Büren

Die Aula in Büren an der Aare wurde «versenkt»

Hier zwischen Schulhaus und Aare wäre das zweigeschossige Fünfeck-Gebäude zu stehen gekommen.

Hier zwischen Schulhaus und Aare wäre das zweigeschossige Fünfeck-Gebäude zu stehen gekommen.

Was lange währt, wird doch nicht gut: An seiner letzten Sitzung hat der Gemeinderat Bürens beschlossen, das im Stedtli umstrittene Projekt «dr aare naa», eine Aula zwischen Türmlischulhaus und Aare, nicht mehr weiterzuverfolgen.

Die Kosten würden den Rahmen sprengen, schreibt die Einwohnergemeinde in einer Medienmitteilung. Die finanziellen Voraussetzungen der Einwohnergemeinde Büren hätten sich aufgrund des neuen Gesetzes über den Finanz- und Lastenausgleich (Filag) seit dem Jahr 2007 – Projektbeginn «Raum für Schule und Öffentlichkeit» – verändert. Und das Projekt komme deutlich teurer als erwartet. Es stellte nämlich sich heraus, dass die zu erwartenden Kosten fast doppelt so hoch werden, als das Kostendach von 4 Mio. Franken, das sich der Gemeinderat gesetzt hatte.

Eine Grobkostenrechnung vor etwa einem Jahr, noch vor dem Einreichen des generellen Baugesuches beim Regierungsstatthalteramt, hatte noch ungefähre Kosten von 3 Mio. Franken ergeben. Nun sind es 6,2 Mio. Franken alleine für das Gebäude.

Die Erschliessung, Infrastruktur und die Parkplätze kämen auf zirka 1,5 Mio. Franken zu stehen, präzisiert Gemeindepräsidentin Claudia Witschi auf Anfrage. Der aufgewendete Planungskredit von 285000 Franken muss dazugerechnet werden, also sind es insgesamt knapp 8 Mio. Franken. «Wir haben die Sache genau geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass die Kosten einfach zu hoch sind. Mit den jährlich wiederkehrenden Kosten, die wir zu erwarten hätten, sprengt das den Rahmen», sagt Witschi.

Wie man sich bei den Kosten so stark verschätzen konnte, muss an dieser Stelle offenbleiben.

Standort passte nicht allen

Gleichzeitig sei die Tatsache, wonach der gewählte Standort des Projekts nicht unbestritten sei, ein Kriterium, welches sich negativ auf einen weiteren Projektverlauf auswirken könnte, heisst es weiter in der Mitteilung. Der Standort des zukünftigen Baus war in der Tat nie unumstritten und hinter vorgehaltener Hand wurde immer wieder Kritik laut.

Die Vereine hatten Mühe, den teilweisen Verlust des Sportplatzes hinzunehmen, die Kosten und Bedingungen für die Benutzung waren noch offen, das Parkplatzproblem rund um die Turnhalle war immer wieder ein Thema. Man musste auch mit weiteren Einsprachen von betroffenen Anwohnern rechnen.

Büren brauchte angesichts seiner Schülerzahlen eigentlich eine Aula, darüber war man sich schon 2007 einig. Ebenso fehlt ein Mehrzweckraum, ein repräsentatives Gebäude, einerseits für die Bürener Bevölkerung, für die Vereine, andererseits auch nutzbar für Theater, Konzerte, Delegiertenversammlungen und ähnliche Veranstaltungen, mit Platz und Verpflegungsmöglichkeiten für rund 300 bis 400 Personen.

Und man wollte nicht einfach einen langweiligen Bau an einem x-beliebigen Ort realisieren. Also schrieb man einen zweistufigen Wettbewerb aus. Das Siegerprojekt des Zürcher Architekturbüros «phalt» sah ein fünfeckiges, zweigeschossiges Gebäude am Aareufer vor, das alle Bedingungen erfüllte. Der damalige Leiter der Testplanung, Martin Eggenberger, hatte von einem «KKL im Miniformat» gesprochen, etwas, das Claudia Witschi nicht gerne hört. Sie war damals als Gemeinderätin im Projektteam. Man habe sich ein repräsentatives Gebäude an einem bevorzugten Standort vorgestellt, und der Standort am Aareufer sei prädestiniert gewesen, sagt sie.

Besser ein Schnitt zu machen

Der Gemeinderat habe sich nun entscheiden müssen, ob man ein «Design to cost»-Verfahren durchführen und abklären wolle, ob mögliche Einsparungen möglich seien. Man sei zum Schluss gekommen, dass es besser sei, einen Schnitt zu machen.

Cornelia Mattiello, Mitinhaberin des siegreichen Architekturbüros «phalt», bedauert den Entscheid. Man habe sich nie mit ihnen in Verbindung gesetzt, um mögliche Anpassungen zu besprechen. Sie seien bis dato auch nicht über den negativen Entscheid informiert worden.

Wie weiter?

«Wir sind uns im Gemeinderat bewusst, dass eine Aula fehlt und wir eine brauchen. Wir müssen uns nun überlegen, welche Schritte wir tun müssen, wann wir sie tun, was für Vorarbeiten geleistet werden müssen, bevor wir wieder starten und ein neues Projekt angehen.» Man müsse zuerst mit dem Alten abschliessen und dann beurteilen, was sich verändert habe und was man brauche. Und das benötige Zeit, sagt die Gemeindepräsidentin.

«Es stehen ebenfalls wichtige und kostenintensive Projekte an, wie die Stedtli-Gestaltung und das von der Gemeindeversammlung zurückgewiesene Projekt ‹Verkehr im Quartier›, das jetzt überarbeitet wird.»

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