Sylvia Fuhrer, die «gute Hexe» im Häxe-Kafi an der Kapellstrasse, begrüsst heute zum letzten Mal ihre Gäste. Nach 17 Jahren ist Schluss. «Ich bin etwas müde geworden», sagt sie. Zwar habe sie versucht, zurückzuschrauben, aber sie sei jemand, der nicht Nein sagen könne. Darum ihr Entschluss, das «Häxe-Kafi» aufzugeben, mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Sylvia Fuhrer hatte die kleine Kneipe im Ebosa-Gebäude vor 17 Jahren übernommen und zum Erfolg geführt. Als sie begann, täglich ein Mittagsmenu und 3 bis 4 Wochenhits mit Suppe und Salat anzubieten, fand sich schnell eine Stammkundschaft, die ihr bis zum Schluss die Treue hielt.

Zwar sei die Küche eigentlich gar nicht aufs Kochen ausgerichtet, mit nur zwei Herdplatten. Aber Sylvia Fuhrer bezeichnet sich als leidenschaftliche Köchin, die sich schnell an die Umstände gewöhnt habe – mit Erfolg: «Etwa 90% meiner Kunden sind Stammgäste.

Darunter viele Gäste aus der ETA, aber auch viele Pensionierte, die nicht mehr alleine kochen können oder wollen.» Man schätzt das familiäre Ambiente und den unkomplizierten Umgang – fast alle sind schon längst per Du mit der Wirtin.

Zu den Stammgästen zählten viele Grenchner, aber auch aus benachbarten Dörfern kamen regelmässig Werktätige, die hier ihren Znünicafé mit Gipfeli genossen haben. Bekannte Grenchner Köpfe, wie beispielsweise Toni Brechbühl, der unweit des «Häxe-Kafis» sein Künstlerarchiv betreibt, oder Alt-Bäckermeister Hugo Wegmüller waren hier fast täglich anzutreffen.

Auch die Grillabende, die im Sommer alle zwei Wochen stattfanden, hätten immer sehr viel Publikum angezogen, sagt sie. «Und vor Weihnachten haben wir immer sehr viele Fondue-chinoise-Abende für die ETA durchführen können, da ging oft die Post ab.» Oder dann die legendären Käseschnitten-Abende, die sich grosser Beliebtheit erfreuten.

Viele Stammgäste verstorben

Nun seien aber gerade in letzter Zeit etliche der langjährigen Stammgäste gestorben, «es sind sicher an die zwanzig». Andere Stammgäste werden oder wurden pensioniert und kommen nicht mehr regelmässig ins «Häxe-Kafi».

Die bald 63-jährige Wirtin bedauert vor allem den Tod von Hans Ulrich Mettler, der vor etwa einem Jahr gestorben ist und ihr in den letzten Jahren stets zur Seite gestanden sei. «Er hat mir an den Grillabenden immer ausgeholfen, sein Verlust hat mich sehr getroffen.»

Die Belastung sei ihr einfach zu gross geworden. Denn der Arbeitstag der Wirtin begann in der Regel um 5 Uhr in der Früh, um halb acht seien die ersten Gäste eingetrudelt. Abends war das «Häxe-Kafi» von Montag bis Freitag bis um 18 Uhr geöffnet, ausser wenn ein spezieller Abend auf dem Plan stand, dann konnte es sehr viel später werden. Auf Wunsch ihrer Stammkunden hatte sie auch am Samstagvormittag geöffnet.

Gäste bedauern das Aus

Die Stammgäste bedauern die Schliessung ihres Kafis. Peter Büchler, Inhaber der Büchler Glas AG an der Archstrasse, ist seit etwa 10 Jahren fast jeden Tag zum Znüni-Kaffee hier mit seinen Leuten.

«Schade, denn jetzt müssen wir uns eine neue Stammkneipe suchen. Hier hat einfach alles gestimmt: Man kann parkieren, die Gipfeli stehen schon auf dem Tisch, es gibt Zeitungen zu lesen und der Kaffee ist in Ordnung.»

Er sei nun auf der Suche nach einer Alternative, denn auf Selbstbedienungsrestaurants habe er keinen Bock. «Und auch nicht darauf, jedes Mal für ein Gipfeli betteln zu müssen, wie das mancherorts in Grenchen nötig ist.»

Ustrinkete für geladene Gäste

Der Name «Häxe-Kafi» war Programm: Sie selber sei einmal in einem Streit als Hexe bezeichnet worden. Nach dem ersten Ärger über die «Beschimpfung» habe sie damit begonnen, Hexenfiguren und Hexenbücher zu sammeln.

Gegen 300 Hexen in allen Grössen und Formen haben bis zuletzt das «Häxe-Kafi» bevölkert. «Meine Stammgäste haben sie mir zum Teil aus den Ferien mitgebracht.»

Sylvia Fuhrer ist heute mit Krücken anzutreffen, wenn die geladenen Gäste und Stammkunden zur «Ustrinkete» kommen. Der «Hexe» wurden ihre Hexen zum Verhängnis: Beim Aufhängen einiger der Figuren bei sich zu Hause ist sie von der Leiter gestrauchelt und hat sich das Fersenbein gebrochen.

Der Unfall geschah zu einem ungünstigen Zeitpunkt, bis am 30. März muss Fuhrer das Lokal räumen. Das Netzwerk will dort einen Showroom einrichten. Viel Mobiliar, insbesondere die Gartenmöbel, ist sie schon losgeworden.

Aber es bleibt doch noch einiges übrig, so zum Beispiel zwei grosse Kühltruhen, zwei Kühlschränke und jede Menge Geschirr und Gläser. Am Ostermontag zwischen 12 und 16 Uhr steht die Ware zu günstigen Preisen zum Verkauf.

Sylvia Fuhrer bleibt ihrer Leidenschaft, dem Kochen, treu und übernimmt eine Teilzeitstelle als Köchin. «Nichts mehr tun, das wäre für mich unmöglich, und irgendwann bin ich ja fertig mit Hausputzen.» Heute nun stösst sie ein letztes Mal mit ihren Stammgästen und Freunden an in ihrem «Häxe-Kafi».

Rampenverkauf diverser Artikel am Ostermontag 12.00–16.00 Uhr, u.a. Tiefkühltruhen, Kühlschränke, Geschirr.