Aus den Rückständen welche in der Kläranlage aus dem Abwasser geholt werden, entsteht in den beiden Faultürmen Biogas. Mit diesem Gas wurden bisher zwei Blockheizkraftwerke nach dem System der Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) betrieben.

Das Gas treibt einen Motor an, der über einen Generator Strom für den Eigenbedarf produziert. Mit der Abwärme der Motorkühlung wurden die Büros der Kläranlage sowie die beiden Vergärungstürme geheizt (vgl. Kasten).

«Die beiden WKK-Anlagen haben ihre Lebensdauer erreicht und müssen ersetzt werden», erklärt ARA-Betriebsleiter Benno Schläfli. Der Ersatz der Blockheizkraftwerke würde rund 1 Mio. Fr. kosten, ergänzt ARA-Zweckverbandspräsident Alexander Kohli. «Aber zu den heutigen Strompreisen würde sich diese Investition nicht lohnen», meint Kohli.

Kommt hinzu, dass die WKK-Anlage im Sommer überschüssige Wärme produziert, die nicht genutzt werden kann. Dies habe die ARA-Verantwortlichen veranlasst, zusammen mit der SWG nach einer besseren Lösung zu suchen. 

Gas wird neu eingespeist

Und diese sieht so aus: «Wir werden künftig das von der ARA produzierte Biogas in unser Gasnetz einspeisen», erklärt SWG-Chef Per Just. Zuerst muss das Biogas allerdings gereinigt werden, bevor es ins städtische Netz eingespeist werden kann, denn es enthält einen zu hohen Anteil an CO2 und Schwefel. «Besonders Letzterer würde die Gasqualität negativ beeinflussen», erklärt Just.

So funktioniert die Gaseinspeisung

So funktioniert die Gaseinspeisung

Aus diesem Grund muss in der Kläranlage eine Biomethananlage zur Aufbereitung von Klärgas zu Erdgasqualität installiert werden. Die Anlage wird von der SWG gebaut und für die ARA im Contracting-Verfahren betrieben. Das heisst, die SWG trägt die Investitionskosten und kann die Betriebs- und Amortisationskosten der Anlage mit dem Preis des bezogenen Gases verrechnen. Das rechnet sich gemäss Kohli und Just für beide Seiten. Insbesondere seit der Druck in der stadteinwärts führenden Gasleitung reduziert wurde und sich damit eine Einspeisung des Biogases vereinfache.

Für die wegfallende Heizung installiert die SWG eine Holzschnitzel-Heizung, welche auch im Contracting-Verfahren betrieben wird. Über die Investitionskosten der Anlagen schweigt sich der SWG-Chef noch aus. «Diese können wir sowieso erst nach dem Submissionsverfahren genau beziffern», erklärt er. Die Anlage soll aber noch dieses Jahr installiert werden und im nächsten Frühjahr operativ sein. Gerechnet wird mit einer Gasausbeute von gut 5 Gigawattstunden pro Jahr, was laut Just immerhin etwa 2,5 Prozent des jährlichen Gasumsatzes der SWG ausmacht. Die Stromproduktion der WKK-Anlage betrug bisher demgegenüber 1,4 GWh pro Jahr (ohne Abwärme).

ARA-Präsident Kohli betont, dass man mit diesem Projekt auch im Sinne der Energiestadt Grenchen handle. «Bisher verpuffte viel Wärme der WKK-Anlage ungenutzt. Im Sinne einer nachhaltigen Energienutzung bedeutet dieser Schritt eine weitere Optimierung.»