Der Name verrät ihre ausländische Herkunft. Wilailakkhana Burri gehört aber nicht zu den Frauen, die sich ohne ihren Mann kaum unter die Leute trauen, weil sie kein Deutsch können. Die gebürtige Thailänderin wirkt fröhlich, blickt einem beim Plaudern direkt in die Augen, ein breites Lächeln im Gesicht. Seit fünf Jahren lebt sie in der Schweiz, in Grenchen. Zwölf Integrations-Sprachkurse hat sie im Lindenhaus in dieser Zeit besucht, dort, wo diese Kurse bereits seit einem Jahrzehnt angeboten werden. Gegen 500 Stunden hat Wilailakkhana Burri in den Kursen verbracht, welche von Gertrud Christen («Granges Mélanges») ins Leben gerufen worden sind. Sie sagt, solche Integrationskurse für Migrantinnen seien nötig. «Ich habe viel Probleme gehabt früher», erzählt sie mit charmantem Akzent, nicht fehlerfrei, aber verständlich. Probleme, die keine sein sollten. Zum Beispiel, wenn an der Einkaufskasse plötzlich auffällt, dass etwas falsch berechnet wurde. Wie soll man der Kassierin erklären, was nicht stimmt, wenn man die Sprache nicht kann? Den Ehemann fragen zu müssen, sei keine Lösung. «Es ist besser, wenn man selber machen kann», sagt Burri. «Heute mache ich mir keine Sorgen mehr über das.»

Mit A2-Zertifikat ausgezeichnet

Gemeinsam mit der Volkshochschule Solothurn werden in Grenchen sechs Sprachkurse auf drei verschiedenen Niveaus angeboten. Die meisten Frauen machen zwischen vier und sechs Kursen, erklärt Gertrud Christen, Leiterin Deutschkurse. Acht von zehn Frauen würden nicht nur die obligatorischen Sprachkurse besuchen, sondern weitermachen. Vor einigen Tagen haben zehn Kursschülerinnen das A2-Niveau erreicht und wurden mit einem Zertifikat belohnt. Darunter drei Frauen von der Volkshochschule Grenchen. Jetzt können sich die Frauen offiziell in typischen alltäglichen Situationen verständigen, kurze Gespräche führen und einfache grammatische Strukturen korrekt verwenden.

Viele der Frauen sind schulfremd

Belinda Macia unterrichtet die Frauen im Lindenhaus. Vom Engagement ihrer Schülerinnen ist sie begeistert. Es sei denn auch der Wunsch einiger Frauen gewesen, die Sprachkurse bis zum Zertifikat weiterführen zu können, diese Möglichkeit gab es früher nicht. «So mussten wir den Frauen natürlich auch beibringen, wie man eine Prüfung absolviert, denn viele von ihnen sind schulfremd und kennen das nicht», erklärt sie. 90 Prozent der Frauen, welche im Lindenhaus unterrichtet werden, kommen aus der Uhrenstadt selbst, die meisten anderen aus den umliegenden solothurnischen Gemeinden. In der 10-jährigen Geschichte der Kurse wurden rund 150 Frauen in Deutsch unterrichtet, 47 Sprach- und 13 Konversationskurse durchgeführt. Und die Kurse laufen weiterhin gut. Wie Gertrud Christen aufzeigt, werden dauernd neue Frauen eingeschrieben, meist von ihren Männern. Allein letzte Woche wurden wieder vier Frauen angemeldet.

Der Kursbeitrag ist gering, subventioniert werden die Kurse zu 50 Prozent durch Bund und jeweils 25 Prozent durch Gemeinde und Kanton.

Solidarität unter den Schülerinnen

Gemäss Sprachlehrerin Belinda Macia entwickelt sich in den Kursen jeweils eine starke Solidarität unter den Frauen, auch wenn sie aus den unterschiedlichsten Ländern nach Grenchen gekommen sind. Und Macia betont, dass das Erlernen der deutschen Sprache die ausländischen Frauen selbstständiger macht. So wie Wilailakkhana Burri, die vom Sprachenlernen noch lange nicht genug hat. Die pfiffige, kleine Thailänderin will noch weitere Kurse besuchen und sich später zur Verkäuferin ausbilden lassen. Dafür wird die studierte Buchhalterin sicherlich weitere zwei Jahre Sprachkurse besuchen müssen. Doch das störe sie nicht, sagt sie. Denn: «Schule ist mein Liebling.»