Mit der Track Cycling Challenge, einem zweifachen Rennabend der höchsten Kategorie des internationalen Radsportverbandes, lancierten das Velodrome Suisse und die Stadt Grenchen einen jährlich wiederkehrenden Bahnradsportevent, welcher schweizweit seinesgleichen sucht. An zwei Rennabenden sorgten die weltweit besten Bahnradfahrer für schnellste Rundenzeiten und Action im Holzoval. In über 15 verschiedenen Disziplinen kämpften die Bahnprofis um die Siege und um eine Preisgeldsumme von über 35 000 Franken. Eine gute Gelegenheit also, aktuelle und ehemalige Spitzenathleten hautnah zu erleben.

Die Radrennfahrer gelten ja allgemein als unprätentiös. Der erste Kontakt ergibt sich im Innenraum des Ovals allerdings mit einer Legende aus einer ganz anderen Sportart: Fritz Künzli ist auch mit 68 Jahren noch ein begehrter Gesprächspartner und beliebtes Fotosujet. Das Velodrome begeistert ihn, an den FC Grenchen hat er Erinnerungen an dessen bessere Zeiten.

Vor allem aber ist er gekommen, um den Auftritt seiner Partnerin Monika Kälin beizuwohnen. Diese – äusserst adrett und attraktiv – zeigt sich auch als gewiefte Moderatorin und Interviewerin. So entlockt sie ihrem Moderationskollegen Franco Marvulli das eine oder andere Geheimnis. Der ehemalige Bahncrack (2-mal Weltmeister, Olympiamedaillen-Gewinner) entführt die Zuschauer eloquent in die Welt dieses Sports, plaudert über Scheibenräder, Helme oder fehlende Bremsen. Dazu erklärt er auch den nicht ganz so Fachkundigen anschaulich die verschiedenen Disziplinen wie Scratch, Ausscheidungsfahren, Omnium, Madison oder Keirin.
Auch der Schweizer Nationaltrainer, der Bieler Daniel Gisiger, einst ebenfalls ein begnadeter Bahnfahrer, scheint trotz seiner Aufgabe äusserst locker und findet da und dort Zeit für einen kurzen Schwatz.

Bei der Aktiven sticht dem interessierten Laien ein Name besonders ins Auge: Elia Viviani. Der erst 25-jährige Italiener mischt regelmässig auch auf der Strasse bei den spektakulären Massenankünften an der Spitze mit. Obwohl er erst vor ein paar Tagen in den Vereinigten Staaten bei der Pro Cycling Challenge einen Sprint gewinnen konnte, duelliert er sich in der Vielseitigkeits-Prüfung mit dem französischen Weltmeister Thomas Boudat um den Sieg – und gewinnt im Spurt.

Sachkundiges Publikum

Im Publikum sitzen neben einigen Neulingen offensichtlich auch diverse Habitués. Der ehemalige Spitzenjudoka Markus Fürst zum Beispiel, der sich kaum einen Anlass im Velodrome entgehen lässt. Bei einem Sturz im Sprintrennen der Frauen leidet Heinz Rieder auf der Tribüne offensichtlich mit. Ihm, der während Jahren die ungemein vielseitige Weltmeisterin und Olympiamedaillengewinnerin Karin Thürig (Triathlon, Duathlon, Zeitfahren) betreut hat, ist vor kurzem Ähnliches widerfahren, sodass er seine aktive Tätigkeit auf der Bahn einer Schulterverletzung wegen im Moment nicht ausüben kann. Zum begeisterten Bahnradfahrer ist auch Peter Traub Junior geworden. Der Restaurant-und Hotelverantwortliche begibt sich 3-mal pro Woche auf die Bahn. «Die Kameradschaft, gepaart mit Action, bei welcher stets auch Konzentration gefragt ist», mache die Faszination der Sportart aus.

Grenchen ins Bild gerückt

Eine runde Sache ist der Anlass aber vor allem auch für die Stadt Grenchen. Die Wirkung nach aussen kann wohl nicht hoch genug eingeschätzt werden. So wurde zum Beispiel letzte Woche in der Sendung «Sport aktuell» die Stadt während eines Berichtes über den Schweizer Bahnvierer so richtig prominent ins Bild gerückt. Ein grosses «Stadt Grenchen»-Plakat war just wenige Stunden vorher im Zielbereich angebracht worden und sei laut Silvan Granig vom Standortmarketing, Kultur und Sport, während mindestens 30 Sekunden immer wieder zu sehen gewesen. «Das war sehr gute Werbung für die Stadt.»

Grenchen unterstützt den Anlass übrigens nach einem GRK-Beschluss grosszügig. Folgerichtig ist man denn auch im VIP-Bereich sehr präsent und lädt diverse Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur zum Radspektakel ein. Stadtpräsident François Scheidegger, selber ein begeisterter Radfahrer, freut sich: «Mit diesem Anlass können wir nicht nur das Velodrome, sondern auch unsere Stadt weiter bekannt machen. Es ist uns aber auch ein Anliegen, mit unseren Einladungen diverse verdiente Personen emotional zu binden, ein Zeichen der Wertschätzung zu setzen und natürlich das so wichtige Networking zu betreiben.»