Serie Bachtelen
Die ersten Jahre in Grenchen waren nicht leicht

Im Jahr 1916 wurde aus dem Bachtelebad das Kinderheim, der Anfang des heutigen Sonderpädagogischen Zentrums.

Rainer W. Walter
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Die heute noch bestehende Scheune mit Vieh und Kindern im Jahr 1920.

Die heute noch bestehende Scheune mit Vieh und Kindern im Jahr 1920.

zvg

Die treffliche Idee hatte der Grenchner Pfarrer Ernst Niggli und nicht zuletzt dank dessen Einsatzes konnte Pfarrer Otto Widmer das Bachtelenbad samt dem angegliederten Landwirtschaftsbetrieb zum Preis von 115'000 Franken kaufen. Widmer ging mit diesem Kauf mitten im Weltkrieg ein grosses Risiko ein.

Teil 7

In dieser Serie beleuchten wir die Geschichte des «Sonderpädagogischen Zentrums für Sprache und Verhalten» Bachtelen, der bedeutendsten heilpädagogischen Institution im Kanton Solothurn. Es feiert dieses Jahr das Doppeljubiläum 125 Jahre Bestehen, davon 100 Jahre in Grenchen. Im letzten am 14. Oktober erschienenen Teil beschrieben wir den Weg des Bachtelen in die Pädagogik mit dem internationalen Knabeninstitut Breidenstein.

Heute beschreiben wir die Anfänge der heute noch bestehenden Institution.

25 Jahre vorher, 1891, gründete Pfarrer Widmer in Gretzenbach den St.-Josefs-Verein. Dazu der frühere Direktor des Kinderheims, Dr. h.c. Giovanni Crivelli: «Pfarrer Otto Widmer, geboren am 9. Januar 1855, von Steinhof/SO, musste als Pfarrer von Gretzenbach zu seinem Leidwesen feststellen, dass sehr oft Kinder von Kleinbauern und Industriearbeitern durch den Alkoholmissbrauch in den Familien körperlich und charakterlich geschädigt wurden. Gleichzeitig bestand in seiner Pfarrei die dringende Notwendigkeit, die Hauskrankenpflege zu organisieren. Kurz entschlossen holte er in Ingenbohl zwei Kreuzschwestern, eine für die Krankenpflege, die andere zur Betreuung der geschädigten Kinder.

Inzwischen hatte er nämlich in Däniken ein älteres, strohbedecktes Bauernhaus geschenkt bekommen, um darin ein Kinderheim einzurichten. In 19 Pfarreien gründete er Hilfsvereine, um die finanziellen Mittel für den Betrieb des Heimes aufzubringen. 1893 erhielt er in Nunningen ein weiteres kleines Haus geschenkt, das er ebenfalls als Kinderheim einrichtete. Es kamen dann durch Kauf vier weitere kleine Heime dazu, in Rickenbach und Wangen bei Olten und Dornach. Alle diese Heime waren aber baufällig und der getrennte Betrieb unzweckmässig.»

Nachdem er das Bachtelenbad gekauft hatte, schloss Pfarrer Widmer seine Kleinheime, gab seine Stelle als Pfarrer auf und widmete fortan seine Zeit und seine Kraft den Kindern. – Die ersten Jahre in Grenchen waren für die Kinder und Pfarrer Otto Widmer nicht leicht. Zur ersten Sorge gehörte die Ernährung. So weiss man aus der Chronik, dass im letzten Kriegsjahr die Kinder während mehr als zweier Monate mit täglich nur gerade 250 Gramm Brot und Kakao ernährt werden mussten.

Um zusätzliche Nahrungsmittel kaufen zu können, reichte das Geld nicht aus. Die Kinder waren einseitig und unzulänglich ernährt. Es ist deshalb auch wenig verwunderlich, dass zur Zeit der Grippewelle viele Kinder das Bett hüten mussten und sechs Kinder sowie die Angestellte, Frau Wilhelmina Attinger, der tückischen Krankheit erlagen. Wollte er eine Verbesserung der Zustände erreichen, so war Pfarrer Otto Widmer auf seine eigene Initiative und die Spenden grosszügiger Menschen angewiesen. Glücklicherweise gehörte zum Bachtelenbad ein Landwirtschaftsbetrieb. Hier arbeiteten die Kinder mit, während Pfarrer Widmer das gute Beispiel gab. Dank der eigenen Landwirtschaft konnte die schwierige Zeit mehr oder weniger gut gemeistert werden.

Pfarrer Widmer kannte sich dank seiner grossen Erfahrung, aber auch dank seines persönlichen Engagements mit dem Verhalten der Kinder und Jugendlichen sehr gut aus. Er wollte eine eigene Gruppe für Schwererziehbare gründen. Dieses Vorhaben wurde nie realisiert. Mit seinem Wissen um das Verhalten von Kindern in verschiedenen Situationen war Widmer seiner Zeit voraus.

Der Bachtelensaal im Jahr 1916.

Der Bachtelensaal im Jahr 1916.

zvg