«Die CVP Grenchen lebt», stellte Parteipräsident Marco Crivelli an der gestrigen Nominationsversammlung erfreut fest. Der neue Vorstand habe im letzten Jahr einiges bewegt und etliche Aktivitäten wie den Badianlass, den Familiengrill oder das Regierungsratspodium organisiert. Und noch eines betonte er: Auch wenn es nicht gelungen ist, alle 15 Listenplätze zu besetzen, sei er sehr erfreut über die ausgezeichnete CVP-Liste. «Wir sind gewappnet und zuversichtlich.» Ziel sei, in der Politik wieder zu mehr Sachlichkeit zu finden. «Problemlösung statt Polemik», sagt Crivelli.

Die CVP Grenchen will einen dritten Sitz erkämpfen. Dazu nominierte die Versammlung elf Mitglieder: Die einzige Frau ist die erst 18-jährige aber engagierte Maturandin Andrea Heiri, der «Motor» der Jungen CVP Grenchen. Zusätzlich zu den bisherigen Gemeinderäten Andreas Kummer (47, Rechtsanwalt und Notar), Thomas Marti (43, dipl. Landwirt) und Markus Böhi (Ersatz, 53, Kommandant-Stv. Regionaler Zivilschutz) treten zur Wahl an: Carmelo Insalaco (41, Informatiker), Mike Brotschi (53, IT-Projektleiter), Paul Brotschi (52, Techniker TS), Matthias Meier-Moreno (35, Sozialpädagoge), Jürg Allemann (41, Sozialarbeiter i.A.), René Lipp (53, Betriebselektriker) und Marco Crivelli (40, dipl. Architekt und Präsident CVP Grenchen).

Präsident Crivelli rief dazu auf, die CVP auch bei den Regierungs- und Kantonsratswahlen zu unterstützen. Fünf Grenchner wollen ins Parlament. Der Bisherige Peter Brotschi konnte gestern auf seinen grossen Leistungsausweis hinweisen und bedankte sich bei seinen Parteileuten für die anhaltende Rückendeckung aus Grenchen.

François Scheidegger stellt sich vor

Gemeinsam mit den anderen bürgerlichen Parteien will die CVP das Stadtpräsidium erobern. Bei seinem zweiten öffentlichen Auftritt erklärte der Kandidat François Scheidegger (FDP) gestern einmal mehr, dass es Zeit für einen Wechsel sei. Mit der gesammelten Stärke der bürgerlichen Parteien im Rücken sei er bereit, die Chance zu packen. «Nach 100 Jahren SP und 20 Jahren Banga reicht es jetzt einfach.» Grenchen brauche eine neue Führungskultur, endlich ein besseres Image, eine klarere Informationspolitik und mehr Attraktivität. «Man darf nicht mehr nur reden, sondern muss handeln», warb er in eigener Sache, und die rund 25 CVPler dankten es ihm mit anhaltendem Applaus.

Dass François Scheidegger der Stadt Grenchen den «politischen Frühling» bringt, hofft auch CVP-Fraktionschef Andreas Kummer. In seinem Jahresbericht und Legislaturrückblick erklärte er, dass nach der Internetaffäre in Grenchen ein Klima des Misstrauens entstanden ist, eine «Block-Starre» und ein «politischer Winter» – ein Klima, das mit dem amtierenden Stadtpräsidenten kaum zu ändern sei. Im Weiteren blickte Kummer auf ein ereignisarmes 2012 zurück. Als bedeutendere Geschäfte seitens strich er unter anderem den Kredit für die neuen Fussballplätze und den Rückbau der umstrittenen Tempo30-Zonen heraus.

Engagiert zeigte sich die CVP in der Legislatur bei den Themen Buslinie Staad, Strompreise, Rettungsdienste, Moschee, Hochhaus-Diskussion und Frühe Förderung. Eine Niederlage hatte die CVP zuletzt bei ihrem Vorstoss für einen Schlittelweg zu verkraften.

Für nachhaltige Entwicklung

Zum Wahlprogramm hat sich die CVP Grenchen mit der «agenda2020» langfristige Ziele gesetzt, erklärte Marco Crivelli. Verbesserungspotenzial ortet die Partei vor allem in den Bereichen Sozialhilfe (Sozialtourismus bekämpfen), Verkehr (Bahnhof Süd, Löwenkreuzung) und der Attraktivierung der Stadt Grenchen als Wohnstandort. Dazu gehörten auch eine lebendige Innenstadt und ein Schulwesen mit Bildung statt Bürokratie.

Der Kassa- und Revisorenbericht schliesslich wurde genehmigt. Der Vorstand und der Präsident wurden von der Versammlung bestätigt.