Bau-Geschichte
Der Nidau-Büren-Kanal, sein Bau, seine Folgen

Auf Einladung der Museumsgesellschaft referierte Rudolf Käser, Präsident der Heimatpflege Büren, über die erste Juragewässerkorrektion, wobei er sich insbesondere auf den Bau des 12 Kilometer langen Nidau-Büren-Kanal (1868-1891) konzentrierte. Der ausgewiesene Spezialist (Ingenieur und Raumplaner) überzeugte dabei im Kultur-Historischen Museum nicht nur mit Fachwissen, sondern verstand es, mit Geschichte(n), Anekdoten und Bildmaterial in das 19. Jahrhundert einzutauchen.

André Weyermann
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Rudolf Käser 1 (1)

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André Weyermann

Zur Vorgeschichte: Seit dem 16. Jahrhundert häuften sich die Überschwemmungen im Seeland und den angrenzenden Gebieten. Schuld daran war einerseits die Aare, welche mit ihrem Geschiebe den Abfluss aus dem Bielersee hemmte, andererseits aber auch der Mensch mit seinen zunehmenden Waldrodungen in den Voralpen (Erosion). Zu Beginn und gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Situation immer bedrohlicher. Politische Ränkespiele (Konservative gegen Radikale) verhinderte vorerst ein konzertiertes Vorgehen.

Erst als der junge Bundesstaat eingriff, ging es vorwärts und ein überarbeitetes Projekt des Ingenieurs Richard La Nicca kam zur Ausführung. Laut Rudolf Käser sei aber insbesondere die Wahl von Gustav Bridel zum Oberingenieur 1868 ein entscheidendes Kriterium gewesen, dass das Grossunternehmen so richtig Fahrt aufnahm. Das alte Rathaus Nidau wurde Sitz der technischen Leitung, eine Werkstatt (die bis 2017 noch bestand) wurde eingerichtet, neue Baumaschinen sollten zum Einsatz kommen. Diese waren während des Baus des Suez-Kanals entwickelt worden und dank den guten Kontakten Bridels konnten Maschinen aus Frankreich in die Schweiz geholt werden. Diese revolutionierten die Bauwirtschaft, allerdings war trotzdem noch viel Manpower gefragt. Insbesondere bei den sogenannten Leitkanälen, dort wo kein Gewässer zum Abtransport bereitstand, konnte man kaum auf die technischen Neuerungen zurückgreifen.

Die Bauzeit betrug mit 20 Jahren doppelt so lange wie angedacht, aber auch die Kosten verschlangen letztlich 20 Prozent mehr als veranschlagt. Abgerechnet wurden schliesslich 1891 5,77 Millionen (indexiert heute etwa 370 Millionen). Die Gründe dafür sind vielfältig. Brücken mussten gebaut werden, Ufersicherungen und Schleusenwehren (insbesondere bei Port), um der Wassermassen Herr zu werden. Dazu führte der französisch-deutsche Krieg zu gestiegenen Energiekosten. Viele Grundeigentümer (Bauern) gerieten in Bedrängnis, weil sie die relativ hohen auferlegten Lasten nicht zahlen konnten. Dafür verdankte die Ziegelei Büren ihr Entstehen dem lehmhaltigen Material, welches beim Bau des Kanals zutage gefördert wurde.

Auch die den Arbeiten geschuldete Seespiegelabsenkung zeitigte verschiedene Folgen. Einerseits wurden Seeufer unstabil und brachte Gemeinden in ungemütliche Lagen, andererseits legte sie an Neuenburger- und Bielersee Überreste von prähistorischen Seeufersiedlungen frei.

Und noch eines: Der Landgewinn am Bielersee von 4,5 Quadratkilometern wurde zum Preis von 10 Rappen pro Quadratmeter verhökert. Ob das die heutigen Villenbesitzer am See wissen?