Laupersdorf
Die Ära Horisberger endet nach 67 Jahren

34 Jahre haben Willi und Anneliese Horisberger für ihre Metzgerei gearbeitet. Jetzt ist Schluss. Ende Monat hören die beiden auf. Ab 4. Februar wird Peter Jenni den Metzgereibetrieb weiterführen.

Erwin von Arb
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Solothurner Zeitung

Ein mulmiges Gefühl kommt schon auf, wenn Willi und Anneliese Horisberger an ihren letzten Arbeitstag in der gleichnamigen Metzgerei in Laupersdorf denken. 34 Jahre hat das Ehepaar quasi nur für ihre weit über das Thal hinaus bekannte Metzgerei gelebt und gearbeitet. Am 29. Januar ist damit endgültig Schluss. Eine Weiterführung war nicht möglich, weil sich der 31-jährige Sohn André als Elektronikingenieur anders orientiert hat. «Für uns ist das völlig in Ordnung», betonen die beiden.

Neuer Dorfmetzger wird ab 4. Februar mit dem 31-jährigen Balsthaler und gebürtigen Oberbuchsiter Peter Jenni ein ehemaliger Horisberger-Lehrling. Für die Kundschaft wird sich nur wenig ändern, erklärt er, das Sortiment werde weitergeführt. «Im Frischfleischbereich möchte ich die Regionalität noch stärker vermarkten.» Zwei der drei Teilzeitangestellten werden weiterbeschäftigt.

Früher auch Landwirtschaft

Mit dem Besitzerwechsel endet in Laupersdorf auch die 67 Jahre dauernde Ära der Metzgerfamilie Horisberger. Den Grundstein legte Walter Horisberger im Jahr 1942 mit dem Kauf der Liegenschaft. Er stammte aus Aedermannsdorf, war damals 30 Jahre alt, seine Frau Margrit 28. Weitere wichtige Standbeine neben der Metzgerei waren in dieser Zeit die Landwirtschaft und der Viehhandel. 1944 erfolgte der Einbau einer Wursterei, 1954 ein Schlachthaus. Sohn Willi war damals 4 Jahre alt, sein Bruder 8, seine Schwester 10 Jahre alt. In diese Zeit fiel auch die Aufgabe des Landwirtschaftsbetriebes.

Willi Horisberger absolvierte seine Lehre als Metzger im elterlichen Betrieb. Sein Vater, so erinnert sich der heute 61-Jährige, sei ein strenger und guter Lehrmeister gewesen. Auch er habe nur für das Geschäft gelebt und über Jahre überdurchschnittlich viel gearbeitet, was sich insbesondere ab dem 60. Altersjahr negativ auf die Gesundheit ausgewirkt habe. Ende 1975 ging Walter 64-jährig in Pension und übergab das Familienunternehmen einem Sohn Willi.

Weit herum bekannt

«Am 1. Januar 1976 standen wir erstmals als Besitzer der Metzgerei hinter der Verkaufstheke», erinnert sich Willi Horisberger. Und die Metzgerei lief gut, so gut, dass laufend Überstunden geleistet werden mussten. Sein Vater konnte sich über den Erfolg seines Sohnes und seiner Schwiegertochter indessen nicht lange freuen. Er verstarb bereits neun Monate nach der Geschäftsübergabe.

Die Metzgerei Horisberger schuf sich in den Folgejahren mit Spezialitäten einen hervorragenden Ruf. Weit über die Region hinaus bekannt waren etwa der Rohessspeck, der gekochte Schinken oder die Rauchwürste. Deren Produktion wurde aus Kostengründen vor rund einem Jahr eingestellt. Geblieben sind Cordons bleus, Pariser Schnitzel, Tessinerbraten und der «Madonna-Braten», der aus einem Schweinsnierstück, Pistazien, Kalbsbrät und Schinkenwürfeln besteht.

Kundschaft ist älter geworden

Viel Fleisch wird jeweils in der Weihnachtszeit und an Neujahr konsumiert. «Die Palette ist sehr vielfältig, die Vorbereitung entsprechend anspruchsvoll», bemerkt Anneliese Horisberger. Schwierig gestaltet hat sich all die Jahre neben der Arbeit in der Metzgerei auch die Führung des Haushaltes. «Eine Putzfrau zu engagieren, kam für mich nie infrage», sagt die 57-Jährige bestimmt. Die Folge war nicht selten eine 7-Tage-Woche mit rund 60 Arbeitsstunden.

In den letzten 34 Jahren hat sich die Kundschaft verändert. Vor allem älter sei diese geworden. Und: «Wir spüren die Abwanderung der Bevölkerung und, dass immer mehr Leute ausserhalb des Thals arbeiten», meint Willi Horisberger.

27 Lehrlinge ausgebildet

Rückblickend auf ihre 34 Jahre dauernde Zeit im Metzgereibetrieb überwiegt indessen das Positive, wie das Ehepaar versichert. In der insgesamt 67 Jahre dauernden Ära des Familienbetriebs sind 27 Metzger ausgebildet wurden, deren 12 beim Vater Walter Horisberger.

Noch haben Horisbergers keine konkreten Pläne, was ihre bevorstehende Pension anbelangt. «Ich denke, uns wird es bestimmt nicht langweilig», sagt Anneliese Horisberger. Sie könnten ihren Hobbys wie Wandern, Velofahren, Reisen oder Skifahren wieder vermehrt frönen.