Littering – das Wegwerfen von Abfall jeglicher Art in freier Natur – ist nach wie vor ein Problem. An einer Veranstaltung im Witizentrum in Altreu informierten Konrad Schleiss, Geschäftsführer der Repla Grenchen Büren, Ruedi Christ von der Umweltpolizei, der Biologe Martin Huber von der Repla Espace Solothurn sowie Rolf Balmer von der Perspektive Solothurn und Christoph Kölliker von Pro Work Grenchen über die Probleme und Herausforderungen, die sie letztes Jahr zu bewältigen hatten.

Eine sinnvolle Arbeit

Kölliker sagte, sie seien bei Pro Work sehr froh um diese Arbeit, denn man könne alle der ihnen anvertrauten Menschen einsetzen. Jeden Montag sammeln die Einsatzkräfte am Aareufer zwischen Büren und Bettlach den Müll, den die Leute zurücklassen. In den 712 Einsatzstunden, die im letzten Jahr geleistet wurden, sammelten die Einsatzkräfte von Pro Work 18 113 Liter Abfall. Pro Work ist im Schnitt an 40 Tagen mit 5 Teilnehmern und ein bis zwei Betreuern unterwegs.

Kölliker verwies auf die Hotspots: Am Bettlerank stelle man immer noch sehr viel Abfall fest. Die 900 Liter Fässer, die man dort extra aufgestellt habe, reichten nicht aus. Weitere Hotspots, an denen die Einsatzkräfte auf besonders viel Abfall stiessen, sei das Ufer bei der Archbrücke auf beiden Seiten der Aare. Zwar sei bis letztes Jahr die Abfallmenge rückläufig gewesen, aber leider habe sich diese Tendenz nicht fortgesetzt, Kölliker: «Wir finden dieses Jahr wieder mehr Müll. Den Grund dafür kennen wir aber nicht.» Insbesondere am Bettlerank habe sich die Situation seit der Einführung des Fahrverbots vor einigen Jahren merklich verbessert, aber seit zwei Jahren nehme die Abfallmenge wieder zu.

Plus bei Pro Work, minus bei den Perspektiven

Die Perspektive, die diese Arbeit entlang der Emme und der Aare bis Selzach erledigt, stellt im Gegensatz dazu einen leichten Rückgang der Abfallmenge fest, wie Rolf Balmer erklärte. In 650 Einsatzstunden sammelte man 22 200 Liter Abfall, etwas weniger als im Jahr zuvor. Balmer erwähnte eine andere, neue Herausforderung: Durch Renaturierung entlang der Flüsse – insbesondere der Emme aus Gründen des Hochwasserschutzes – gestalte sich die Arbeit schwieriger als zuvor: «Früher hatten wir nur den Uferweg, an dessen Ränder wir den Müll zusammenlesen konnten. Nun ist die Fläche, die wir abdecken müssen, grösser geworden.»

Insgesamt wurden an den Ufern von Aare und Emme also rund 40 000 Liter Müll gesammelt. Das entspricht rund 1000 Abfallsäcken. Dafür gaben die Solothurner Gemeinden 21 240 Fr., die Berner Gemeinden 2815 Fr., die Repla GB 7217 Fr. und die Repla Espace Solothurn 9318 Fr. aus – total Kosten von 40 592 Franken.

Prävention und Sensibilisierung

Ruedi Christ von der Kantonspolizei Solothurn, Abteilung Tier- und Umweltschutz, berichtete über die Arbeit der Polizei im Bereich Littering. Seit Vik Stüdeli als Witisheriff zurücktrat, hat die Polizei die Aufgabe, für Ordnung zu sorgen, Abfallsünder oder Leute zu büssen, welche ihre Hunde frei laufen lassen – in der Witi herrscht Leinentrageplicht– dafür sorgen, dass Fahrverbote eingehalten werden. «Wir machen uns nichts vor: Wenn wir in Uniform auftauchen, wirft keiner irgendetwas einfach so weg.» Seit einigen Jahren sei man eher auf Präventionstour. «Wir fragen die Leute an den Grillplätzen, wie sie den Platz vorgefunden haben, ob sie einen Abfallsack dabei haben, um ihren eigenen Abfall wieder mitzunehmen oder ob sie Interesse an einem unserer Taschenaschenbecher haben, den wir letztes Jahr lanciert haben. Wir wollen die Leute sensibilisieren.» Bussen zu verteilen, sei schwierig. Im letzten Jahr seien rund 100 Bussen wegen Littering verhängt worden, aber im ganzen Kanton. Dazu nochmals 100 wegen illegaler Ablagerung von Müll – bspw. Autopneus im Wald. Littering-Bussen kosten in der Regel 100 Franken.

Eines aber sei klar, so Christ: «Je sauberer ein Platz angetroffen wird, umso grösser die Wahrscheinlichkeit, dass er auch wieder sauber verlassen wird.» Und wenn er jemandem in die Augen schaue, wenn er auf Patrouille sei – zu 90% in Uniform und schon bald mit E-Bikes – und der Person noch so einen Abfallsack oder Aschenbecher überreiche, sei er sich sicher, dass der dann seine Zigarettenkippe nicht einfach in die Natur hinaus schmeisse.

Bisher wurde die Litteringbekämpfung von der Geschäftsstelle der Repla GB organisiert und administriert. Nach Auflösung der Repla GB Ende Jahr werde die Repla Espace Solothurn die Arbeit für die Gemeinden östlich von Selzach weiterführen, erklärte Konrad Schleiss, Präsident der Repla GB. Für die Gemeinden, die der Repla Grenchen Büren angeschlossen waren, wird Pro Work Grenchen die Litteringsbekämpfung in Zukunft anbieten und diesbezüglich auch direkt mit den Gemeinden – auch den bernischen – den Kontakt suchen.