Grenchen

Die Centralstrasse in Grenchen war einst die Mitte aller Dinge

Die Centralstrasse hiess einst «Mitteldorfstrasse». Doch als Grenchen zur Stadt wuchs, änderte auch der Name. Dabei hat die ehemalige Grenchner Hauptachse viel von ihrem Glanz verloren.

Die heutigen Centralstrasse hat viel von ihrem Glanz und Leben verloren. Kaum verwunderlich ist es daher, versucht man inzwischen auch mit einem jährlichen «Centralfest» gewisse Abschnitte dieser einstigen «Stadtmitte» wieder zu aktivieren. Die heutige Centralstrasse war tatsächlich einst so etwas wie die «Haupt-Freizeitstrasse» der alten Grenchner. Sie war die Hauptachse im einstigen Dorf und verlief - was heute nicht mehr ersichtlich ist - parallel zum Dorfbach.

Gastliche Stätten

Hier befanden sich zahlreiche Restaurants, zwei Kinosäle garantierten Abwechslung und Spannung und im Hotel Touring-Volkshaus waren nicht nur die Gewerkschafter und die SP-Politiker daheim, auch die Anhänger der modernen Malerei gaben sich in der Galerie Bernard von Volkshauswirt Hans Liechti regelmässig ein Stelldichein. Heute steht das Volkshaus leer, Restaurants sind verschwunden.

Wo einst der «Grenchnerhof», das Parteizentrum der CVP, stand, finden wir heute den ETA-Parkplatz zwischen Quartier- und Centralstrasse. Verschwunden ist auch der «Rosengarten» und mit ihm das Cinéma «Sirius», wo mit Vorliebe Filme mit Eddie Constantine gezeigt wurden. Heute befinden sich an dieser Stelle Gebäudetrakte der ETA. Einst besuchte man etwa den «Tell», das «Ticino» und noch früher an der Centralstrasse 95 das Tearoom Walker-Affolter oder unter der Hausnummer 82 das alkoholfreie «National»; alles gastliche Stätten, die heute noch in Hans Kaufmanns Schriften ihre Erwähnung finden.

Grenchner wurde Weltmeister

Die Centralstrasse beginnt beim «Café Merz», das später «du Commerce» hiess und heute unter dem Namen «Baracoa» bekannt ist. Wer zum Giebel des Hauses hinaufschaut, bemerkt den von einem Kreis umfassten, gold-gelben «M» leuchten. Ans Restaurant anschliessend befand sich die Metzgerei Merz. Ein ganz besonderes Tearoom ist das Eldorado. Hier wirkte René Schmitz, der «süsseste Weltmeister», den unser Land je hatte. René Schmitz lernte das Handwerk eines Konditors und Confiseurs, zog in der Welt herum. Als Amerika in den Zweiten Weltkrieg eintrat, war er in den USA.

Ohne langes Wenn und Aber wurde er in die amerikanische Armee eingezogen und verliess diese nach Kriegsschluss im Rang eines Staff-Sergeantes. Wieder nach Grenchen zurückgekehrt, eröffnete er auf der Höhe der früheren Post ein Tearoom. Doch er gab nicht Ruhe und begann das alte Handwerk des Zuckerziehens auszuüben. Es entstanden wunderschöne Gebilde aus vielfarbigem Zucker. Besonders schön gerieten seine Rosenbilder, so schön wie im alten Wien. Schmitz nahm an verschiedenen Meisterschaften teil, die er mit seiner Kunst dominierte. Schliesslich wurde er gar Weltmeister.

Gang durch die schönste Strasse

Dem Kino Palace gegenüber finden wir im ersten Stock das «Schwingerstübli». Im Erdgeschoss befand sich die Bäckerei von Hans Reist, dem Vater des bekannten Künstlers Marc Reist. An dieser Stelle stand bis 1864 die Firma Wullimann, welche Zementteicheln produzierte und diese in alle Welt exportierte. 1864 fiel das erfolgreiche Unternehmen der grossen Feuersbrunst zum Opfer.

Das frühere Stöckli beim Restaurant «Bären» wurde 1805 von der Gemeinde als Gemeinde- und Schulhaus errichtet, in dem die 1832 gegründete Lesegesellschaft ihren Sitz hatte. 1832 liess es der Schreiner und Krämer Jakob Frei, der das Haus von der Gemeinde gekauft hatte, zur Pintenschenke «Bären» umbauen.
Dem «Bären» schräg gegenüber findet man das Restaurant «Metzgerhalle». Die von Fritz Lobsiger erweiterte Metzgerei mit Restaurant wurde 1871 erbaut, und zwar als erstes Gebäude, das der berühmte Baumeister Felix Jeker in Grenchen realisierte.

Leer und verlassen steht heute die «Chäsi» und weiter oben an der Centralstrasse die Bäckerei Werthmüller. Vor allem nach den Krisenjahren in der Uhrenindustrie beobachtete man einen starken Wechsel der Geschäftsinhaber. Einige aber, wie etwa das auf italienische Spezialitäten konzentrierte Geschäft «Siracusa», sind bereits seit längerer Zeit hier aktiv.

Der Ruhm der Galerie Bernard

Der Wirt und Metzger Hans Liechti führte bereits das alte Volkshaus, an dessen Stelle das heute inaktive Hotel Touring-Volkshaus erstellt wurde. Hier gründete er die Galerie Bernard, die schon bald über die Landesgrenzen hinaus einen guten Namen hatte. Hier feierten die «Neuen Flamen» wie Verheyen, van Anderlecht und Bram Bogart ihre Entdeckung als neue Strömung in der zeitgenössischen Kunst.
Die Geschichte der Centralstrasse besitzt zahlreiche weitere Aspekte und viele unterschiedliche Seiten. Allzu wenig ist über die vielen Details bis heute bekannt.

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