Das KMU mit 60 Angestellten gehört zum weltweit tätigen bec-Konzern mit Sitz in Neckarsulm (Deutschland). In Grenchen werden Teile für Steckverbindungen hergestellt, die in professionellen Installationen zu Einsatz kommen. Der Décolletage-Betrieb hat laut Geschäftsführer Peter Kilchenmann einen jährlichen Stromverbrauch von
2,5 bis 3 Gigawattstunden; Energie ist also ein wesentlicher Produktionsfaktor und hat einen entsprechenden Preis. «Um wettbewerbsfähig zu bleiben und die Wachstumsziele erreichen zu können, müssen wir die Kosten für Energie gut im Auge behalten und wenn möglich reduzieren», so Kilchenmann. So habe man bereits in Gas-Wärmepumpen für Heizung und Kühlung investiert.

Skepsis überwunden

Ein weiterer Schritt wurde im vergangenen August gemacht. Mit einem von Grenchen aus vertriebenen Produkt, das in Italien hergestellt wird. Die Stromspar-Geräte der vor vier Jahren gegründeten Firma Livarsa haben nach anfänglicher Skepsis der potenziellen Anwender den Durchbruch geschafft. «Wir konnten inzwischen 120 Geräte installieren und sind inzwischen auch in Deutschland und Österreich aktiv», erklärt Firmeninhaber Salvi Donato.

Speziell an der Installation in der Industriezone Grenchen sind aber gleich zwei Dinge: Einerseits konnte die Anlage direkt in der Trafostation noch vor der Zählereinrichtung montiert werden, unter anderem dank einer Bewilligung des eidgenössischen Starkstrominspektorates; anderseits hat die SWG zu einer Contracting-Lösung für die Investition im Umfang von rund
100 000 Franken Hand geboten. «Das war für uns entscheidend», meint bec-Chef Kilchenmann. Denn die vom Verwaltungsrat verlangte Abschreibungsfrist hätte nicht wirklich genügt, um das Gerät rechtzeitig zu amortisieren.

In Grenchen nicht neu

Dass es sich aber rechnet, ist für Kilchenmann klar. Das hätten auch verschiedene Installationen in der Industrie gezeigt. In Grenchen hat schon die Galvanikfirma Vuilleumier in die Technologie investiert sowie die bei bec direkt benachbarte Firma Rotoflex. In der Stadt wurden auch in zwei Schulhäusern entsprechende Installationen gemacht.

Die Stromersparnis wird im Wesentlichen durch zwei Komponenten ermöglicht. Einerseits wird die Stromspannung reduziert auf 217 Volt oder soweit es die angeschlossenen Verbraucher technisch zulassen, anderseits werden Oberwellen herausgefiltert und damit der Stromfluss geglättet. Verluste durch Wärme werden damit verkleinert. «Je nach angeschlossenen Geräten sind Stromeinsparungen von 4 bis sieben Prozent, in Einzelfällen noch mehr, nachgewiesen», sagt Donato. Auch würden umgekehrte Beeinflussungen des Netzes durch die angeschlossenen Geräte herausgefiltert.

Passt zur Energiestrategie

Hat die SWG denn überhaupt ein Interesse daran, dass sie weniger Strom verkaufen kann? «In unseren Statuten steht explizit, dass wir haushälterisch mit der Energie umzugehen haben. Das deckt sich voll und ganz mit der von der Politik gewählten Energiestrategie», meint SWG-Chef Per Just. Diese werde ohnehin dazu führen, dass der Stromverbrauch ansteigt, beispielsweise durch den Einsatz von Wärmepumpen oder durch den vermehrten Einsatz von Strom für die Mobilität (Elektroautos). Die Bereitstellung von genügend erneuerbarer Energie in der Zukunft sei eine Herausforderung. Da sei es nur zu begrüssen, zuerst einmal beim Verbrauch anzusetzen, so der SWG-Chef.

Salvi Donato seinerseits geht davon aus, dass er vermehrt mit Energieversorgungsunternehmen ins Geschäft kommen kann. «Sie können nicht mehr nur einfach Strom verkaufen, sondern müssen vermehrt auf Energie-Dienstleistungen setzen. Dazu gehört auch das Ausschöpfen aller Möglichkeiten, Strom zu sparen.» Gerade das Contracting, das die SWG auch in anderen Bereichen einsetzt, sei für KMU eine ideale Möglichkeit, Investitionen in die Energiezukunft sofort zu rentabilisieren.

Umsatz verdoppeln

Auch die Binder Electronic Components AG rechnet mit einem weiteren Wachstum. Das global tätige Unternehmen mit 1600 Beschäftigten hat sich vorgenommen, den Umsatz bis 2025 auf 200 Millionen Euro zu verdoppeln. Auch das Werk Grenchen will einen Wachstumsbeitrag leisten und laut Kilchenmann hat die seit 1979 in Grenchen ansässige Firma auch schon das nächste Ausbauprojekt ins Auge gefasst. Man sehe gute Marktchancen für hochwertige Steckerverbindungen für industrielle oder wetterfeste Anwendungen; oder auch für medizinische Einrichtungen. «In diesem Sinne werden wir wohl in Zukunft insgesamt mehr Strom verbrauchen als heute. Doch das Wachstum wird hoffentlich weniger Stark zu Buche schlagen», meint Peter Kilchenmann.