Grenchner Parktheater
«Der Name der Rose» war als Bühnenstück ein Volltreffer

Das Berliner Kriminaltheater gastierte mit «Der Name der Rose», einer Bühnenfassung des bekannten Romans von Umberto Eco, im Parktheater Grenchen.

André Weyermann
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Der erblindete ehemalige Bibliothekar Jorge von Burgos.

Der erblindete ehemalige Bibliothekar Jorge von Burgos.

Tina Dauwalder

Als Novize in der Obhut des Franziskaners William von Baskerville besucht der junge Adson von Melk Ende November 1327 eine italienische Benediktinerabtei. Dort sollen sich führende Köpfe des Franziskanerordens mit einer Gesandtschaft des Papstes treffen, um brisante theologische Fragen zu diskutieren.

Bevor es zu dem politisch-theologischen Treffen kommt, bittet der Abt des Klosters den für seinen Scharfsinn bekannten William, einen mysteriösen Todesfall aufzuklären, der sich unlängst im Kloster ereignete. Während Williams Arbeit an diesem Fall kommt es zu einer ganzen Mordserie, der insgesamt fünf Mönche innerhalb weniger Tage zum Opfer
fallen.

Die Handlung dürfte den meisten Zuschauern im Parktheater von Umberto Ecos genialem Roman oder von der Hollywood-Verfilmung her bekannt gewesen sein. Gespannt war man darauf, wie das Ganze als Bühnenstück funktionierte. Es funktionierte prächtig. Regisseur Wolfgang Rumpf hat die dramatisierte Vorlage von Claus J. Frankl noch einmal dahingehend verdichtet, dass vor allem die Mordserie im Mittelpunkt steht, während die theologischen und kirchenrhetorischen Abhandlungen der Romanvorlage etwas in den Hintergrund treten.

Spannung und Dynamik pur

Ein überdimensionales Buch als Hauptrelikt in der ansonsten kargen Ausstattung weist auf die Lösung hin. Im Laufe der Handlung wird schnell einmal klar, dass ein geheimes, verschollen geglaubtes Buch in der Bibliothek, der zweite Band der «Poetik» von Aristoteles, in der er sich mit der Komödie befasst, zu den mörderischen Vorkommnissen geführt haben muss. Dieses Buch wird nämlich ausgerechnet vom erblindeten ehemaligen Bibliothekar Jorge von Burgos, der sogar das Lachen als Gotteslästerung verinnerlicht hat, eifersüchtig bewacht und mit Gift versehen.

Die Stimme aus dem Off, in welcher zu Beginn Adson von Melk, nun in vorgeschrittenem Alter, auf die Geschehnisse dazumal zurückblickt, verspricht bereits Spannung, Und diese flaut auch über das ganze Stück hinweg nicht ab. Die kurz gehaltenen Sequenzen verleihen dem Stück eine zusätzliche Dynamik.

Und obwohl, wie gesagt, die Morde und die Detektivarbeit im Mittelpunkt stehen, erlauben es die vielfältigen Dialoge dem Zuschauer, auch in diese Welt im 14. Jahrhundert einzutauchen. Eine Welt voller Intrigen, innerkirchlichen Grabenkämpfen, in welcher die Folter (verkörpert durch den grausamen Inquisitor Bernard Von Gui) den dogmatischen Machtanspruch der päpstlichen Kirche sichern soll. Eine düstere, freudlose Welt, die einen strafenden Gott propagiert. Dieser Welt wird insbesondere durch Wilhelm von Baskerville, der scharfsinnig, aber auch mit einer gewissen Jovialität und Humor agiert, ein gewichtiger Antipode und auch Hoffnung entgegengestellt.

William und Adson können schliesslich den Mörder überführen, dieser steckt in seiner fanatischen Verblendung aber gleich die Bibliothek und mit ihr die ganze Abtei in Brand.

Das spielfreudige Berliner Kriminaltheater machte den Abend zu einem Bühnenvergnügen erster Güte für alle, ob sie nun das Stück gekannt haben oder nicht.