Käranlage
Die ARA Region Grenchen wird zur Gasproduzentin

Die Abwasserreinigungsanlage Region Grenchen nützt künftig das in den Faultürmen aus Klärschlamm entstehende Gas nicht mehr zur Stromproduktion, sondern speist das Gas direkt ins Grenchner Netz ein. Gebaut wird die Biogas-Anlage von der SWG.

Andreas Toggweiler
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Die Kläranlage will zusammen mit der SWG Gas produzieren: v.l. Alexander Kohli (ARA-Präsident), Benno Schläfli (Geschäftsführer ARA), Per Just (Geschäftsführer SWG).

Die Kläranlage will zusammen mit der SWG Gas produzieren: v.l. Alexander Kohli (ARA-Präsident), Benno Schläfli (Geschäftsführer ARA), Per Just (Geschäftsführer SWG).

Hanspeter Bärtschi

Aus den Rückständen welche in der Kläranlage aus dem Abwasser geholt werden, entsteht in den beiden Faultürmen Biogas. Mit diesem Gas wurden bisher zwei Blockheizkraftwerke nach dem System der Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) betrieben.

Das Gas treibt einen Motor an, der über einen Generator Strom für den Eigenbedarf produziert. Mit der Abwärme der Motorkühlung wurden die Büros der Kläranlage sowie die beiden Vergärungstürme geheizt (vgl. Kasten).

Abwasser von 45'000 Personen

Die ARA Region Grenchen wurde 1972 in Betrieb genommen und klärt die Abwässer von 45'000 Einwohnern und 500 Betrieben in 17 Gemeinden in den Kantonen Bern und Solothurn. Etwa 10 Mio. m3 Abwasser werden pro Jahr behandelt. Es resultieren 180 t Rechengut, 45 t Sand und 14'000 t ausgefaulter Schlamm, der in die Kebag geführt wird. Dort wird er entwässert und anschliessend verbrannt.

In den beiden Faultürmen entsteht jährlich 600'000 m3 Klärgas aus dem Klärschlamm. Diesem werden für eine optimale Vergärung zusätzlich Co-Substrate (Blut aus der Centravo und sog. Fettwasser) zugesetzt. Durch eine Erwärmung der Faultürme auf 38 Grad wird für die Methanbakterien, welche organische Stoffe in Gas umwandeln, ein ideales Klima geschaffen. Auch bei der biologischen Reinigung des Abwassers spielen Bakterien eine wichtige Rolle. (at.)

«Die beiden WKK-Anlagen haben ihre Lebensdauer erreicht und müssen ersetzt werden», erklärt ARA-Betriebsleiter Benno Schläfli. Der Ersatz der Blockheizkraftwerke würde rund 1 Mio. Fr. kosten, ergänzt ARA-Zweckverbandspräsident Alexander Kohli. «Aber zu den heutigen Strompreisen würde sich diese Investition nicht lohnen», meint Kohli.

Kommt hinzu, dass die WKK-Anlage im Sommer überschüssige Wärme produziert, die nicht genutzt werden kann. Dies habe die ARA-Verantwortlichen veranlasst, zusammen mit der SWG nach einer besseren Lösung zu suchen.

Gas wird neu eingespeist

Und diese sieht so aus: «Wir werden künftig das von der ARA produzierte Biogas in unser Gasnetz einspeisen», erklärt SWG-Chef Per Just. Zuerst muss das Biogas allerdings gereinigt werden, bevor es ins städtische Netz eingespeist werden kann, denn es enthält einen zu hohen Anteil an CO2 und Schwefel. «Besonders Letzterer würde die Gasqualität negativ beeinflussen», erklärt Just.

So funktioniert die Gaseinspeisung

So funktioniert die Gaseinspeisung

zvg

Aus diesem Grund muss in der Kläranlage eine Biomethananlage zur Aufbereitung von Klärgas zu Erdgasqualität installiert werden. Die Anlage wird von der SWG gebaut und für die ARA im Contracting-Verfahren betrieben. Das heisst, die SWG trägt die Investitionskosten und kann die Betriebs- und Amortisationskosten der Anlage mit dem Preis des bezogenen Gases verrechnen. Das rechnet sich gemäss Kohli und Just für beide Seiten. Insbesondere seit der Druck in der stadteinwärts führenden Gasleitung reduziert wurde und sich damit eine Einspeisung des Biogases vereinfache.

Für die wegfallende Heizung installiert die SWG eine Holzschnitzel-Heizung, welche auch im Contracting-Verfahren betrieben wird. Über die Investitionskosten der Anlagen schweigt sich der SWG-Chef noch aus. «Diese können wir sowieso erst nach dem Submissionsverfahren genau beziffern», erklärt er. Die Anlage soll aber noch dieses Jahr installiert werden und im nächsten Frühjahr operativ sein. Gerechnet wird mit einer Gasausbeute von gut 5 Gigawattstunden pro Jahr, was laut Just immerhin etwa 2,5 Prozent des jährlichen Gasumsatzes der SWG ausmacht. Die Stromproduktion der WKK-Anlage betrug bisher demgegenüber 1,4 GWh pro Jahr (ohne Abwärme).

ARA-Präsident Kohli betont, dass man mit diesem Projekt auch im Sinne der Energiestadt Grenchen handle. «Bisher verpuffte viel Wärme der WKK-Anlage ungenutzt. Im Sinne einer nachhaltigen Energienutzung bedeutet dieser Schritt eine weitere Optimierung.»

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