«Es war knapp», berichtet SVP-Gemeinderat Ivo von Büren. «Denn fast wäre hier ein grosses Ausbildungszentrum der Zeugen Jehovas entstanden.» Die nicht unumstrittene «Kirche» habe 600 000 Franken mehr für die ehemalige Technica-Liegenschaft geboten als er und damit den Zuschlag faktisch schon gehabt. Allein der Umstand, dass das Verfahren bis zum Baubeginn den Käufern zu lange gedauert hätte, habe diese dann doch zum Rückzug veranlasst, sodass im vergangenen August der Grenchner Garagist zum Zug kam. Er hat zu diesem Zweck zusammen mit Urs Erb die Lambert Immobilien AG gegründet.

Seither habe er in die Liegenschaft der ehemaligen Maschinenfabrik Lambert unweit des Fussballstadions rund 2 Millionen investiert. Zurzeit wird vor allem an der Ostseite, im ehemaligen Bürotrakt, noch eifrig gearbeitet. Dort wird nämlich der künftige Ankermieter untergebracht, die Treuhandfirma Strasser. Sie wird in etwa drei Monaten, wenn alles fertig ist, den ganzen Bürotrakt der 80 Meter langen Fabrik belegen. Heute noch an der Bündengasse angesiedelt, brauche die Firma mehr Platz und habe diesen an der Sportstrasse gefunden.

Büros, Gewerbe, Wohnungen

«Die Liegenschaft hat drei verschiedene Nutzungen», erläutert von Büren. Im Westteil, der ursprünglich industriell genutzt wurde, befinden sich geheizte Garagenplätze für grössere Fahrzeuge (Trailer, Lieferwagen etc.) sowie Räume für Gewerbebetriebe. Dafür wurde die ehemalige Beladungsrampe aufgefüllt und planiert sowie zusätzliche Eingangstore angebracht. Als dritte Nutzung werden im ersten Stock zwei einfache Wohnungen renoviert. «Mir ist es wichtig, dass hier jemand wohnt», meint von Büren. Dies, weil die Liegenschaft in einer Zone ist, die am Wochenende ziemlich verlassen ist und dies mitunter unliebsame Besucher anziehen könne.

Als Architekt des gegenwärtigen Umbaus amtet Daniel Zumbach von der Firma M9 (Grenchen). «Ausser der Fassade, die bei diesem langen und flachen Gebäude relativ wenig Fläche hat, entspricht der Umbau praktisch dem Minergie-Standard», erläutert Zumbach. Die Wärme wird vom Wärmeverbund BBZ bezogen. Von Büren betont seinerseits, dass er für den Ausbau – mit Ausnahme einer Spezialfirma für eingeblasene Isolationen – ausschliesslich mit Grenchner Gewerbe für den Umbau zusammenarbeite.

Was passiert mit dem Land?

Auf der Nordseite des Gebäudes befindet sich noch ein grösseres unbebautes Grundstück, das von Büren ebenfalls erworben hat. Was er konkret damit vorhat, will er noch nicht kommunizieren. Er lässt aber durchblicken, dass «Gewerberäume sehr gefragt» seien. So sei die mehrere 1000 Quadratmeter grosse Technica-Liegenschaft bis auf eine Ecke bereits voll vermietet.

Die alte Lambert-Fabrik hat eine bewegte Geschichte. Sie wurde in den 1930er-Jahren vom gleichnamigen Industriellen gebaut, der Maschinen für die Uhrenindustrie herstellte. Der Patron kam bei einem Autounfall ums Leben und die Firma wurde letztlich von der SMH (später Swatch Group) übernommen. 1941 wurde eine Nachfolgefirma namens Technica gegründet. Später trennte sich die Swatch Group von Technica.

Bürgschaft nützte nichts

Im Zuge der Finanzkrise geriet die Firma in Schwierigkeiten und ging schliesslich im Februar 2013 in Konkurs. Da half auch ein Kredit der Stadt nicht. Diese hatte 2009 ein Bürgschaftsinstrument für «Firmen in Liquiditätsengpässen» geschaffen. 100 000 Fr. stellte die Stadt für solche Zwecke zur Verfügung. Doch die Hilfe nützte in diesem Fall nichts mehr. Im Rahmen der Beantwortung einer Interpellation der SP-Fraktion im Jahr 2013 wurde der Verlust für die öffentliche Hand auf rund 40 000 Franken beziffert.