Wer in diesen Tagen das Altersheim Kastels passiert, mag sich fragen, weshalb dort plötzlich die drei Gedenksteine für die Grenchner Heldinnen und Helden, welche sich vor 213 Jahren den einfallenden Franzosen entgegenstellten, platziert sind. Es gibt den Schmuck für den neuen Platz an der Maria-Schürer-Strasse. Noch aber sind die Arbeiten nicht abgeschlossen.

Todesmutig in den Kampf

Die Steine tragen nicht allein für Grenchen eine grosse, historische Botschaft in sich. 1798 fielen französische Truppen überall in die alte Eidgenossenschaft ein; die Französische Revolution führte mit Napoleon auch zur Helvetischen Revolution und schliesslich zur Ausrufung der Helvetischen Republik im April 1798. Historiker und Autor Rainer W. Walter beschrieb die Ereignisse im Seeländer Volkskalender Seebutz wie folgt: Am 6. Februar besetzten die französischen Truppen die Stadt Biel und die Dörfer Bözingen, Pieterlen und Reiben.

Am Morgen des 2. März rückten die französischen Truppen in Lengnau ein. Die gegnerische Hauptmacht rückte von Lengnau her gegen Grenchen, eine kleinere Abteilung wählte den Weg über Romont. Die solothurnischen Truppen erwarteten den Feind hinter den Stellungen an der Bergstrasse, im Eichholz und bei der Tuffgrube. Während die Männer den ungleichen Kampf bei der Tuffgrube aufnahmen, formierte sich im Dorf Grenchen ein Frauenbataillon.

Mit Hellebarde bewaffnet

Jakob Benedikt Rüefli (genannt Selzenjoggi, weil er in Selzach geboren war) befehligte die Schar der Frauen von Grenchen und Bettlach, die mit Hellebarden, Spiessen und Gabeln ausgerüstet waren. Selzenjoggi stürmte mit seiner Schar gegen die Schmelzi hinauf. Vom Feind am Helm getroffen wurde, stürzte er benommen nieder. Als er sich erholt hatte, war seine Truppe schon in alle Winde zerstreut. Selzenjoggi hatte den Schuss überlebt. Er starb erst im Alter von 82 Jahren. In Staad wurde eine kleine Brücke nach ihm benannt.

Unter den kämpfenden Frauen befand sich auch Maria Schürer. Sie wollte eigentlich nach Bettlach, hörte dann aus dem elterlichen Hause Gewehrschüsse und sah ihren Vater in den letzten Zügen liegen. Sie holte die Pferde aus dem Stall und bewaffnete sich mit einer Hellebarde. Zu ihr gesellte sich Elisabeth Frei. Als sich die beiden jungen Frauen französischen Dragonern gegenübersahen, töteten sie den einen Gegner und schlugen einen zweiten verwundet in die Flucht.

Doch weitere Soldaten töteten die beiden Frauen. An diesem Tage fielen in Grenchen insgesamt 16 Frauen und Männer. Unter den Gefallenen war auch der Müller Andreas Hugi, der versucht hatte, im Dorf den Landsturm zu organisieren.

Schlicht aber informativ

Den zwei Grenchner Heldinnen und dem Helden, stellvertretend für alle anderen, wurden je ein Stein gewidmet und am überlieferten Ort ihres Todes aufgestellt. Der Maria Schürer-Stein fand seinen Platz an der Kastelsstrasse beim Kreisel vor dem Altersheim. Da das Haus, vor dem er platziert war, diesen Sommer abgerissen wurde, musste er weg. Auch der Elisabeth Frei-Stein und der Andreas Hugi-Stein waren im Kastels-Quartier aufgestellt worden.

Nun beschloss die Kulturkommission in Zusammenarbeit mit den Gewerbeverein Grenchen GVG und der Stadtgärtnerei, die drei Steine zusammenzubringen. «Wir möchten den Steinen einen würdigeren Platz geben», erklärt Angela Kummer, Präsidentin der Kulturkommission. Neben der Bushaltestelle des Altersheims wird nun das neue Zuhause fertiggestellt. «Wir wollen einen schlichten Platz gestalten, in der Art des Mazzini-Parkes, und ihn mit einer Info-Tafel zu den drei historischen Personen versehen.

Die Steine werden auf der einen Seite nebeneinander zu stehen kommen, eine Parkbank soll zum Verweilen einladen», sagt Kummer weiter. Der Platz erhält ausserdem einen neuen Belag und eine attraktive Bepflanzung. Bis Ende nächster Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Schliesslich wird noch eine Informationstafel mit Erläuterungen zu den Geschehnissen von 1798 angebracht. Im Frühjahr 2012 soll der neue Platz feierlich eingeweiht werden.