100 Jahre Grenchenberg-Tunnel

Die Finanzierung kam aus Frankreich und hatte politischen Hintergrund

Eine frühe Baustelle der Moutier-Lengnau-Bahn MLB auf Grenchner Boden.

Eine frühe Baustelle der Moutier-Lengnau-Bahn MLB auf Grenchner Boden.

Am 1. Oktober 1915 wurde der fahrplanmässige Bahn-Betrieb durch den 8,578 km langen Grenchenbergtunnel aufgenommen. Der Grossteil des benötigten Kapitals zum Bau der Moutier-Lengnau-Bahn (MLB) stammte aus Frankreich – und das mit gutem Grund …

Man kann sich lebhaft all die Diskussionen vorstellen, die im Vorfeld der eigentlichen Bauarbeiten die Gemüter bewegten und die Fachleute vor grosse Fragen stellten. Eine der Diskussionen drehte sich naturgemäss ums Geld. Zu Beginn der Planung sprach man von einem benötigten Kapital von rund 25 Mio. Franken. An diesem Punkt angelangt, trat Frankreich auf den Plan (und hinter Frankreich vertraten England und Belgien die gleichen Interessen).

Beteiligung an der BLS

Zur Finanzierung dieses Baubudgets übernahm die französische Ostbahn für sechs Millionen Franken neue Stammaktien und für weitere vier Millionen neue Prioritätsaktien der BLS, die nun nach längeren Verhandlungen als Konzessionsträgerin in Erscheinung trat. Für 15 Millionen legte die Crédit français in Paris eine vierprozentige Anleihe auf. Das endgültige Budget sah Aufwendungen im Umfang von 26,022 Mio. Franken vor. Die Abrechnung ergab dann einen Aufwand von 25,718 Mio. Franken.

Es stellt sich nun die Frage, was Frankreich bewogen haben mochte, den Löwenanteil der Baukosten der MLB zu übernehmen. Um diese Frage beantworten zu können, muss man die politische Landschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrachten: Die beiden Regionen Elsass und Lothringen waren in deutschem Besitz. Frankreich und seine Verbündeten suchten einen Zugang durch die Alpen nach Oberitalien, ohne deutsches Gebiet durchqueren zu müssen.

Staatsvertrag mit Frankreich

Deshalb mussten die Initianten des Grenchenbergtunnels garantieren, dass die Eisenbahnlinie von Delle durch den Jura nach Süden den Anschluss an die Lötschberg- und Simplonlinie garantiert. Bei den Verhandlungen des entsprechenden Staatsvertrages machte Frankreich die Ratifikation des Frasne -Vallorbe-Abkommens von der Erstellung der MLB und des Grenchenbergtunnels abhängig. Frankreich war, wenn man genauer hinschaut, recht eigentlich die Patin der Moutier-Lengnau -Bahn.

Vom entscheidenden Augenblick an übertrugen die Initianten ihre Konzession der BLS. Somit war von allem Anfang an die MLB ein Teil der BLS. Dank der grossen eisenbahntechnischen Erfahrungen, welche die BLS besass, nahm das Projekt MLB Fahrt auf und war auf gutem Weg. – Zwei Ideen und Wünsche konnten beim Bau der Linie nicht verwirklicht werden: Frankreich hätte es gerne gesehen, wenn die Linie von Grenchen über Büren nach Lyss geführt hätte. Die Bieler sahen das allerdings anders, und dank des grossen Einsatzes der Bieler blieb es bei der Linien-Wende bei Biel.

Das Schweizerische Post- und Eisenbahndepartement und die Leitung der BLS hätten es wiederum gerne gesehen, wenn die gesamte Linie der BLS zweispurig ausgebaut worden wäre. Auch die BLS hätte diese Erweiterung bevorzugt, doch es fehlten sechs bis acht Millionen Franken. Allerdings besitzt die einspurige Führung durch den Tunnel und über die beiden Grenchner Viadukte auch einen grossen Vorteil: Wenn zwei Zugs-Kompositionen kreuzen müssen, geschieht dies auf der Höhe des Bahnhofes Grenchen Nord. Damit ist der Halt der Züge in Grenchen geradezu garantiert, und das freut Grenchens Zugbenützer.

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