Grenchen

Die Bergstrasse auf dem Grenchenberg bleibt bis Ende Juli gesperrt

Kein Risiko eingehen und die Kosten tief halten, so die Devise der Verantwortlichen. Die Bergstrasse, die letzte Woche stellenweise eingebrochen ist, wurde inzwischen gesichert. Aber eine Sanierung dauert länger als ursprünglich angenommen, bis Ende Juli.

«Wir wollen und können das Risiko nicht eingehen, dass noch ein grösseres Stück der Strasse abrutscht und unter Umständen etwas Schlimmes passiert. Es gibt keine vernünftigere Variante, als eine Totalsperrung der Strasse für jeglichen Verkehr, so lange die Sanierungsarbeiten dauern. Und das heisst: bis Ende Juli», so das Fazit von Bürgergemeindepräsident Franz Schilt gestern Vormittag.

Keine angenehme, aber eine notwendige Botschaft, die der Bürgergemeindepräsident zu vermelden hatte. Insbesondere gerade jetzt auf die Ferienzeit hin, denn die Grenchenberge sind unbestritten ein attraktives Ausflugsziel für die Stadt und Region. Doch Schilt betont, dass die Grenchenberge dies auch bleiben können: «Eine Sperrung der Bergstrasse heisst ja nicht, dass man nicht mehr auf die Grenchenberge und zu den drei Gasthöfen gelangt: Von Péry und Court aus sind die Grenchenberge nach wie vor gut erreichbar.»

Am Montag vor einer Woche war die Strasse rund 200 Meter oberhalb des sogenannten Hufeisens eingebrochen. Spezialisten der Firma Gasser Felstechnik hatten festgestellt, dass die 100-jährige Bruchsteinmauer, die dort die äussere Begrenzung des Strassenfundamentes bildet, brüchig wurde und das Material unterhalb des Strassenbelags durch eingedrungenes Wasser infolge der heftigen Regenfälle der letzten Wochen zum Teil ausgeschwemmt wurde. Ein Lastwagen verursachte letztendlich den Einbruch.

Notsicherung ist keine definitive Lösung

Schon letzte Woche hatten die Spezialisten die Mauer mit einer Schicht aus Spritzbeton, die mit einem Armierungsnetz versehen wurde, abgedichtet und haben nun damit begonnen, eine Reihe von Felsankern zu setzen, welche die Betonschicht mit dem Fels verbindet. Das sei aber nur als Notsicherung zu verstehen, erklärte Ruedi Degelo, Leiter Felssicherung bei Gasser Felstechnik. Denn wie Bauleiter Peter Bichsel, Spezialist für Tiefbau, erklärt, ist mit der Notsicherung noch nichts erreicht: «Die Strasse wird auf einer Länge von rund 20 Metern zusätzlich mit einem Stützriegel aus Beton, der mit Mikropfählen im Untergrund verankert wird, abgestützt. Dieser Stützriegel wird dann zusätzlich mit weiteren Felsankern zum festen Fels hinter der Strasse gezogen.» Erst dann könne man die Strasse fertig sanieren und wieder für den Verkehr freigeben.

Vor Ort an der Einbruchstelle auf der Bergstrasse fand gestern ein Treffen statt, an dem die aktuelle Lage besprochen und die notwendigen Konsequenzen daraus abgeleitet wurden. Mit von der Partie: Die Verantwortlichen der Bürgergemeinde – Bürgergemeindeverwalter Renato Müller und Bürgergemeindepräsident Franz Schilt – der Ingenieur Samuel Rich, Ruedi Delego und Peter Bichsel von der mit der Sicherung beauftragten Firma Gasser Felstechnik, Hansruedi Zumstein, der Chef der BGU, Per Just, der Geschäftsleiter der SWG, Peter Schär, der Präsident des Vereins Free Runners, Organisatoren des Grenchenberglauf, Revierförster Patrik Mosimann sowie zwei Vertreter des Kantons: Rainer Hug vom Grundwasserschutz und Brigitte Hächler vom Amt für Landwirtschaft. Hug war gekommen, weil sich die Bruchstelle in einer Grundwasserschutzzone befindet, die Maschinen und Geräte vor Ort aber betankt werden müssen. Auch will der Kanton sicherstellen, dass die verwendeten Materialien, mit denen die Sicherung vorgenommen wird, das Grundwasser nicht belasten. Die Gasser AG hat diesbezüglich alle notwendigen Vorkehrungen unternommen.

Samuel Rich vom Ingenieurbüro Pfirter, Nyfeler und Partner aus Muttenz erklärte, man habe genaue Messungen der Bewegungen des Untergrunds vorgenommen. Denn insbesondere die Bohrungen verursachen starke Vibrationen, die noch weiteres Material ins Rutschen bringen könnten. Doch er gab Entwarnung: Man habe keine weiteren Absenkungen messen können.

Für Zumstein war rasch klar: Der Sommerfahrplan muss umgeschrieben werden. Es fährt kein Bus auf den Berg, so lange die Strasse gesperrt ist. Was das für die drei Berggasthöfe bedeutet, ist momentan schwierig abzuschätzen. Schilt hatte am Nachmittag die unangenehme Aufgabe, den Pächtern die schlechte Botschaft zu überbringen.

Teurer als angenommen

An der Bürgergemeindeversammlung (siehe Artikel unten) hatte Schilt noch mit einem fünfstelligen Betrag für die Reparatur des Schadens gerechnet. Er wurde nun eines Besseren belehrt: Rund 350 000 Franken kostet die Sanierung im besten Fall – klar wurde auch, dass es um einiges teurer kommt, wenn nicht in einem Zug durchgearbeitet werden kann. Auch deshalb der Entscheid für die Totalsperrung.

Für die Verantwortlichen der Bürgergemeinde ist klar, dass sie diesen Betrag – auch wenn sie Eigentümer der Strasse und Bauherren sind – nicht alleine stemmen. «Wir erwarten, dass sich auch Stadt, Kanton und auch das Bundesamt für Landwirtschaft an den Kosten beteiligen, zumal drei Berghöfe mit Tierhaltung betroffen sind.»

Eine Beteiligung signalisiert hat bereits Per Just von der SWG, die für den Transport der grossen und schweren Komponenten des Windparks eine stellenweise Verstärkung der Strasse für die Schwertransporte bereits budgetiert hat. Eine dieser Stellen wäre just die nun eingebrochene gewesen.

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