Die Grenchner Feuerwehr hat im vergangenen Jahr 181 Einsätze geleistet. Dies ist der aktuellen Statistik zum Jahr 2016 zu entnehmen. Nur 24 der Einsätze waren Brände, dazu kamen 48 Alarme von Brandmeldeanlagen ohne Intervention, 28 Elementarereignisse (Wasser und Sturmschäden) und 14 technische Hilfeleistungen.

Eine bemerkenswert hohe Zahl waren die Einsätze wegen Insekten: 42 Mal wurde 2016 die Feuerwehr wegen Bienen, Wespen oder Hornissen gerufen. Das ist fast doppelt so oft wie bei Feuer. Für Feuerwehrkommandant Thomas Maritz ist das nichts Aussergewöhnliches. «Die Brandschutzmassnahmen sind heute sehr weit entwickelt und die Gesellschaft lässt sich diese auch etwas kosten. Deshalb brennt es heute effektiv weniger als früher», begründet Maritz. Dafür nehmen die sogenannten technischen Hilfeleistungen zu, zu welchen auch das Zerstören von Wespennestern oder Einfangen von Bienenschwärmen gehört.

Fachleute mit Giftausbildung

In der Feuerwehr Grenchen haben laut Maritz drei Personen eine Giftausbildung zum Zerstören von Wespennestern. «Wir machen das allerdings nur, wenn die Wespen wirklich stören oder eine Gefahr für die Leute werden, denn sie spielen ja auch eine Rolle im Ökosystem.» Wespennester, die keine Gefahr darstellen, lasse deshalb man in Ruhe.
Anders ist es mit Bienenschwärmen. Hier wendet sich die Feuerwehr jeweils an einen Imker, der die Bienen, meistens mithilfe der Feuerwehr, wieder einfängt. Ende Mai gabs einen spektakulären Einsatz, als sich ein Bienenschwarm mitten in der Fassade des Hochhauses am Bodenrain niederliess.

Neue Drehleiter im Einsatz

Erstmals kam bei der Bergung die neue Feuerwehr-Drehleiter zum Einsatz. Imker Adrian Gerber, der regelmässig für solche Einsätze aufgeboten wird, erklärt, wie es dazu kommt. «Wenn ein Bienenvolk wächst, wird es im Stock eng. Es macht sich eine neue Königin, schwärmt aus und sucht sich eine neue Bleibe.»

Der Imker rückt mit einer Kiste aus und kann den Schwarm hineinwischen und den Deckel schliessen. «Dabei ist entscheidend, dass die Königin dabei ist, dann folgen alle andern Bienen.» Dann genüge es, die Kiste bis nach Sonnenuntergang stehen zu lassen, denn wenn es dunkel wird, kehren alle Bienen in den Stock ihrer Königin zurück. So ist Gerber auch beim Schwarm im Bodenrain vorgegangen.

Besitzer meist unauffindbar

Nur selten komme es vor, dass der Besitzer des Schwarms ausfindig gemacht werden könne oder sich melde. Und so sucht Gerber einen Platz bei seinen Imkerkollegen in der Region- oder im eigenen Bienenhaus. Letztes Jahr schwärmten die Bienen heftig. «2016 haben wir 30 Schwärme eingefangen, heuer waren es bis jetzt erst acht», berichtet Gerber.

Thomas Maritz betont, dass die Feuerwehr für die Insektenbekämpfung oder das Entfernen von Bienenvölkern Rechnung stelle. «Allerdings haben wir im Vergleich zum Kammerjäger sehr moderate Tarife.» 80 Franken kostet ein solcher Einsatz, die Spezialfirma würde wohl ein Mehrfaches berechnen. Nicht mehr alle Feuerwehren rücken wegen Insekten aus. Grenchen habe aber beschlossen, diese Dienstleistung weiterhin zu einem moderaten Preis anzubieten. «Wir verstehen das auch etwas als Service public.»