Gastronomie
Der Traum ist geplatzt: Vorerst kommt kein neuer Wirt ins Baracoa

Mehmet Polat wollte kürzertreten und das Baracoa in Grenchen aufgeben — daraus wird nun wahrscheinlich nichts.

Oliver Menge
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Oliver Menge

«Es geht für mich persönlich eine Ära zu Ende, aber ich tue auch alles dafür, dass es mit dem Baracoa im gewohnten Rahmen weitergeht», sagte der 50-jährige Mehmet Polat gegenüber dieser Zeitung noch vor etwas mehr als einem Monat. Doch nun kommt alles anders, seine Träume sind vorerst geplatzt. Polat war überzeugt, nach beinahe 16 als Wirt Jahren endlich etwas kürzer treten zu können, die Nachfolger waren schon gefunden.

Am 1. Januar 2018 wollte er das Baracoa Duran Odun, einem Türken, der in Deutschland aufgewachsen ist und seit 17 Jahren in der Schweiz lebt, übergeben. Odun betreibt zusammen mit seinem Schwager Halil Atici, einem Schweizer, in einer AG diverse Geschäfte. So sind die beiden unter anderem an Liegenschaften beteiligt und betreiben die Multi-Fahrschule an der Kapellstrasse. Atici wollte das Wirtepatent erwerben, hat im Hinblick auf die Übernahme sogar zusätzliches Personal angestellt. Alles war aufgegleist, der Vorvertrag unterschrieben.

Polat hatte vor, noch mindestens fünf, sechs Monate als Angestellter im Baracoa zu arbeiten, bis seine Nachfolger eingearbeitet sind. Doch jetzt machte ihm der Liegenschaftsbesitzer einen fetten Strich durch die Rechnung, wie Polat sagt. Die Iten Immobilien AG mit Sitz in Zug verlange nämlich, dass Polat auch weiterhin privat haftbar bleibe, oder ein möglicher Nachfolger den Vertrag vollumfänglich, das heisst ebenfalls mit Privathaftung, übernehme. Denn der Pachtvertrag für das Baracoa läuft noch 5 Jahre. «Ich verstehe das nicht», sagt Polat. «Die AG steht ja mit Sicherheit finanziell besser da als ich.»

Er selber habe eine Kaution von 4 Monaten hinterlegen müssen. Bei einem Zins von 7700 Franken, die Polat für das Restaurant und die Bar plus zwei Zimmer für die Angestellten pro Monat bezahlt, sind das 30'800 Franken Kaution. «Odun hat meines Wissens sogar angeboten, sechs Monate Kaution zu hinterlegen, also 46'200 Franken. Ich verstehe nicht, warum das nicht akzeptiert wird.» Alles sei geregelt gewesen, die sechs Angestellten wären von Odun und seinem Schwager übernommen worden. «Dann kam noch die Aufforderung, ein Konzept zu schreiben. Dabei hätte alles weitergehen sollen, wie bisher. Aber wir haben uns daran gehalten und ein Betriebskonzept eingereicht, mit den Anlässen, mit allem. Aber der Liegenschaftsbesitzer wollte darauf nicht eingehen», so Polat.

Jetzt sei der Vorvertrag ungültig, die möglichen Nachfolger seien ausgestiegen und ihm bleibe nichts anderes übrig, als weiterzuarbeiten. Er sei schon etwas geschockt, meint der sichtlich frustrierte Wirt. «Damit habe ich nicht gerechnet und hatte schon Pläne ins Auge gefasst. Zum Beispiel mal in der Ferien zu fahren. Etwas, das in den letzten 15 Jahren nie möglich war.» Mit 50 nicht mehr täglich 15 bis 16 Stunden arbeiten zu müssen, das sei sein Ziel gewesen. «Meine Frau, die ebenfalls im Baracoa mithilft, ist gesundheitlich auch angeschlagen und wollte wie ich die Belastung reduzieren.»

Hausbesitzer sieht es anders

Stefan Iten, Mitinhaber der Immobilienfirma, der das Baracoa gehört, zeigt sich sehr erstaunt, als er von dieser Zeitung kontaktiert wird. Das sei doch keine Geschichte, die man in den Medien austragen müsse, sagt er. «Am 27. November habe ich erstmals davon gehört, dass Herr Polat aufhören und das Baracoa in neue Hände übergeben will. Das geht für mich in Ordnung, so lange Restaurant und Bar zu denselben Bedingungen weitergeführt werden wie bisher, denn dabei handelt es sich um einen laufenden Vertrag, der eigentlich 1:1 übernommen werden muss.»

Am 5. Dezember habe er darum gebeten, dass man ihm ein Curriculum Vitae der Nachfolger und ein Konzept für den künftigen Betrieb zukommen lasse. Beides habe er umgehend erhalten. «Herr Polat hat mein vollstes Verständnis, wenn er – aus welchen Gründen auch immer – aufhören will. Man kann über alles diskutieren.» Auch über den strittigen Punkt der Privathaftung, könne man diskutieren, sagt Iten. «Wir sind auch kein Immobilienunternehmen, welches mit negativen Schlagzeilen in den Medien erscheinen will.»

Aber statt dass man sich gemeinsam an einen Tisch gesetzt habe, um zusammen mit der Liegenschaftsverwalterin BDO die Lösungsmöglichkeiten für eine Übertragung des Vertrags zu besprechen, seien nur E-Mails gekommen. Irgendwann habe er auch nur noch mit Odun kommuniziert, und da seien plötzlich Forderungen im Raum gestanden, auf die er nicht habe eingehen können. «Polats mögliche Nachfolger verlangten eine massive Reduktion der Miete um fast die Hälfte, forderten von uns, dass wir für 20'000 Franken neues Mobiliar anschaffen, ein neues Kassensystem installieren und auch bezahlen.»

Und für solche Investitionen in einen laufenden Vertrag sehe er schlicht keinen Handlungsbedarf. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, sagt Iten. Beispielsweise, dass er den Pächtern das Mobiliar, das vollumfänglich der Liegenschaftsbesitzerin gehöre, gratis überlassen hätte, und diese es dann hätten verkaufen können oder ähnlich. «Man hätte halt einfach mit uns sprechen müssen, dann wären wir bestimmt gemeinsam zu einer Lösung gekommen.»

Duran Odun bestreitet auf Anfrage, solche Forderungen gestellt zu haben. Er und sein Schwager Atici seien bereit gewesen, den Vertrag unter denselben Bedingungen zu übernehmen, allerdings als AG ohne Privathaftung. Neues Mobiliar und das Kassensystem seien Bestandteil des geforderten Konzepts gewesen, aber Iten sei überhaupt nicht daran interessiert gewesen, mit ihm zu sprechen, habe ihn ignoriert und auch einen Gesprächstermin platzen lassen. Für ihn sei die Sache erledigt, selbst wenn Iten jetzt auf ihn zukomme.

Wie soll’s weitergehen?

Möglich wäre, dass sich die Parteien nochmals an einen Tisch setzen und vielleicht doch noch Nägel mit Köpfen machen – aber ohne Odun. Polat jedenfalls ist mitten in der Planung der kommenden Party-Events und veranstaltet jedes Wochenende im Dezember seine Jahresend-Partys.

Als nächster Höhepunkt steht die Silvesterparty im Baracoa ins Haus. Danach folgt schon bald die Fasnacht. «Ich will nächstes Jahr einmal im Monat eine Salsa-Party veranstalten und alle zwei Monate eine Schlagerparty.» Im Sommer wird Polat während der Fussball-WM ein Public Viewing durchführen. Als weitere Höhepunkte des Jahres nennt er das Grenchner Fest und «Rock am Märetplatz», wo das Baracoa eine Rolle spielen werde. «Ob das allerdings noch mit mir oder bereits mit einem Nachfolger stattfindet, weiss ich jetzt nicht.»