Abgerissene Velolampen und Einkaufskörbe, verbogene Lenker, zertrümmerte Rücklichter, aufgeschlitzte Velopneus – nur einige Schäden, mit denen Velofahrer, die ihren Drahtesel am Bahnhof abstellen, zu kämpfen haben. Dabei ist der Sachschaden am Fahrrad eigentlich noch das kleinere Übel: Über 40 gestohlene Velos wurden der Polizei in diesem Jahr bereits gemeldet – das sind mehr als eines jede Woche.

Umfrage zur Velosicherheit am Bahnhof Grenchen

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Nicht eingerechnet sind die vielen nicht angezeigten Diebstähle und Sachbeschädigungen. Die Probleme konzentrieren sich am Bahnhof Süd. Die Veloständer sind hinter Büschen «versteckt», unbeleuchtet, unbewacht. Obwohl eine Bahnhofsumgestaltung politisch schon Thema war, wurde sie wieder auf Eis gelegt. «Jede Woche kommen zwei bis drei Leute mit kaputten Velos in meinen Laden», bestätigt Toni Roggo vom Fachgeschäft «hyperspace».

Seit vielen Jahren sei das schon so, weshalb viele Personen ein extra Bahnhofvelo haben – ein billiges Rostgestell, das für Diebe oder Vandalen nicht attraktiv ist. «Es kann doch nicht sein, dass man ein zweites oder drittes Fahrrad braucht», meint Roggo, «nur, weil das bessere, teurere am Bahnhof nicht sicher ist.» Vielfach seien Bahnhofvelos ungewartet, alt und sogar gefährlich.

Eine «Velo-unfreundliche» Stadt

Zwei Frauen, die den Vandalismus hautnah miterlebt haben, sind Clarissa Lack aus Bettlach und Barbara Zambetti aus Grenchen. Das Mofa der 17-jährigen Clarissa wurde schon am Bahnhof Bettlach geplündert, später kaufte sie sich für 200 Franken ein Bahnhofvelo. «Ich wollte einfach kein Risiko mehr eingehen.» Wegen ihres Schul- und Nebenjobwechsels muss sie künftig über Grenchen Süd pendeln. Eigentlich wollte sie sich zum Schulwechsel ein lang ersehntes Citybike kaufen. «Das mache ich jetzt aber nicht», erklärt sie, «denn in Grenchen würde das sofort gestohlen.»

Doch Velos sind in Grenchen besonders wichtig, ergänzt Leidensgenossin Barbara Zambetti, es gebe nämlich Quartiere mit Buslinien, die keinen guten Anschluss an die Bahn hätten. «Die Stadt Grenchen ist einfach nicht velofreundlich», sagt sie enttäuscht. Auch ihr Fahrrad wurde vor kurzem demoliert. Deshalb hat sie Anzeige erstattet. «Seit der Bahnhofladen abends bis 22 Uhr geöffnet hat, ist die Situation noch schlimmer geworden, weil mehr, auch alkoholisierte Leute am Südbahnhof rumlungern.»

Barbara Zambetti und Clarissa Lack würden sich wünschen, dass endlich etwas geschieht, mit einer bewachten Velostation, Veloboxen oder wenigstens neuen, moderneren Ständern. Zambetti findet, die gegenwärtige Situation sei für eine Stadt beschämend. «Grenchen hat für alles Geld, für grosse Renovationen oder einen Kunstrasen, nur für die Pendler und Velofahrer nicht.»

Gemäss der Stadtpolizei werden Fahrräder manchmal gar professionell zum Weiterverkauf abtransportiert. «Die Dunkelziffer im Bereich Diebstahl und Sachbeschädigungen ist gross», sagt der stellvertretende Kommandant Hugo Kohler. «Aus fachlicher Sicht wäre es sinnvoll, die Unterstände sichtbarer zu machen.»

Hauptsache, wieder sicher

«Vorsintflutlich, miserabel und übel», sei die Situation, sagt auch Peter Moll vom Velogeschäft «Velo Süd» beim Bahnhof. Jede Woche kämen Leute vorbei, denen das Velo beschädigt worden sei. Er würde sich eine bewachte Velostation wie in Solothurn wünschen. «Überall sind solche Lösungen möglich, warum nicht auch bei uns?» Toni Roggo von «hyperspace» würde abschliessbare Veloboxen bevorzugen, damit auch das Velozubehör sicher weggeschlossen werden kann. So oder so, sind sich Fachhändler und Kunden einig, müsse etwas gehen. «Das System ist letztlich relativ egal», bringt es Peter Moll auf den Punkt. «Hauptsache, Velos, Mofas und Roller sind sicher.»

Deshalb haben die Velohändler nun gemeinsam ein Protestschreiben ans Stadtpräsidium verfasst. Verschiedene Massnahmen sollen geprüft und umgesetzt werden. Auch innerhalb der Behörden kommt offenbar wieder etwas ins Rollen (vgl. Kontext). Dennoch sieht es nicht danach aus, als ob sich die Velosituation am Südbahnhof in absehbarer Zeit bessern würde.