Büren a. A.
Der Wind trägt Späne durchs Stedtli

Am Bildhauersymposium in Büren a. A. stehen die Künstlerideen im Zeichen des Holzes. Die ganze Woche arbeiteten 7 Künstler im Stedtli. Heute abend ist Finissage-Party

Daniela Deck (Text) und Thomas Ulrich (Fotos)
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Die Späne fliegen wieder am Bildhauer-Symposium im Stedtli Büren.

Die Späne fliegen wieder am Bildhauer-Symposium im Stedtli Büren.

Thomas Ulrich

Holzschnitzel wirbeln im böigen Wind durch die Gassen von Bürens Altstadt. Sechs der sieben Künstler am Bildhauersymposium haben heuer mächtige Stämme von Douglasien aus dem Burgerwald in Arbeit. Das ist die einzige Gemeinsamkeit bei ihrem Schaffen unter freiem Himmel rund um die reformierte Kirche. Der Schild der Helvetia, die drehenden Lamellen der Vortex-Skulptur und der Mensch in seiner Verletzlichkeit als einbeinige Kreatur zeigen, welche Vielfalt aus einem Werkstoff geschaffen werden kann.

«Douglasie ist witterungsbeständig, aber spröde. Kein einfaches Material in der Bildhauerei», sagt Thomas Lüscher, während er mit sicheren Meisselschlägen den Rüssel seines Elefanten mit den langen schlanken Beinen in Harmonie bringt. Am Symposium in Büren, bei dem er bereits zum zweiten Mal dabei ist, schätzt er neben dem Austausch mit Fachkollegen die grosse Gastfreundschaft der Bürer. «Ein Restaurant nach dem anderen lädt uns ein und verwöhnt uns. Das ist alles andere als selbstverständlich.»

Einmal etwas anderes

In der Dreiergruppe vor der Galerie Artis hämmert Diego Renggli am Patriotismus. Zehn Kilo Nägel bilden das Relief für Helvetias Schild. «Ich stelle mir vor, wie es ist, wenn Helvetia älter wird und dicker», sagt er schmunzelnd. Das massive Hebeisen, das ihm zur Verfügung gestellt wurde, möchte Renggli gern als Lanze ins Kunstwerk einbauen, sofern der Besitzer einverstanden ist.

Daneben steht das Zelt von Sandra Autengruber. Sie setzt mit ihren Plastiken aus leichtem Nylongeflecht mit Gipsbandagen respektive aus schwerem Betonguss den Kontrapunkt zur Holzkunst. Die erfahrene Steinbildhauerin geniesst die Freiheit, etwas anderes zu machen und damit ebenso willkommen zu sein.

Die Chemie stimmt

«Diesmal stimmt einfach alles, auch die Chemie unter den Künstlern», freut sich der Vater des Symposiums, der Bildhauer Andreas Fiechter, bei einer Stippvisite in der Galerie Artis. Hier sind noch bis heute Abend von allen Teilnehmenden je drei bis vier Kunstwerke ausgestellt.

«Die sieben sind mit Begeisterung bei der Arbeit. Nach der Mittagspause können sie es jeweils kaum erwarten wieder anzufangen», hat auch Galerieinhaberin Trudi Lädrach beobachtet. Die Vorverschiebung des Symposiums vom üblichen Termin im August hat der Künstlerwoche nicht geschadet, sind sich die beiden einig. Auch die Verkleinerung der Gruppe – zur siebten Durchführung sind es sieben, statt zehn oder elf – kommt gut an.

Bildhauersymposium
38 Bilder
Bildhauersymposium Autengruber Sandra
Bildhauersymposium May Jørgen
Bildhauersymposium Autengruber Sandra
Bildhauersymposium
Bildhauersymposium Autengruber Sandra
Bildhauersymposium
Bildhauersymposium
Bildhauersymposium
Bildhauersymposium Váradiová Markéta
Bildhauersymposium
Bildhauersymposium Switajski-Schaefer Jolanta
Bildhauersymposium May Jørgen
Bildhauersymposium Luescher Thomas
Bildhauersymposium Switajski-Schaefer Jolanta
Bildhauersymposium Luescher Thomas
Bildhauersymposium Luescher Thomas
Bildhauersymposium Luescher Thomas
Bildhauersymposium Luescher Thomas
Bildhauersymposium Luescher Thomas
Bildhauersymposium
Bildhauersymposium
Bildhauersymposium Autengruber Sandra
Bildhauersymposium Autengruber Sandra
Bildhauersymposium
Bildhauersymposium Renggli Diego
Bildhauersymposium Annen Bernhard
Bildhauersymposium Annen Bernhard
Bildhauersymposium May Jørgen
Bildhauersymposium
Bildhauersymposium Switajski-Schaefer Jolanta
Bildhauersymposium May Jørgen
Bildhauersymposium May Jørgen,
Bildhauersymposium May Jørgen
Bildhauersymposium Váradiová Markéta
Bildhauersymposium Switajski-Schaefer Jolanta
Bildhauersymposium
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Bildhauersymposium

Thomas Ulrich

«Auf der Strasse geniesse ich viel Goodwill. Die Rückmeldungen zum Bildhauersymposium sind durchweg positiv», sagt Trudi Lädrach. Sie hofft, dass dadurch die Schwellenangst vor der Galerie abgebaut wird und dass sich auch diesmal Gönner finden lassen, die die eine oder andere Figur für den Skulpturenweg in Büren kaufen. Draussen fragen die Passanten den Künstlern Löcher in den Bauch. Bernhard Annen erzählt freimütig von der Langeweile mit dem eigenen Plastilinmodell und dem dadurch ausgelösten kreativen Schub bei der Umsetzung in Holz. «Das ist nett hier, gute Kollegen, gute Leute», sagt Jørgen May, der jüngste im Bund. «Im Atelier in Bayern arbeite ich allein, eine schöne Abwechslung, hier an der frischen Luft zu sein.»

Nicht alle sind indessen zum Reden aufgelegt. Das gilt besonders für diejenigen, die mit der Kettensäge hantieren, wie Jolanta Switajski, die Hüterin der Mitmenschlichkeit. Da gilt es, den Kopf bei der Sache zu haben.

«Ein Kunstwerk spricht für sich selbst», sagt die Schöpferin von Vortex, die Tschechin Marketa Varadiova, und widmet sich sorgfältig der Ausarbeitung einer weiteren Lamelle. Finissage des Bildhauersymposiums ist heute um 18 Uhr bei der Galerie Artis, Hauptgasse 32. Angesagt ist Live-Musik mit «Scroll Up» und eine Festwirtschaft.