Budget

Die Existenz der Museen ist in Gefahr

Auch Sonderausstellungen wie die aktuelle über das Bachtelen stünden mit der Kürzung auf der Kippe.Archiv/Oliver Menge

Auch Sonderausstellungen wie die aktuelle über das Bachtelen stünden mit der Kürzung auf der Kippe.Archiv/Oliver Menge

Der Gemeinderat setzt den Kultur-Rotstift an, mit womöglich existenziellen Folgen

Es war an der Gemeinderatssitzung im Juni, als den Grenchner Museen – dem Kultur-Historischen Museum und dem Kunsthaus – noch überaus wohltuende Lorbeeren zuflogen: Damals hiess es im Nachgang eines Postulats von Richard Aschberger (SVP), das Kultur-Historische Museum und das Kunsthaus seien vergleichsweise effizient und kostengünstig (wir berichteten): Mit 310 000 Franken subventioniert die Stadt nämlich einen Anteil von lediglich
46 Prozent an den Kosten der beiden Museen. In Solothurn und Olten sind es deren 3,1 bzw. 1,8 Mio. Fr., die bei den ansässigen Institutionen einen Subventionsgrad von jeweils über drei Vierteln ausmachen.

Von den damaligen wohltuenden Worten klingt aber beim Kultur-Historischen Museum keines mehr bis heute nach: Wie dessen Stiftungsrat nun in einer Medienmitteilung informierte, sei in der vergangenen Sitzung mit grosser Enttäuschung zur Kenntnis genommen worden, dass der Gemeinderat nun dennoch den KulturRotstift bei den Museen ansetzt: Beide Institutionen sollen jeweils zehn Prozent weniger an ihre Betriebskosten erhalten – endgültig über die Kürzung befindet aber das Grenchner Stimmvolk an der Budget-Gemeindeversammlung am 15. Dezember.

Kürzungen mit Folgen

Woran sich der Stiftungsrat im Besonderen stösst: «In Antworten auf zwei Postulate wurde dem Gemeinderat klar dargelegt, dass bereits grosse Anstrengungen unternommen wurden, die Betriebe der beiden Museen der Stadt kostengünstig und effizient zu gestalten.» Nach einem Vergleich mit Olten und Solothurn sei man im Gemeinderat zur Einsicht gelangt, «dass die beiden Häuser die Gelder effizient einsetzen und alle Möglichkeiten ausschöpfen, einen kostengünstigen Betrieb zu gewährleisten.»

Die Kürzungen beim Kultur-Historischen Museum werden mit zehn Prozent am bisherigen Beitrag oder mit 10 000 Franken beziffert. Doch damit nicht genug: Der kantonale Lotteriefonds unterstütze die Museen subsidiär und lege ihren Beitrag gemäss den Leistungen der Standortgemeinde fest. «So muss davon ausgegangen werden, dass auch der Lotteriefonds seinen Beitrag kürzt.»

Die Kürzungen könnten im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld auch nicht durch Sponsoringbeiträge aufgefangen werden. Also bleibe nur noch eines: Leistungsabbau – vermutlich durch eine Verschlankung der Öffnungszeiten von vier Wochentagen auf bloss einen Tag. «Dies würde nicht ohne Folgen auf die Besucherzahlen bleiben und längerfristig den Niedergang des Museums bedeuten», so das skizzierte Szenario. «Eine andere Möglichkeit besteht darin, Sonderausstellungen zu streichen, damit würden aber auch Sponsorbeiträge wegfallen», informiert Stiftungsratspräsident Lukas Walter.

Auch Kunsthaus in Gefahr

Noch tiefer ins Fleisch schneidet die Budgetkürzung offenbar beim Kunsthaus, wie dessen Stiftungsratspräsident Hanspeter Rentsch auf Anfrage erklärt. Die
10-Prozent-Kürzung der Betriebskosten macht dort gar 20 000 Franken aus. Doch damit nicht genug: «Gleichzeitig will der Gemeinderat auch 25 000 Franken für den Ankauf von Kunstwerken wegstreichen», so Rentsch.

Dieser Betrag kam dem Kunsthaus bislang jeweils via Kulturkommission zugute, die bei den Neuerwerbungen mitwirkt. Und auch Rentsch sieht die Existenz der Institution in Gefahr: «Die Kürzung geht auch uns an die Substanz, wo wir schon jetzt mit einem sehr engen Budget gefahren und sicher nicht überdotiert sind.» Deshalb gelangt das Kunsthaus jetzt mit einem Wiedererwägungsantrag an den Gemeinderat. «Beide Museen holen jetzt schon mit einem Minimum an Mitteln das Maximum heraus.

Unsere Ausstellungen werden mit einem Bruchteil dessen realisiert, was in anderen Städten ausgegeben wird.» Und nicht zuletzt bedeute eine Budgetkürzung bei der Kultur auch eine Verschlechterung der Standortattraktivität.

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