Es geschah während eines routinemässigen Fluges mit der Air France in Richtung Flughafen Paris-Charles-De-Gaulle und es war Liebe auf den ersten Blick. «Ich pendelte zu dieser Zeit aus beruflichen Gründen viel zwischen der Schweiz und Frankreich hin und her», erklärt Daniel Graf.

Während einem dieser Geschäftsflüge blätterte er durch das Bordmagazin, bis sein Blick beim Bild eines aussergewöhnlichen Fahrzeugs hängen blieb: einem Neubau des Kultfahrzeuges «Threewheeler» aus der britischen Traditionsschmiede von Morgan Motors. «Ich las das Magazin durch, aber es zog mich immer wieder zu diesem Bild hin», sagt Graf schmunzelnd. Von diesem Augenblick an war klar, dass dieses Gefährt für ihn ein «Must-have» ist.

Doch zunächst hiess es, sich in Geduld zu üben. Denn die Wartezeit betrug gut und gerne eineinhalb Jahre. Schliesslich wird bei Morgan Motors seit je Wert auf Handarbeit gelegt. Somit wurden 2012, dem ersten Jahr der Neuauflage, weltweit nur gerade zwischen 350 und 400 Stück verschickt.

Natürlich gehört zu solch einem exquisiten Gefährt auch die passende Verzierung nach dem Vorbild des Originals. Vom Union Jack über Kampfflugzeug-Abzeichen bis hin zum Pin-up-Girl steht eine ganze Palette von Motiven zur Auswahl.

MFK rätselte

Graf hat sich für den Einschussloch-Aufkleber entschieden: «Das hat für mich etwas von Old-Fashion, ganz im Al-Capone-Stil.» Überhaupt hat Graf ein Faible für die nostalgischen und altbewährten Dinge im Leben. Sei es bei einem jahrzehntelang fassgelagerten Whisky, einer gut gereiften Flasche Wein oder eben bei seinem – liebevoll «Alteisen» genannten – Oldtimernachbau. Im August 2012 war es dann endlich so weit und das lange ersehnte Schmuckstück fand seinen Weg über den Ärmelkanal. Das Modell von Graf war eines der ersten seiner Art in der Schweiz. So exotisch, dass man bei der Motorfahrzeugkontrolle zunächst rätselte, ob das Gefährt nun als Motorrad oder als Auto einzulösen sei.

Abschalten vom Alltag

Doch was macht nun die Faszination eines solchen Gefährts aus? «Es ist der Ausgleich zum Berufsalltag», erklärt Graf, seines Zeichens auch Ortsparteipräsident der FDP in Grenchen. Einfach losfahren und die Welt um sich herum für einige Stunden vergessen zu können – über die Jurapässe und manchmal bis tief ins französische Elsass hinein.

Das Handy ist nur pro forma als Begleiter dabei, denn Geschäftliches wird zu diesem Zeitpunkt nicht getätigt. Und auch die Familie weiss: Wenn der Threewheeler-Fan zu einer Spritztour loslegt, dann ist dies eine Fahrt ohne fixen Zeitrahmen. Die Begeisterung hinter dem Gefährt ist aber auch seine Exklusivität.

Etwas zu besitzen, was man nicht jeden Tag auf der Strasse antrifft – ohne jedoch damit protzen zu müssen wie mit einem Sportschlitten: «Ein Ferrari oder ein Maserati wären definitiv nichts für mich», so Graf. Aber nicht nur die Fahrerei allein macht den Nervenkitzel aus. Wie bei jedem Fan eines motorisierten Gefährts, gehören auch für Graf die Pflege und die Wartung zum Gesamtpaket dazu.

Sei dies ein Kerzen- oder Ölwechsel oder das Putzen des Fahrzeugs. «Nach einer längeren Fahrt sieht es auf dem «Threewheeler» aus wie auf einem Mückenfriedhof», sagt Graf. Und auch heute, nach vier Jahren, ist die Faszination am Original nachempfundenen Nachbau noch genau so gross wie am ersten Tag, als Daniel Graf den Wagen in Empfang nahm.

Prototyp bereits 1909 gebaut

1909 baute Henry Frederick Stanley Morgan den ersten Prototypen des «Threewheelers». 1910 wurde das Gefährt dann auf der Londoner Fahrrad-und Motorradaustellung der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Zuerst nur als Einsitzer gedacht, wurde er schon bald mit zwei Sitzen ausgestattet. Nicht nur im Alltag erfreute sich das Fahrzeug schnell grosser Beliebtheit. Auch bei sogenannten Zuverlässigkeitsfahrten (Trials) und Hochgeschwindigkeitsrennen kam der «Threewheeler» zum Einsatz und erreichte ab 1930 Durchschnittsgeschwindigkeiten von bis zu 186 km/h.

Ab 1936 kämpfte der «Threewheeler» mit schrumpfenden Absatzzahlen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion im Familienbetrieb zwar noch weitergeführt, jedoch nur noch in geringen Stückzahlen. Anfang 1953 war dann endgültig Schluss für das Kultfahrzeug. Insgesamt ist das Gefährt rund 30 000 Mal verkauft worden. 2011 stellte Morgan Motors am Genfer Autosalon dann die moderne Neuauflage des Originals vor, welche seit 2012 auf dem Markt ist und ab diesem Jahr sogar in einer Variante mit Elektroantrieb zu Verfügung steht.