Im Jahr 1386 brannte Büren fast vollständig nieder. Grund war laut geschichtlicher Überlieferung Brandstiftung. Angeblich soll ein Jude namens Leopold Bumsel für die Tat veranwortlich sein, ein Verräter, der erst nach langer Suche gefasst und zum Tode verurteilt wurde. Weil er aber zunächst nicht verhaftet werden konnte, wurde er im Abwesenheitsverfahren dazu verurteilt «nie selig» zu werden, daher der Name «Nimmerselig». Er wurde damals an der Chesslete gesucht und gejagt. Das Urteil wurde angeblich am Abend des 1. Januar durch Verbrennen vollzogen.

Dichtung oder Wahrheit?

Im Jahre 1388 zogen die Berner, verstärkt durch einen Zuzug aus Solothurn nach Büren, um den österreichischen Besatzungstruppen und den Söldnern der Besatzer, welche das umliegende Land verwüsteten und die Bevölkerung malträtierten, einen Denkzettel zu verpassen. Das Städtchen Büren war ja zwei Jahre zuvor bis auf die Grundmauern abgebrannt und inzwischen wieder neu aus Holz aufgebaut worden. Die Truppen aus Bern hatten nicht vor, bei ihrem Feldzug, das neu errichtete Städtchen anzugreifen, sondern versuchten vielmehr, die feindlichen Besatzungstruppen hinauszulocken, um sie auf offenem Feld zu schlagen.

Doch ein heftiger Wind trug einige der abgeschossenen Brandpfeile über die Befestigungen der Stadt und steckte die neuen Holzhäuser wiederum in Brand. So jedenfalls berichtet der Stadtschreiber und Chronist von Bern, Conrad Justinger (geboren vor 1370, gestorben 1438 in Zürich) in seinen Aufzeichnungen. Anzumerken ist an dieser Stelle jedoch, dass gemäss neuesten Forschungen selbst die Existenz dieses Chronisten angezweifelt wird. Man nimmt an, dass Michael und sein Sohn Hieronymus Stettler, angebliche Fälscher der Berner Chroniken und bekennende Judenhasser, die Ereignisse um die Jahre 1750 «erfunden» haben. Denn von Justingers Werk sind nur handschriftliche Überlieferungen anderer Autoren vorhanden. Fest steht aber, dass die Berner die Schlacht gewannen und den Österreichern empfindliche Verluste zufügten. Aber Büren war erneut grösstenteils ein Raub der Flammen geworden.

Kein Böögg wie anderswo

Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts feierte die Bürener Bevölkerung mit Umzügen und Strassenjubel das Büre Nöijohr, und hier tauchte erstmals der sagenumwobene «Nimmerselig» auf. Es handelt sich am Büre Nöijohr also nicht um einen Bögg im Sinne der Solothurner, Grenchner, Bözinger Fasnacht oder dem Sechseläuten von Zürich, welche den Winter vertreiben sollen, sondern um eine historische Figur, deren Existenz allerdings nirgends definitiv verbrieft ist. Denn selbst der Geschichtsforschung gelang es offensichtlich nicht, endgültig festzulegen, ob in Büren mit dem Verbrennen des Nimmerselig der Urheber des Brandes von 1386 oder der Sieg der Berner über die Österreicher 1388, bei dem durch Wind oder Verrat das Stedtli erneut abbrannte, gemeint ist.

In der heutigen Zeit wird eine dem Nimmerselig nachgebildete Statue jeweils am 11. 11. zum Auftakt des Büre Nöijohr aus der Nische im Rathauskeller befreit und bleibt in den närrischen Tagen im Besitz der Türmliwiler Zunft, um dann wieder für den Rest des Jahres im Verlies zu verschwinden. So ist der Nimmerselig zur eigentlichen Hauptfigur des Büre Nöijohr geworden.

Vom Feuer verzehrt

Auch am Abend des 2. Januar 2013 stand der Nimmerselig wieder im fahlen Licht der Strassenlaternen. Als die nahe Turmuhr die sechste Stunde verkündete, züngelten die ersten Flammen hoch, der Nimmerselig 2013 ging in Rauch und Flammen auf. Zurück blieb ein Häufchen Asche, doch die Guggenmusiken und einzelne Masken, wie auch die Schnitzelbänkler starteten zu ihren letzten Auftritten bis gegen Mitternacht. Dann hielt der Alltag in Büren wieder Einzug.

Quellen: Die Berner Chronik des Conrad Justinger, herausgegeben von Dr. G. Studer, Bern 1871, Seite 212, Kapitel 269 ff. Christoph Pfister, Die Ursprünge Berns, Materialien für eine Neubetrachtung, Bern 2008 / 2012