Bachtelen

Der Weg in die Neuzeit wird eingeschlagen

Giuseppe Crivelli, Direktor des Kinderheims Bachtelen Grenchen, liess die beiden Terrassen erbauen, damit erhielt das bereits umgebaute Gebäude eine architektonische Struktur.

Giuseppe Crivelli, Direktor des Kinderheims Bachtelen Grenchen, liess die beiden Terrassen erbauen, damit erhielt das bereits umgebaute Gebäude eine architektonische Struktur.

Im 8.Teil unserer Bachtelen-Serie beleuchten wir Giuseppe Crivelli. Der Direktor der Kinderheims Bachtelen kann als Wegbereiter für das neue Verständnis des Bachtelen bezeichnet werden.

Am 10. Dezember 1953 wurde der Grenchner Giuseppe Crivelli zum Direktor des Kinderheims gewählt. Dies keine zwei Monate nach dem überraschenden Tod von Direktor Eugen Schibler. Giuseppe Crivellis Leben liest sich wie ein Roman: Zuerst wurde er auf Wunsch seines Vaters, der in Grenchen 1907 ein Baugeschäft führte, Maurer und absolvierte das Technikum in Biel. Auf dem zweiten Bildungsweg studierte er Theologie und wurde Priester.

Er war Direktor der Caritaszentrale in Luzern, die sich unter seiner Leitung zu einem bedeutenden und wirkungsvollen Hilfswerk entwickelte. Er krempelte auch die «Caritas internationalis» um und verlieh ihr grosses Ansehen. Grosse internationale Ehrungen lehnte er stets ab. Crivelli hatte aber auch Gegner, die danach trachteten, ihn und sein Werk in Verruf zu bringen. Deren Intrigen wurden leider zu spät aufgedeckt.

Als Giuseppe Crivelli die Leitung des Kinderheims übernahm, zog er zuerst einmal die Soutane aus und das Überkleid an: Grosse Umbauarbeiten und Renovationen im Heimbereich waren notwendig, und wer wäre besser geeignet gewesen, diese fachmännisch zu leiten, wenn nicht der ehemalige Bautechniker Crivelli.

Mit Giuseppe Crivelli ereigneten sich zwei in der Geschichte des Heimes wichtige Begebenheiten: Mit Crivelli fiel der Startschuss zum modernen heutigen Sonderpädagogischen Zentrum Bachtelen für Verhalten und Sprache. Als Zweites ist zu erwähnen, dass sich seither immer wieder Mitglieder der Familie Crivelli in verschiedenen Funktionen, unter anderem als Präsidenten des Trägervereins des Heimvereins engagiert für das Wohlergehen des Kinderheims und dessen Menschen eingesetzt haben.

Gesunde finanzielle Basis

Giuseppe Crivelli war nicht nur ein ausgezeichneter Baumeister, sondern stets auf der Suche nach Erneuerungen in sozialen Bereichen. Mit besonderem Engagement betätigte er sich auf eidgenössischer Ebene in zahlreichen schweizerischen Verbänden. Im Kanton Solothurn war er Mitglied des Arbeitsausschusses von Pro Infirmis, in Grenchen selbst Mitglied der Krippenkommission, der Gemeinnützigen Gesellschaft und des Fürsorgevereins für Alkoholgefährdete.

Trotz grosser Belastung gründete er mit zwei Mitpriestern die Auslandseelsorge der Schweizer im Ausland. Er war auch Mitbegründer des Grenchner Arbeitskreises zur Erneuerung des Religionsunterrichtes und erwirkte durch seinen Einfluss, dass erstmals im Kanton Solothurn Kurse für Hilfskatecheten durchgeführt werden konnten.

Der Initiative von Direktor Crivelli ist es vor allem zu verdanken, dass sich das Heim auf einem gesunden finanziellen Fundament positiv weiterentwickeln konnte. Seine Bemühungen bei Industrie und Privaten führten zu einem erfreulich guten Zufluss von Spenden. Dazu kam, dass die Invalidenversicherung bei der Finanzierung der grossen Ausgaben mithalf, und dass der Kanton sowohl an die Besoldung der Heimlehrer als auch an die umfangreichen Renovationen grössere Subventionen leistete.

Das übergrosse Arbeitspensum führte dazu, dass Giuseppe Crivelli erkrankte und seine Demission einreichte. Als Nachfolger wurde Dr. Anton M. Meier am
25. Januar 1968 gewählt.

Die Ausstellung «125 Jahre Kinderheim Bachtelen» zeigt im Kultur-Historischen Museum Grenchen bis Juni 2017 die bewegte Geschichte des Bachtelen.

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