Grenchen
Die Däderizstrasse kommt nicht zur Ruhe

Weil jetzt auch noch Stromleitungen ersetzt werden, dauert es noch länger bis die Däderitzstrasse in Grenchen wieder voll befahrbar ist. Ursprünglich hätten die Bauarbeiten bis Ende September fertig gestellt werden sollen, nun wird es wohl bis Mai gehen.

Andreas Toggweiler
Merken
Drucken
Teilen
Die SWG baut an der Däderizstrasse. Diese ist seit Monaten nur beschränkt und mit Hindernissen befahrbar.

Die SWG baut an der Däderizstrasse. Diese ist seit Monaten nur beschränkt und mit Hindernissen befahrbar.

Oliver Menge

Seit Mitte dieses Jahres ist die Däderizstrasse eine Baustelle. Die wichtige Gemeindestrasse, welche in die beiden Nord-Süd-Achsen Centralstrasse und Dählenstrasse verbindet, war zunächst für längere Zeit nur in einer Richtung befahrbar und auch heute bestehen starke Behinderungen. Offenbar noch für längere Zeit.

Beim Start der Baustelle im Juni hatte es geheissen, die Bauarbeiten dauerten «ungefähr bis Ende September». Vor einigen Tagen dann die Überraschung. «Zurzeit werden an der Däderizstrasse nach wie vor die Wasser- und Gasleitungen saniert», schrieb die SWG in einer Mitteilung.

Und weiter heisst es, jetzt würden im östlichen Teil der Däderizstrasse (sowie an der Weinbergstrasse und an der Dammstrasse) auch noch die Elektroleitungen saniert und die Verteilanlagen erneuert. Dies mit der Folge, dass die Baustelle mit Verkehrsbehinderung nun bis Ende Dezember dauern soll. Soweit der öffentliche Teil der Ankündigung.

Jetzt geht es bis im Mai

Doch damit nicht genug: Anwohner wurden per Flugblatt informiert, dass die Sanierung der Werkleitungen sogar bis im kommenden Mai dauere. Denn in einer späteren Etappe seien auch noch die Stromleitungen im westlichen Teil der Däderizstrasse dran.

Das bringt Anwohner auf die Palme: «Wie lange dauert das denn noch, bis man auf der Däderizstrasse wieder normal durchfahren kann», enerviert sich ein Grenchner, der an der Däderizstrasse wohnt.

Zudem rieche das Ganze ziemlich danach, dass die SWG durch die Stückelung der Arbeiten der Submissionspflicht ausweiche, so sein Verdacht. In der Tat verfolgen manche die Tiefbau-Tätigkeit der SWG mit Argusaugen, insbesondere seit sie 2013 die Baufirma Panaiia + Crausaz integral übernommen hat. Diese führt die Arbeiten an der Däderizstrasse aus.

«Unvorhersehbare Gründe»

Den Verdacht, es werde gemauschelt, weist SWG-Chef Per Just von sich. «Die Etappierung hat technische Gründe». Dabei räumt Just ein, dass der Ersatz der Gas- und Wasserleitungen länger dauert, als zuerst angenommen.

Es werde jetzt Ende Jahr, bis der Bereich Gas/Wasser abgeschlossen sei. «Unvorhersehbare bauliche und verkehrstechnische Gründe», sind gemäss Just dafür verantwortlich. So wusste man zum Teil nicht, in welcher Tiefe die bestehenden Werkleitungen liegen und musste bestimmte Leitungen aus dem Perimeter der Däderizstrasse heraus auch noch ersetzen.

«Anliegende Kunden beauftragten Sanierungen der Wasser- und Erdgaszuleitungen sowie Erdgasneuerschliessungen - über die wir übrigens sehr froh sind.»

Strasse soll befahrbar bleiben

Aber warum kann man die Stromleitungen nicht gleichzeitig ersetzen wie die übrigen Werkleitungen? – «Die weiterführenden Arbeiten sind aufgrund der Lage der verschiedenen Baugruben nicht miteinander ausführbar, da dadurch die Befahrbarkeit der Däderizstrasse noch stärker beeinträchtigt würde», begründet Just.

Hätte man beides zusammen gemacht, hätte dies eine Totalsperrung der Strasse bedingt. So sei sie immerhin befahrbar geblieben und bleibe dies auch bis zum Schluss der Bauarbeiten. «Die Verkehrsführung auf der Baustelle und angrenzenden Strasse wurden im Vorfeld und auch während der Bauarbeiten immer wieder mit dem BGU und der Stadtpolizei angeschaut, um den Anliegen der Betroffenen möglichst gut gerecht zu werden», sagt Just zur Kritik.

Ausschreiben oder nicht?

Im Normalfall ist es so, dass laut schweizerischem Recht bei Baumeisterarbeiten ab einer Höhe von 300 000 Fr. mehrere Firmen zur Offertstellung eingeladen werden müssen (Einladungsverfahren), ab einer Höhe von 500 000 Fr. muss der Auftrag gar öffentlich ausgeschrieben werden.

Dabei ist es nicht erheblich, ob ein Projekt zeitlich gestaffelt wird. (Kantonales Submissionsgesetz, Paragrafen 13 + 14). Beschwerden bei vermuteten Unregelmässigkeiten bei Submissionen können beim kantonalen Verwaltungsgericht deponiert werden.

Die SWG dürfte ein Projekt freihändig an eine (Tochter-)Firma vergeben, sofern diese nur für die öffentliche Hand arbeitet. Bei Panaiia + Crausaz (P+C) ist das nicht der Fall. «P+C soll sich auf dem Markt behaupten können. Der Anteil von Aufträgen Dritter beläuft sich auf ca. 30 Prozent», erklärt SWG-Chef Per Just.

Nach seiner Erinnerung (Just und auch der Mitarbeiter, der über die genauen Beträge Auskunft geben könnte, weilen zurzeit in den Ferien) sei die Gesamtsumme der grabenlosen Tiefbauarbeiten bei der Planung unter der Ausschreibungs-Schwelle gelegen. (at.)