Sonnenfinsternis

«Der Mond ist einfach ein frecher Kerl»

Bei der Sternwarte auf dem Grenchenberg hatte man einen Logenplatz, um die Sonnenfinsternis mitzuverfolgen.

Kurz vor 9 Uhr morgens sind noch fast alle Parkplätze vor dem Restaurant Untergrenchenberg frei. Gleich vis-à-vis, vor der Sternwarte, ist man allerdings schon schwer beschäftigt, denn die Sternwarte Grenchen erwartet einen Ansturm von Besuchern auf dem Berg, die sich die partielle Sonnenfinsternis bei schönstem Wetter anschauen wollen.

Spezielle Brillen mit Schutzfolie werden bereitgelegt, welche nur einen Bruchteil des Sonnenlichts durchlassen und es ermöglichen, gefahrlos direkt in die Sonne zu schauen. Auch grössere Konstrukte mit derselben Folie sowie Filter, die man vor die Objektive halten kann, sind bereit und werden den Interessierten abgegeben.

Nach und nach füllen sich die Szenerie und der Parkplatz, die Eingetroffenen sind gespannt, was auf sie zukommt. Viele haben noch die Erinnerung an die letzte Sonnenfinsternis 1999 und werweissen, wie dunkel es diesmal sein wird, wenn rund 72 Prozent der Sonne vom Mond verdeckt werden.

Kurz nach 9.30 Uhr beginnt das Schauspiel: Am oberen rechten Rand der Sonne ist eine kleine Einbuchtung zu sehen, die langsam, sehr langsam, immer grösser wird. Über ein Spiegelteleskop wird das Bild auf eine Wand im Innern der Sternwarte projiziert und kann dort gefahrlos beobachtet werden.

Das Gedränge ist gross, die Platzverhältnisse eng, die Projektion beeindruckend. Mehr und mehr von der Sonne verschwindet, bis nur noch eine Sichel zu sehen ist. Rund 50 Personen sind inzwischen eingetroffen, der Parkplatz ist voll belegt.

Ebenfalls vor Ort die Grenchner Gemeinderäte Nicole Hirt und Remo Bill, beide mit Hund. «Eigentlich hätte die Stadt einen Bus auf den Berg organisieren sollen», meint die Grünliberale, und der SP-Parteipräsident stimmt ihr zu.

Fotos durch grosse Teleskope

Auf dem Dach sind derweil zwei der acht Mitglieder der Sternwarte, die sich für das Spektakel eingefunden haben, in Aktion: Hugo Jost und Franz Conrad, beides Amateur-Astronomen – «und nicht etwa Astrologen, wie es in einer anderen Zeitung geheissen hat», meint Jost schmunzelnd.

Sie haben Digitalkameras an die grossen Teleskope mit 1300mm und 1600mm Brennweite montiert und machen in regelmässigen Abständen Fotos.

Spezielle Filter lassen nur einen Teil der Lichtwellen durch, sodass ein schärferes Bild entsteht. Am Ende soll ein Film aus den Aufnahmen entstehen, auf dem man die Bewegung des Mondes vor der Sonne sehen kann.

Gleichzeitig notiert Conrad die Lichtmenge, die er im Schatten misst. Das Licht fällt von 1940 Lux auf 814 Lux zusammen, Vögel verstummen, es scheint merklich kälter zu werden.

«Jetzt ist der Punkt der maximalen Abdeckung erreicht», ruft er nach unten. Filter und Brillen werden herumgereicht, man ist erstaunt, wie hell die Sonne doch noch scheint, obwohl nicht einmal 30% ihrer Fläche zu sehen sind. «Das ist doch ein frecher Kerl, dieser Mond», ruft jemand und erntet Gelächter.

Conrad hat seine erste totale Finsternis 1998 in Venezuela erlebt und ist seither den Sonnenfinsternissen nachgereist. «Das war sehr eindrücklich damals: Wir wurden eingeladen, das Naturereignis zusammen mit Schulklassen zu erleben und landeten auf einem schwerbewachten Militärstützpunkt nahe der Grenze zu Bolivien. Und doch wurde ein Volksfest daraus. Was mich sehr beeindruckte: Die Temperatur sank um ganze 10 Grad, von 39 Grad auf 29 Grad.»

Sechs Sonnenfinsternisse hat er mittlerweile erlebt, seine nächste «Finsternisreise» wird ihn nach Amerika führen, dort verfinstert sich am 21. August 2017 die Sonne zu 100 Prozent.

«Nächstes Jahr am 9. März kann man nördlich von Australien und in Indonesien eine Finsternis erleben, dann wieder am 2. Juli 2019 in Südamerika und am 14. Dezember 2020 im Süden des amerikanischen Kontinents.» Bis hier wieder eine totale Sonnenfinsternis zu sehen ist, muss man allerdings noch sehr lange warten: Erst am 3. September 2081 ist es soweit.

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