Bettle Gwösch
Der rappende Migrantenbär zupft die Lachsaiten

Das Gwösch ist eine Fasnachtstradition. Der Anlass vereint den Witz mit der Poesie. Wie das Gwösch-Team es schafft, das Publikum Jahr für Jahr auf höchstem Niveau zu unterhalten, ist das bestgehütete Geheimnis von Bettlach.

Daniela Deck
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Zauberer Ron Bertolla
24 Bilder
Zauberer Ron Bertolla
Thomas Christen und Ramon Zumstein
Thomas Christen (rechts) und Ramon Zumstein nehmen «Superpolitiker» Heinz Strub in die Mangel.
Thomas Christen und Ramon Zumstein
Thomas Christen und Ramon Zumstein
Roman Weber
Roman Weber
Philipp Schluep
Philipp Schluep
Bettle Gwösch 2015
Michu Gerber
Immer wieder eine Klasse für sich: Marco Christen.
Krachwanzen
Krachwanzen
Krachwanzen
Krachwanzen
Krachwanzen
Evi Christen und Fränzi Lanz
Evi Christen und Fränzi Lanz
Evi Christen und Fränzi Lanz
Evi Christen und Fränzi Lanz

Zauberer Ron Bertolla

Hanspeter Bärtschi

Die Neuheiten diesmal: Michael Gerber als rappender Migrantenbär und eine im Bündnerland geklaute, aber nicht minder stimmige Moderation.

Wie verschmilzt ein rumänischer Bär am besten mit dem Lokalkolorit in Grenchen? Er besorgt sich eine Trainerhose, legt seine Seifenkiste tiefer und tunt den Motor so auffällig wie möglich – im Fall von Michael Gerber mit einer Ukulele. Der Grenchner mit seinem Rap ist die Entdeckung des Abends auf der Büelenbühne. Mit seinen Saiteninstrumenten spielt der Alleinunterhalter auf dem Publikum wie auf einem Lachsalven-Orchester.

Bemerkenswert an der zwölfminütigen Show: Die Botschaft ist positiv. Währungskrise – nie gesehen, Stress – unnötig, Zukunftsangst – Hoffnung bringt mehr. Damit beweist Gerber den Mut, das Patentrezept der Spassmacher links liegen zu lassen, das besagt, dass Lacher in dem Mass zunehmen, in dem über ein Sujet hergezogen wird.

In bester Fasnachtstradition gereimt, setzt Altmeister Marco Christen alias Copin ebenso treffsicher den Kontrapunkt. «Früecher isch alls besser gsi», trauert der abgehalfterte Clown seinem Nokia-Handy nach. So ausgerüstet wäre ein bestimmter Badener Politiker nie in die Selfie-Falle getappt. Geri Müller muss auch für die Misere des PR-Büros Johnnie Walker und Jack Daniel’s (Thomas Christen und Ramon Zumstein) herhalten. Dass die selbst ernannten Skandalfabrikanten sich blamieren, indem sie auf einem nicht angeschlossenen Telefon ein Gespräch bluffen, kann aber nicht dem Selfieman angelastet werden.

Wunderschön setzen Fränzi Lanz und Evi Christen die Weissensteinbahn in Szene. Als Defätist Klaus bemüht sich die eine vergeblich, die Begeisterung der andern (Gondeli-Fan Rolf) zu untergraben. Als die zwei auf der Suche nach heisser Schoggi selbst im Kartonhäuschen abfahren, kennt der Jubel kaum Grenzen.

Der Hunderter in der Orange

Roman Weber feiert Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut mit einer Kupplershow. Dass sie aus Helium verbrämten Stimmen zielsicher ihren Ehemann herauspickt, amüsiert nicht zuletzt dessen Rivalen. Vujo (Jürg Probst) zieht gekonnt den Bachelor durch den Kakao, und die Hilari Schnibako Mäucher aus Grenchen dürfen feststellen, dass ihre Schnitzelbänke auch in Bettlach willkommen sind, wenn auch nicht als «Entwicklungshilfe». Philipp Schluep, des Amtes als Gwösch-Moderator ledig, fährt mit der Parodie eines St. Galler Nachbarschaftsstreits einen sicheren Erfolg ein.

Souverän auch der Auftritt von Zauberer Ron Bertolla. Inzwischen flirtet er so gekonnt mit dem Publikum, dass man ihm den ganzen Abend zusehen möchte. Doch der Banane, die er anstelle eines Bandanas faltet, würde das nicht gut bekommen. Das Mysterium, wie er eine signierte Hunderternote in eine Orange trickst, liefert den hauptsächlichen Gesprächsstoff für die Pause.

Mit den Krachwanzen auf hoher See

Für die Moderation adoptiert das Gwösch die Bündner Steinböcke. Eine neue Tonspur fürs Video, und der Spass ist perfekt. Doch was wäre das Gwösch ohne Krachwanzä? Diesmal haben sie auf See angeheuert, und beim ersten Auftritt dürfte das Meer spiegelglatt gewesen sein. Umso höher gehen die Wogen nach der Pause. Von der Gugge bis zum Finale der faulen Jäger (Marco Christen und Philipp Schluep): Die Strategie, weniger und längere Nummern zu bringen, ist aufgegangen.

Vorverkauf zahlt sich aus

Dank der Unterstützung der Dorfbäckerei konnten sich die Gwösch-Liebhaber ihren Platz samt Abendessen erstmals im Vorfeld sichern, statt sich an der Abendkasse um Plätze zu drängeln. Während bisher kurz vor dem Auftakt nur gekippte Stühle einen Teil der Zuschauer ankündigten, sass das halbe Dorf nun vereint beim Znacht. Bereits kurz nach 19 Uhr war die Büelenhalle praktisch voll. Namens des GwöschTeams äusserte sich Thomas Christen hoch zufrieden mit dem Erfolg der Neuerung: «Wir konnten 100 Menüs mehr verkaufen als letztes Jahr. Das ist besser für die Stimmung und natürlich auch für die Wirtschaft der Vereine.»