Stadtparteien
Die FDP-Basis hadert mit ihrem nationalen Präsidenten

Angst vor Wahlverlusten und Unmut über die nationale Parteiführung beschäftigten die Grenchner FDP an ihrer Generalversammlung. Einige haben in Fulvio Pelli den Schuldigen gefunden.

Lucien Fluri
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Hansjör Sahli

Ethisch korrektes Handeln von Unternehmern würden Wähler nicht mehr mit der FDP in Verbindung bringen, kritisierte ein Mitglied den Glaubwürdigkeitsverlust der eigenen Partei. Parteipräsident Fulvio Pelli sei der falsche Mann an der Parteispitze, war ein anderes Votum aus den Reihen der FDP-Mitglieder.

Alexander Kohli, Präsident der FDP Grenchen, teilte die Kritik. «Wenn sich auf nationaler Ebene nichts ändert, wird es für die Basis schwierig.» Denn die öffentliche Wahrnehmung der Partei gehe vor allem über die nationale Partei – «und leider nicht über das, was die Mitglieder in der Stadt tun.» Gerade in der Stadt, so Kohli, sei das Bemühen aber gross, die Leute in ihrem Alltag abzuholen.

Bereit für neuen Stadtpräsidenten

Zwei Themen stellte Kohli dabei in den Vordergrund. Zum einen die Petition für einen Schuldirektor. Die Unterschriftensammlung sei sehr gut angelaufen, der Rücklauf der Petitionen schüre grosse Hoffnung, sagte Kohli. «Es lohnt sich, dass die FDP seit 2006 auf einem Schuldirektor beharrt,» so Kohli. «Letztlich werden wir wohl recht bekommen», war Kohlis Fazit, denn langsam wachse das Einsehen bei den anderen Parteien. «Seit 2006 haben wir die Position alleine durchgefochten. Heute bildet sich unter den Bürgerlichen eine Mehrheit.»

Zweites wichtiges Thema war für Alexander Kohli die Stimmung in der Stadt. «Sie wird letztlich über den Kopf an der Stadtspitze ausgestrahlt. Das ist kein Ruhmeskapitel.» Die Arbeit im Gemeinderat sei nicht einfach. Kohli dankte insbesondere Hubert Bläsi, der im vergangenen Jahr als Vizegemeindepräsident und Mitglied der Gemeinderatskommission keine einfache Aufgabe gehabt habe. Bereits wagte Kohli einen Ausblick auf die Wahl des Stadtpräsidenten 2013: «Wir sind für verschiedene Szenarien gerüstet, wenn Unbelehrsame unbelehrsam bleiben und Ende der Legislatur weitermachen wollen», sagte Kohli. Entsprechende Allianzen seien vorbereitet.

Nationalratsnomination schmerzt

Ein Schlag für die Grenchner FDP war die Nomination der Nationalratskandidaten, bei der es kein Grenchner oder Leberberger auf die kantonale FDP-Liste schaffte. «Es ist sicher nicht die beste Lösung, dass es keinen Kandidat westlich der Stadt Solothurn gibt, dafür gleich drei Kandidaten in Solothurn selbst», sagte Kohli. Die kantonale Partei müsse sich der Konsequenzen bewusst sein, wenn ganze Landstriche aussen vor gingen. Denn: «Letztlich mobilisieren wir die Stimmen über die Kandidaten.» Und: Auch für die Grenchner Wahlen 2013 werde bereits über die kommenden Nationalratswahlen mobilisiert.

Unverändert bleibt der dreizehnköpfige Vorstand unter Präsident Alexander Kohli und Vizepräsident Raphaël Pilloud. Weiterhin unbesetzt ist das Aktuariat. 380 Mitglieder hatte die FDP Grenchen 2010, 16 weniger als im Jahr zuvor.

Rückstellungen für die Wahlen

Kassier Maria Lo Giudice präsentierte eine positive Rechnung. Der Ertrag von 22361 Franken setzte sich aus Mitgliederbeiträgen, Sitzungsgeldanteilen und den Honoraren der beiden SWG-Verwaltungsräte zusammen. Der Aufwand betrug 7543 Franken, für Wahlen wurden 8000 Franken zurückgestellt und der Bezirksbeitrag machte 6275 Franken aus. Somit resultierte ein Gewinn von 544 Franken. Durch das Sponsoring einzelner Anlässe haben es Grenchner Unternehmer der Partei ermöglicht, einen finanziellen Grundstock zu bilden. Durch Rückstellungen steht für die Wahlen eine gefüllte Kriegskasse bereit.