bar ablehnte, die im Stockwerk unter dem Restaurant liegt. Yigits machten Beschwerde, scheiterten aber. Heute wird die Bar wieder von einem eigenständigen Wirt geführt. Letztlich hatte das Rauchverbot aber weniger Konsequenzen, als man befürchtete. «Einige Leute kommen seltener, dafür gibts andere - Nichtraucher - die vorher gar nie kamen», sagt Bayram Yigit. Heute kann man im Wintergarten rauchen, jedenfalls, wenn die Fenster geöffnet sind. Das sei aber kein wichtiges Verkaufsargument mehr. Die Leute haben sich ans Rauchverbot gewöhnt.

Als das Chaos herrschte

Bevor Yigits ins «Feldschlösschen» kamen, gab es vor allem eines - Probleme. Der vorherige Wirt blieb nur kurz, weil die Hausbesitzerin Konkurs anmelden musste, ein Pächter hatte angeblich über 15 Monate keine Miete mehr bezahlt. Zuvor hatte das Restaurant einen schlechten Ruf und Stress mit der Lebensmittelkontrolle. In dieser unsicheren Situation sprang der Vorgänger von Yigits ab, das Haus wurde von der Bank der Schuldnerin ersteigert. So konnten die Gebrüder Yigit das Restaurant zum Schnäppchenpreis übernehmen und neu positionieren. (fup)

Insgesamt laufen die Geschäfte gut - mal abgesehen von der derzeitigen Sommerflaute. Schwierig waren die ersten Jahre; vor Yigits war das Restaurant zwei Jahre lang zu und hatte zuvor einen miserablen Ruf. Es brauchte eine Weile, bis die Kunden verstanden, dass Yigits ganz anders ticken. Sie haben den Betrieb wieder auf Vordermann gebracht. «Wir bemühen uns, die Qualität stets zu halten und uns immer wieder zu optimieren», sagt Sihmehmet Yigit. Anders hätten sie es gar nicht so lange geschafft.

Gekauft zum Schnäppchenpreis

Noch etwas zeichnet das Jubiläum aus; auch eine Portion «Schwein» trug zum Erfolg der beiden Beizer bei: Vor 10 Jahren konnten sie das Restaurant nämlich zum Schnäppchenpreis kaufen, da es vorher zwangsversteigert wurde, weil der frühere Besitzer Konkurs ging. Für knapp 400 000 Franken hatte es damals die UBS erworben. Später haben es Yigits der Bank abgekauft.

Baulich ist in den 10 Jahren nicht viel passiert, ausser, dass die Terrasse zum Wintergarten umfunktioniert wurde. «Für grössere Änderungen müsste man sehr viel Geld in die Hand nehmen», erklärt Bayram Yigit. Auch der Name wurde immer beibehalten. «Feldschlösschen» blieb «Feldschlösschen» - ausgeschenkt wird ebenfalls der Gerstensaft aus dem aargauischen Sudhaus. Nebenbei bemerkt: In der Schweiz gibt es rund 50 Gastronomiebetrieb mit diesem Namen. Das Restaurant Feldschlösschen in Grenchen befand sich bis in die 1980er-Jahre im Besitz der Brauerei und kam so zu seinem Namen.

Dankeschön an die Gäste

Das Restaurant wird heute als Familienbetrieb geführt. Vor kurzem stieg auch der dritte Bruder ins Geschäft mit ein. Als Familie sei es einfacher, manchmal etwas länger oder strenger zu arbeiten, sagt Sihmehmet Yigit. Nebst den italienischen Spezialitäten bietet das «Feldschlösschen» auch preiswerte Mittagsmenüs und ein- bis zweimal jährlich eine türkisch-anatolische Spezialitätenwoche an.

Für die Treue der Kunden bedankt sich die Familie Yigit nun kommenden Samstag mit einem Apéro. Dieser findet von 11 bis 15 Uhr statt. «Alle sind herzlich eingeladen», sagt Bayram Yigit. «Und wir hoffen natürlich, dass uns die Leute auch in den nächsten 10 Jahren die Treue halten.»