Bettlach
Die Fernwärme ist in Bettlach vorerst vom Tisch

Die Kebag liefert Fernwärme bereits bis Solothurn. Warum also nicht einen Wärmeverbund bis Grenchen in Anbetracht ziehen? Nicht für Bettlach. Der Gemeinderat beschloss, sich nicht an einer Machbarkeitsstudie zu beteiligen.

Oliver Menge
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«Ofen aus» für die Kebag Zuchwil, wenigstens, was die Fernwärme für Bettlach angeht. mt Archiv

«Ofen aus» für die Kebag Zuchwil, wenigstens, was die Fernwärme für Bettlach angeht. mt Archiv

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Eigentlich ging es beim entsprechenden Traktandum der Gemeinderatssitzung «nur» um eine Beteiligung der Gemeinde Bettlach an einer Machbarkeitsstudie zur Fernwärme in der Höhe von 2681 Franken. Ein Betrag, den der Gemeindepräsident ohne Weiteres selber hätte bewilligen können. Aber Hans Kübli wollte die Diskussion auf eine politische Ebene bringen. Als Referent wurde Richard Kaufmann, Verwaltungsrat-Vizepräsident der Kebag Zuchwil, eingeladen.

Dieser erklärte in seinen Ausführungen als Erstes, um was es bei dem geplanten Fernwärmeverbund überhaupt geht. Die Kebag verbrennt jährlich 200000 Tonnen Abfall. Dabei entsteht Wärme, die zum Teil in Strom umgewandelt wird und zu einem anderen Teil als Fernwärme in Form von Dampf oder Heisswasser an Kunden verkauft wird. Mit der RegioEnergie Solothurn hat die Kebag aktuell bereits einen regionalen Vermarktungspartner. Die Fernwärmeleitungen wurden schon bis zum Dornacherplatz in Solothurn gezogen und ein weiterer Ausbau ist geplant.

Neuer Wärmeverbund?

Laut Kaufmann liege es auf der Hand, darüber nachzudenken, diese Leitung bis nach Grenchen weiterzuziehen und einen neuen Wärmeverbund ins Leben zu rufen, insbesondere da die Kapazität der Kebag noch nicht ausgeschöpft sei. Das Basler Ingenieurbüro Gruneko AG wurde damit beauftragt, eine Offerte für eine Machbarkeitsstudie einzureichen. Die Gemeinden Bellach, Selzach, Bettlach und die Stadt Grenchen hätten zusammen 28900 Einwohner und keine anderen substanziellen Quellen zum Bezug erneuerbarer oder CO2-armer Wärme im Gebiet, heisst es in der Vorstudie von Gruneko. Darum dränge sich die Prüfung eines möglichen Wärmeverbundes auf. Die Kosten für die Studie würden, abhängig von der Einwohnerzahl, auf die Gemeinden verteilt.

Grenchen ist nicht begeistert

In Grenchen war Kaufmann letzte Woche bei der Gemeinderatskommission (GRK) nicht nur auf Gegenliebe gestossen, wie er berichtete. Die GRK habe noch nicht entscheiden können und habe das Geschäft zurückgestellt, so Kaufmann.

Per Just, Direktor der SWG, bestätigt auf Nachfrage, dass man sich eingehend mit dem Thema befasst habe. Für ihn mache Fernwärme durchaus Sinn, aber nur in unmittelbarer Nähe der Wärmequelle. Er habe aufgrund der Angaben von Gruneko eine Kosten-Nutzen-Rechnung für die Stadt Grenchen erstellt und sei zum Schluss gekommen, dass sich das angesichts der hohen Investitionskosten aufgrund der Entfernung zur Kebag und der langfristigen Amortisation für Grenchen nicht lohne. Die Bestrebungen, vermehrt auf Minergie zu setzen und den Energieverbrauch möglichst zu reduzieren, würden dazu führen, dass man in zukünftigen Jahren über zu viel Heizenergie verfüge, falls man die Fernwärmeleitung bis nach Grenchen ziehe. In diesem Sinne sei auch seine Empfehlung zuhanden der GRK ausgefallen.

Mehrere Millionen Investitionen nötig

Gemeindepräsident Hans Kübli blies in dasselbe Horn. In Bettlach werde viel hinsichtlich erneuerbarer Energie investiert, sei es in Sonnenenergie, Windenergie oder andere. Bettlach sei nicht kompakt besiedelt, und dementsprechend würde ein Verteilnetz für die Fernwärme auf Gemeindegebiet – das die Gemeinde selber berappen müsste – enorm teuer. Man müsse mit mehreren Millionen Franken Investitionen rechnen.

Aber er wolle diese Sache politisch vom Gemeinderat beurteilen lassen, auch wenn der Betrag, wie es Gemeinderat Leonz Walker ausdrückte, «Peanuts» sei. Dass Grenchen aber im Gegensatz zu Selzach nicht unbesehen bei der Studie mitmachen wolle, war für einzelne Gemeinderäte erwähnens- und bedenkenswert. Der Gemeinderat war sich nach einer kurzen Diskussion nicht einig. Die eine Hälfte befürwortete die Machbarkeitsstudie, die andere folgte dem Votum Küblis, der bei der Abstimmung dann mit Stichentscheid die Beteiligung der Gemeinde bachab schickte. Fernwärme ist in Bettlach vorerst vom Tisch.

Lange Rede, kurzer Sinn

In einem weiteren Traktandum hatte der Rat über einen Vorschlag für die an der letzten Sitzung beschlossenen Tempo-30-Zone zu befinden. Die Baukommission hatte festgelegt, wo genau die Zone begrenzt werden sollte (wir berichteten). In der darauf folgenden Beratung brachten alle Parteien verschiedene Vorschläge ein und nach etwas mehr als einer Stunde Diskussion und Abstimmungen über die einzelnen Anträge, war man wieder fast beim ursprünglichen Vorschlag der Baukommission angelangt.

Mit einer kleinen Änderung: Thomas Eberhard von der SVP forderte, dass Parkplätze an der Jurastrasse nicht in die Strasse hinein versetzt werden sollen, wie von der Baukommission vorgeschlagen. Nun muss in diesem Bereich eine Ersatzmassnahme zur Temporeduktion gesucht werden. Der Plan wird in Kürze öffentlich aufgelegt.

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