Obwohl dieser eine spezielle Gehhilfe und eine Krankenschwester zur Seite hatte, bereute er seine Umzugsteilnahme: Mit «Ig hätt's nüme sölle mache, äs isch viel z'asträngend» beendete er seine Karriere als Obernarr.

Den Auftakt des diesjährigen Grenchner Fasnachtsumzugs machten die Schnabuwetzer aus Selzach. Sie eröffneten auch den Reigen der Jubilare. «Happy Birdday» lautete ihr Motto, angeführt von einem farbenprächtigen Ballonfahrzeug «30 Johr Schnabuwetz-Air» und der imposanten Gugge.

«Schlumpfomania» herrschte mit der Wiiiber-Zunft, wo der böse Hexenmeister Phippu Vogelsang alias Gargamel hinter den Schlümpfen her war und sie packen wollte. Von Bettlach kam die MUKI-Gruppe, alle Narren als Indianer verkleidet.

Mit «Scho ghört?» führten Dominick Hirsch als Angela Merkel und Kurt Seematter als Barack Obama den Lauschangriff der Luna-Zunft an. «Wir können alles abhören mit unserer Stratosphären-Antenne, welche wir hinten auf dem Wagen haben».

40-Jahre Luna-Zunft, man wisse alles, man höre immer noch zu. «Ohre wienä Morä, vo hinge und vo vore» oder «Phone und maile, zum vergeile» waren die träfen Sprüche, welche sie zum NSA-Abhörskandal beisteuerten.

Als Ritter verkleidet marschierten die Gäste aus Oberdorf, die Wüudbach Blosofoniker vorbei. «Näht mou chli die Häng ufe und klatsche» tönte es bei den Aare-Schnägge aus Selzach.

«Im Schnägge-Tempo düre Wüude-Weschte» führten sie einen gekonnten «Line-Dance» vor. Tanzbegeisterte aus dem Publikum konnten sich gleich anschliessen und ernteten viel Applaus.

Windräder fehlten nicht

Über 30 «Schuelschwänzer» sorgten mit ihren grellen Neonkostümen für Stimmung, bevor der mächtige Wagen «Gränche. Was süsch!?» der Hilari Zunft auftauchte. Angeführt wurde die über zwanzig Meter lange Komposition von drei Windrädern mit dem Konterfei von SWG-Direktor Per Just.

Mit verschiedenen Aufbauten wurde den Umzugsbesuchern gezeigt, was Grenchen alles zu bieten hat. Magier zauberten Kaninchen aus dem Hut, im Velodrome Suisse wurden Runden gedreht, ein Polit-Theater wurde aufgeführt und ein «Reschisseur» führte durch die Wohntage.

«50 Johr Hilari Narre, gäng no ä schönä Umzugswagä» und «üsi Stadt isch nid dernäbe, do lohnt sich's zi, do chamä läbä». Auch die Pistenbeleuchtung auf dem Grenchenberg und die Pistenverlängerung vom Flughafen wurden thematisiert.

Die Sauzfassnarre von Selzach waren «ufem Wäg i Schache». «Üsi Häftlinge chöi guet lache, jetz git's no Kunscht im Schache». Mit einer grossen Flasche «Dolce Perignon 2004» und einer überdimensionalen Geburtstagstorte feierte die Dolce Vita Zunft ihr zehnjähriges Bestehen. Als Geburtstagsgeschenke verkleidet verteilten sie Wein und Süssigkeiten.

Lautstarke Gäste aus dem Bernbiet

Offenbar in Anlehnung an unsere Olympiadelegation in Sotschi waren die Chessuriesser aus Wiler als «Russen» verkleidet. Mit Hammer und Sichel auf den Pauken und Sousafonen statteten die Bernbieter den Grenchnern einen lautstarken Besuch ab.

Wie jedes Jahr kam die Türmliwyler-Zunft aus Büren mit ihrer Konfetti-Gebläse-Kanone. Nachdem die Zuschauer zuerst rätselten, was der riesige Wagen soll, war danach alles klar. Die Zuschauer und die Strasse waren nämlich von Konfetti überschwemmt.

Mit einer riesigen Spiegel-Discokugel vorne auf dem Wagen, feierte die Froschzunft unter dem Motto «Black and Light» ihr 60-jähriges Bestehen. Auf dem prächtigen Wagen gab die Froschzunft-Musig mit Songs wie «Smoke on the Water» schmissigen Sound von sich.

Ganz viel Platz hatte es für Geldspenden auf dem Sammelwagen. VFZ-Schnurri DJ Horse animierte das Publikum zum Griff ins Portemonnaie, und die Amedisli-Girls sammelten die Spenden ein. Wie jedes Jahr sorgten die gegen vierzig Krachwanzä aus Bettlach, als Kreuzritter verkleidet, mit ihren mehrstimmigen Interpretationen von Ohrwürmern wie «Scharlachrot» für einen fasnächtlichen Ohrenschmaus.

Die Schwarzmeerfrösche aus Bellach bildeten die Schlussnummer des rund 75-minütigen Umzuges. Urs Rösselet amtete zum zehnten Mal als Umzugschef: «Für mich war es ein gelungener Umzug, und dem Publikum hat es offenbar auch gepasst.»

Das gute Wetter habe die Zuschauer dazu bewegt, an die frische Luft zu gehen. «Wir hatten heuer erstaunlich viele Jubiläen, aber es hätten ruhig wieder ein paar Nummern mehr sein können. Das ist ein bisschen schade.»