Im November. Pünktlich mit der Umstellung der Uhren auf die Winterzeit traf auch der lang ersehnte Regen in Grenchen ein und setzte der monatelangen Trockenheit ein vorläufiges Ende. Beim Gang durch unseren Garten meinte ich ein Aufatmen der Bäume zu spüren, sie dehnten und reckten sich wohlig und liessen von fast einem Augenblick auf den anderen ihre Blätter fallen. «Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr», schreibt Rilke. Beim Gang durch die Quartiere Grenchens treffe ich in dieser herbstlichen, fast schon winterlichen Zeit auf besonders viele Menschen, die ihren Garten, ihren Balkon winterfest machen. Laub wird zusammengewischt, die heiklen Pflanzen ins Warme geholt, die Gartenmöbel zugedeckt. Und manch einer, der im vergangenen, schier endlosen Sommer fassungslos seinen braun gewordenen Rasen betrachtete, kann nun hoffen, dass der nächste Sommer ab und zu auch Regen bereithalten möge. Gespräche über den Gartenzaun sind mir wichtig, und so manches Gartentürli öffnet sich ganz unverhofft und manchmal gibt’s Kaffee! Ja, es war ein grosser Sommer der grossen Feste, die allesamt in bester Erinnerung bleiben und mit der Kürbisnacht ihren gelungenen Abschluss gefunden haben.

Nun freuen wir uns auf gemütliche Abende entweder zu Hause bei Kerzenlicht, einem Nachtessen mit Freunden, auf einen Theaterbesuch, auf spannende Bücher verbunden mit einem Besuch in der Stadtbibliothek. Grenchen schläft auch im Winter nicht, es wird bloss ruhiger, zieht sich zurück, um neue Kräfte zu bündeln für das kommende Jahr. Ich bewundere diejenigen, die ihren Unternehmungsgeist, ihre Ideen und Visionen für unsere Stadt aufbringen und diese mit uns teilen. Auch wenn wir nicht alles gut finden, was geredet und getan wird, so bin ich immer wieder froh, von neuen Impulsen angeregt zu werden und diese auch mit den verschiedensten Menschen diskutieren zu können.

Wenn ich vom November spreche, so denke ich auch an den Grenchner Friedhof, der an Allerheiligen wieder von unzähligen Kerzenlichtern erhellt war, und wenn ich den Friedhof besuche, so denke ich zwar sehr wohl an die bemessene Zeit, die uns allen im Leben bleibt. Vor allem aber wird mir bewusst, dass es sich lohnt, diese Zeit zu nutzen, und zwar jede Minute, jede Stunde, jeden Tag. Ich bin dankbar, dass ich an einem Ort wohne, wo man auch kritisch sein darf, ohne Repression befürchten zu müssen, und der viele Möglichkeiten offen hält. Beispielsweise auch wieder einmal das Herbstgedicht von Rilke lesen.