Eschen-Sterben
Die Eschen sind todgeweiht – und werden nun gefällt

Stadtgärtnerei fällte junge Eschen entlang der Archstrasse. Eben erst gepflanzt, müssen sie nun entfernt werden. Schuld daran ist eine Pilzkrankheit.

Andreas Toggweiler (Text und Fotos)
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Ein Blick von der Stadtgrenze der Archstrasse entlang Richtung Süden zeigt ein trauriges Bild. Eine ganze Allee von jungen Eschen liegt umgesägt am Boden. Allerdings ist das kein Vandalenakt, sondern die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei sind einfach ihrer Arbeit nachgegangen. «Es ist schon recht traurig, aber uns bleibt nichts anderes übrig», meint Tobias Würsch, Leiter der Stadtgärtnerei Stadtgrün Grenchen. Die erst vor acht Jahren angepflanzten Eschen waren nämlich krank.

«Wir müssen leider auf dem Stadtgebiet 80–100 Eschen umholzen, weil sie vom grassierenden Eschentriebsterben betroffen sind», erklärt Tobias Würsch, den Grund der Baumfällaktion. Die Mitarbeitenden der Stadtgärtnerei sind in diesen Tagen auf dem Stadtgebiet unterwegs, um die von der Krankheit betroffenen Bäume auszumerzen, bzw. diesen Winter vorerst einen Teil davon. «Man kann die Krankheit leider heute noch nicht behandeln», erklärt Würsch weiter. In erster Priorität werden Bäume ersetzt, die in Strassennähe stehen und so zur Gefahr werden können.

Neue Bäume pflanzen

Auch die erst 2008 neu angelegte Allee an der Archstrasse musste jetzt dran glauben. Auf der Ostseite sind alle Alleebäume Eschen. Sie werden durch neue Gehölze ersetzt, beispielsweise Feldahorn, Stieleiche oder Vogelbeere. Weitere grössere Eschenbestände befinden sich laut Würsch an der Neckarsulm- und an der Leimenstrasse. Auch ihnen wird es mittelfristig an den Kragen gehen.

Patrick Kilchenmann, stv. Stadtgärtnerei-Chef bricht einen Ast ab und zeigt den Schaden. «Zuerst sterben die jungen Triebe ab und von dort breitet sich der Schaden weiter aus.» Der betroffene Ast ist auch im innern bereits krank, wie die Bruchstelle zeigt.

Eingeschleppte Pilzkrankheit

Ausgelöst wird das Triebsterben durch die Eschenwelke (Chalara fraxinea), eine Pilzkrankheit welche ursprünglich aus Ostasien stammt und Anfang der Neunzigerjahre erstmals in Polen und Litauen auf europäischem Boden festgestellt wurde. Seither hat sich der Schädling in weiten Teilen Europas verbreitet. Experten schätzen, dass bis zu 95 Prozent des gesamten Eschenbestandes in Europa absterben könnte.

Auf dem Areal zwischen BMX-Piste und Bauernhof stehen noch weit stattlichere Eschen als die jetzt gefällten Jungbäume. Sie stehen auf privatem Grund und gefährden auch keine Durchgangsstrasse. Doch es ist wahrscheinlich, dass auch sie vom Pilz befallen werden. Was mit Bäumen auf Privatarealen geschieht, kann die Stadtgärtnerei nicht beeinflussen. Tobias Würsch rät betroffenen Baumeigentümern, die Situation von einem Fachmann beurteilen zu lassen.

Als Brennholz noch gut

Die gefällten Bäume können immerhin noch gehäckselt und beispielsweise als Brennholz genutzt werden. Als Nächstes werden die Baumstrünke mit dem Bagger ausgegraben und die Erde für eine neue Bepflanzung vorbereitet. Diese soll im kommenden Herbst erfolgen, wie Würsch bekannt gibt.

Die Aktion wird auch Kostenfolgen haben. Alleebäume einer gewissen Grösse können 1000 Franken oder mehr kosten, wie Tobias Würsch erläutert. Dies, weil sie bei der Einpflanzung schon eine gewisse Grösse haben müssen. Laut Würsch hatten die Pflanzen auf dem Stadtgebiet letztes Jahr ohnehin ein schweres Leben. «Die Hitze und Trockenheit im letzten Sommer hat ihnen zugesetzt. Wenn wir nicht pausenlos gewässert hätten, wären wohl einige eingegangen.» Ein Baum könne bis zu 800 Liter Wasser pro Tag verdunsten und trage so zur Kühlung und Verbesserung des Klimas bei.

Auch ein SVP-Plakat betroffen

Vergleichsweise stabil sei die Situation bezüglich der beiden anderen Pflanzenkrankheiten, die neuerdings Schlagzeilen machen. Beim Buchsbaumzünsler sei die Behandlung mit biologischen Mitteln relativ teuer, erklärt der Stadtgrün-Chef. Man konzentriere sich deshalb auf die wichtigsten Gewächse. Wenig betroffen ist die Stadt vom Feuerbrand, da dieser Obstbäume schädigt.

Bei der Baumfällaktion am Montag ist überdies ein kleiner politischer Kollateralschaden entstanden, der vor allem die SVP ärgern dürfte. An einem Alleebaum hing nämlich ein Plakat für die Durchsetzungs-Initiative.