Ehrentreppe Grenchen
Der Stadtvater, der Grenchen in die Moderne führte

Personen auf der Grenchner Ehrentreppe (2): Adolf Furrer (1898–1978), Stadtpräsident und Nationalrat.

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Adolf Furrer, Stadtammann von Grenchen

Adolf Furrer, Stadtammann von Grenchen

Sammlung Rainer W. Walter

Adolf Furrer war von 1933 bis 1960 Stadtpräsident von Grenchen, damals sprach man noch von Stadt- oder Gemeindeammann. Er reiht sich in die Liste der sozialdemokratischen Stadtväter, welche die Arbeiterstadt Grenchen während über 100 Jahren prägten. Unter Furrer wurden grosse Infrastrukturprojekte realisiert: Der Bau des Parktheaters, des Bahnhofs Süd und des Grenchner Spitals fielen in seine Amtszeit.

Adolf Furrer wurde 1897 in Derendingen geboren. Nach seiner Schulzeit entschied sich Furrer für den Besuch des Lehrerseminars in Solothurn, und nach Abschluss seiner Ausbildung wurde Furrer als erster Sozialdemokrat zum Lehrer in Grenchen gewählt. Dort erarbeitete er sich einen ausgezeichneten Ruf als Pädagoge. Als der Grenchner Gemeindeammann Arthur Stämpfli 1933 überraschend verstarb, konnte Furrer ohne grossen Wahlkampf in das Amt nachrücken. Er übernahm die Führung der Gemeinde in einer wirtschaftlich angespannten Zeit: Die Folgen der Weltwirtschaftskrise waren deutlich zu spüren und die Arbeitslosigkeit dementsprechend hoch, sodass die Gemeinde mehrere Arbeitsbeschaffungsprojekte organisieren musste.

Nationalrat und ausserdem Ehrenbürger von Genua

Ausserdem war es Furrers Aufgabe, die Gemeindefinanzen zu stabilisieren, was ihm bis 1943 gelang. Zusätzlich zu seinem Amt als Gemeindeammann sass Furrer ab 1937 im Kantonsrat und zwischen 1935 und 1963, also während 28 Jahren, im Nationalrat. Dem wirtschaftlichen Aufschwung während der Kriegsjahre stand Furrer skeptisch gegenüber. Er kritisierte, dass der Wohlstand auf Kriegsgeschäften beruhe. Nach 1945 boomte die Wirtschaft allerdings weiter und die Stadt Grenchen wuchs rasch an. Als Nationalrat war er an der Ausarbeitung der Alters- und Invalidenrente und des Uhrenstatuts beteiligt.

Zudem knüpfte er nach dem Krieg freundschaftliche Bande mit Genua, der Heimatstadt Giuseppe Mazzinis, und wurde 1953 ihr Ehrenbürger. 1960 trat er aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Gemeindeammann zurück. 1978 verstarb Furrer während eines Aufenthalts bei seinem Sohn in Caracas (Venezuela). Heute erinnert die Adolf-Furrer-Strasse in Grenchen an den beliebten Politiker, der ausserdem 1975 von Grenchen mit dem Kulturpreis geehrt worden war.

«Realistischer Träumer»

«Man wird Adolf Furrer und seinem Wesen vor allem dann gerecht werden können, wenn man sein Theaterstück ‹Höhenluft› gelesen hat und die Welt der Elfen, Zwerge und des Fauns, in der das kranke Waisenkind Gretchen wieder gesund werden konnte, versteht», schreibt Rainer W. Walter auf dem Grenchner Stadtwiki. «Höhenluft» war für Adolf Furrer starke Parabel unter anderem für die Bedeutung des Grenchner Ferienheims in Prägelz (wo er selber mit seiner Frau Johanna zahlreiche Ferienlager leitete) und für eine Gesellschaft, in der der Stärkere für den Schwächeren Verantwortung zu übernehmen hat. Als er 1960 von seinem Amt zurückgetreten war, fand man zwischen Gesetzesbüchern und Anleitungen für das öffentliche Management unauffällig verschiedene Märchenbücher. Adolf Furrer, der aufgeklärte Feingeist, liebte Märchen und holte sich bei ihnen wahrscheinlich zu einem Teil die visionäre Weite und die menschliche Tiefe, die sein Denken und Handeln auszeichnete. (at.)

Quellen

Stadtwiki Grenchen; Moser, Salome: 100 Jahre sozialdemokratische Stadtammänner in Grenchen, Grenchen 1999