Am Wochenende des 9. und 10. Septembers findet auf dem Regionalflughafen Grenchen das erste europäische Fly-in für Elektroflugzeuge statt. Das Organisationskomitee unter der Leitung des Grenchners René Meier hat dafür europaweit Werbung gemacht, Firmen, Entwickler und Tüftler von Elektro-angetriebenen Flugzeugen angeschrieben und sie nach Grenchen eingeladen. Insbesondere ein Besuch der «Aero 2017» im April in Friedrichshafen habe bei den dort anwesenden Vertretern aus der Branche ein sehr positives Echo gehabt.

«Es werden nicht die altbekannten und etablierten Leichtflugzeug-Hersteller wie Beechcraft, Cessna, Piper und weitere in Grenchen sein. Neue Player beherrschen die Szene, etwa wie Magnus/Siemens, Pipistrel, Evolaris oder Lange Aviation», erklärte Meier anlässlich einer Medienkonferenz. Er gab zu bedenken, dass man effektiv von einem abwägbaren Anlass sprechen müsse. Denn es käme auf sehr viele Komponenten an, die beeinflussten, welche Anbieter und Entwickler dann tatsächlich vor Ort seien. Am 9. und 10. September sind in Grenchen nicht nur flugfähige Konstruktionen und Leichtflugzeuge zu sehen, sondern auch solche, die noch im Entwicklungsstadium sind. Diese werden mit der Bahn oder mit Transportern auf der Strasse nach Grenchen gebracht. Ein Teil allerdings fliege nach Grenchen. «Und da ist das Wetter an diesem Wochenende entscheidend über Erfolg oder Misserfolg», so Meier. Wenn ein Elektroflieger, der 150 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit erreiche, die ganze Zeit über 100 km Gegenwind habe, brauche er von Stuttgart nach Grenchen sechs Stunden – ein Ding der Unmöglichkeit. Ausserdem seien die Elektro-Flugzeuge auf Sichtflugverhältnisse angewiesen, weshalb gutes Wetter unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung sei.

Breite Palette

Zu sehen sein werden Flugzeuge, denen man auf den ersten Blick nicht ansieht, dass sie durch elektrische Energie angetrieben sind, wie der Hamilton aEro Twister, speziell für Akroflug. Aber auch Konstruktionen, die auf Anhieb als «spezielle Luftfahrzeuge» zu erkennen sind, beispielsweise, weil sie über die ganze Fläche der Flügel mit Solarzellen bestückt sind, wie der icaré 2, gebaut und entwickelt von der Universität Stuttgart oder eine spezielle Form haben, wie der Antares von Lange Aviation. Etwas Sience Fiction kommt in Form des Multikopters EAC Whisper aus Frankreich, einer zweisitzigen «Drohne» mit acht Rotoren und 30 Minuten Autonomie – bis jetzt, denn bessere Akkus könnten diese Reiseautonomie in Zukunft noch verbessern. Mit Siemens ist auch ein «Grosser» vertreten. Die Firma ist vor allem in der Entwicklung leistungsstarker Akkus und Batterien unter den führenden Anbietern. «Um die ganze Bandbreite der Elektromobilität aufzuzeigen, werden Elektrofahrräder und -motorfahrräder ausgestellt, Tesla wird vertreten sein und wir werden sogar einen ausgewachsenen 18-Tonnen-Vollelektro-Lastwagen vor Ort haben», sagte René Meier.

Keine «Airshow»

Der normale Flugbetrieb wird durch den Anlass nicht eingeschränkt. «Wir haben nicht eine ‹Airshow› organisiert. Bei den Flügen, die durchgeführt werden, wird es um die Präsentation der Möglichkeiten der Flugzeuge aus Sicht der zukünftigen Benützer gehen», so der OK-Präsident. Nebst Ständen, an denen Entwickler und Firmen ihre Produkte vorstellen, ist eine Reihe von Vorträgen und Präsentationen in den vorhandenen Ausbildungsräumen geplant. Das Publikum könne sich so von kompetenten Referenten aus dem In- und Ausland über den Stand der Technik informieren lassen.

Elektro hat grosse Zukunft

Grenchen könnte in absehbarer Zeit ein Hotspot für den Elektroflug werden. Das Fly-in, das nun zum ersten Mal stattfindet, sollte, wenn es nach den Organisatoren geht, künftig jedes Jahr durchgeführt werden. Die Förderung von elektrobetriebenen Flugzeugen liege auch durchaus im Interesse des Flughafens, betonte Flughafendirektor Ernest Oggier an der Medienkonferenz: «Wir haben im Schnitt etwa 70 000 bis 80 000 Flugbewegungen jährlich. Davon sind rund 65 Prozent Schulungsflüge. Rund die Hälfte davon könnte man mit Elektro-angetriebenen Flugzeugen absolvieren.» Dazu komme, dass der benötigte Strom vom Flughafen selber hergestellt werde, denn sozusagen jedes Hangardach ist mit Solarzellen bestückt. Auch die für die Smartflyer-Challenge benötigten drei Ladestationen mit je 200 Ampère könne der Flughafen selber leisten. «Wir produzieren monatlich rund 340 000 kWh Solarstrom».

Laufend aktualisierte Infos zum Anlass sind unter www. smartflyer-challenge.ch zu finden.