Die ersten Wetterwarnungen kamen bereits am Mittwochabend über den Wetteralarm per SMS. Am Donnerstag gingen den ganzen Tag hindurch Warnungen über die bevorstehende Sturmfront über den Äther, man wusste bereits am Mittag fast auf die Minute genau, wann die Wetterfront von Frankreich her über den Jura einfallen würde. In Grenchen wurden zwischen 20.15 Uhr und 22 Uhr Böen von bis zu 92 km/h gemessen. Und doch kam man vergleichsweise glimpflich davon, vor allem waren nur Sach- und keine Personenschäden zu verzeichnen.

Uraufführung vom Winde verweht

Besonders betroffen waren die Freilichtspiele Grenchen, deren Uraufführung kurzfristig abgesagt werden musste. Autorin und Regisseurin Iris Minder zeigt sich denn auch erleichtert und froh über den glimpflichen Ausgang. Denn kurz nach 20 Uhr - das Publikum war bereits in grosser Zahl anwesend - drohten die heftigen Sturmböen, das Zelt mit der Zuschauertribüne aus der Verankerung zu reissen. «Wir haben sofort den hinteren Teil des Zelts geöffnet, sodass der Wind nur die Stühle bis in die oberste Reihe der Tribüne wehte und kräftig an allem rüttelte.»

Auch das Bühnenbild wurde etwas in Mitleidenschaft gezogen, aber nichts wirklich beschädigt. Man habe die Zuschauer sofort aus der Gefahrenzone geleitet und den Platz gesperrt. Die aufgebotene Feuerwehr sicherte das Zelt zusätzlich mit Spannsets. «Aber am meisten hat mich gefreut, dass unser Entschluss zum Abbruch vom Publikum sogar mit Applaus quittiert wurde. Sie haben verstanden, dass uns die Sicherheit von Publikum und Darstellern das Wichtigste war.» Die ausgefallene Vorstellung wird am Sonntag nachgeholt.

Schäden im Grenchner Wald

«Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen», bilanziert Revierförster Patrik Mosimann, der am Freitagmorgen eine erste Schadensbilanz im Wald zog. «In den Talwaldungen liegen 100 bis 200 Kubikmeter Fallholz», schätzt Mosimann. Der Forstdienst war gestern mit Aufräumarbeiten beschäftigt, die schon in der Nacht des Sturms angefangen haben. Das Pikett wurde um 21.15 Uhr aufgeboten und war laut Mosimann bis nachts um halb eins im Einsatz.

So galt es, an der Witmattstrasse einen Kirschbaum, der auf zwei Autos gestürzt war, wegzuräumen. An der Tunnelstrasse ist zudem ein Baum auf die Fahrleitung der BLS gestürzt und hat die Bahnlinie unterbrochen. «Wir rücken in diesen Fällen gleich mit dem Kranfahrzeug aus, so, dass die Arbeiten rasch vorankommen», erläutert Mosimann.

Am Freitag wurde im Gebiet Allmendstrasse und Richtung Romont weiter gearbeitet. «Das Phänomen mit den kalten Fallwinden vom Jura beobachte ich in den letzten Jahren vermehrt», stellt Mosimann fest. Weil Grenchen direkt am Fuss des Bergs liege, sei die Windgeschwindigkeit hier höher als in der Ebene.

In Biel gings heftiger zu und her

Regina Boner, Kampfrichterin Trampolin beim TV Grenchen, erlebte das Unwetter in Biel hautnah. Es sei ein spezielles Erlebnis gewesen, meinte sie. Nach den Nachmittagswettkämpfen, bei denen sie als Kampfrichterin im Einsatz war, besuchte sie das Festgelände am Strandboden. «Von der einen auf die andere Minute fing es plötzlich an, stark zu winden. Petflaschen, Besteck, Becher und Papierservietten flogen umher, kleinere Zelte wurden aus den Verankerungen gerissen.»

Nachdem auch die Seitenwände der grossen Zelte gefährlich nach innen gedrückt wurden, seien sie von Polizei und Armee per Lautsprecher dazu aufgefordert worden, das Gelände zu verlassen und sich in die Innenstadt zu begeben. «Innerhalb von 15 Minuten war das Gelände geräumt. Aber es war doch sehr speziell, weil das Gelände ziemlich verwüstet ausgesehen hat.»