Bauern in Grenchen

Der Mattenhof betreibt Witi-freundliche Bewirtschaftung

Hinten v.l.: Christian und Daniela Wittwer, Monika und Peter Kobi. Vorne v.l.: Fabia, Sarah

Hinten v.l.: Christian und Daniela Wittwer, Monika und Peter Kobi. Vorne v.l.: Fabia, Sarah

Der Mattenhof ist eines der ältesten Gebäude im Süden der Stadt. Christian und Daniela Wittwer führen den Betrieb nun schon in der vierten Generation. Das feiern sie mit zwei Premieren: die erste Apfelernte seit der Umstellung auf Obstanbau stand dieses Jahr an und die Eröffnung des Hofladens.

Der Mattenhof in der Witi bewirtschaftet eine zusammenhängende Fläche, welche um das Ostende der Piste des Flughafens reicht. Nicht eine einzige Asphaltstrasse muss die Familie bei der Arbeit auf den 22 Hektaren, davon 18,8 ha eigenes Land, überqueren – ein Vorteil, von dem viele Bauern heutzutage nur noch träumen können.

Aus diesem Grund kommt der Hof mit leichten und handlichen Maschinen aus, die zum heiklen Witiboden passen und diesen nicht zerquetschen. Christian und Daniela Wittwer haben den Betrieb Anfang letztes Jahr von ihren Eltern, Monika und Peter Kobi, übernommen und führen ihn nun in der vierten Generation.

Heuer zwei Premieren

Gleich zwei Premieren feierte der Mattenhof dieses Jahr: die erste richtige Apfelernte seit der Umstellung auf den Schwerpunkt «Obstbau» und den Start des Hofladens mit Eigenerzeugnissen. Wer im Migros Äpfel der Sorte «Sweetango, aus der Region» kauft, hat gute Chancen, in eine Frucht des Mattenhofes zu beissen.

Christian Wittwer, gelernter Obst-, Wein- und Gartenbautechniker, erklärt: «Der Sweetango mit seinem leicht ananas-artigen Geschmack ist eine Neuzüchtung, eine sogenannte Clubsorte. Das heisst, dass der Züchter seine Früchtesorte schützt und somit den Anbau regeln kann. So kommt es erstens nicht zu einer Überproduktion, und zweitens kann der Züchter über den Verkauf die Entwicklungskosten der Sorte decken.»

Der Mattenhof sei einer der ersten in der Schweiz gewesen, der diesen Apfel anbaute, erzählt Wittwer. Daneben sei der Gala-Apfel die zweite Sorte, die via Zwischenhändler an den Grossverteiler geht.

Ideen für den Hofladen

Im Hofladen mit Selbstbedienung (täglich geöffnet 7-19 Uhr), den Tochter und Mutter seit dem September aufbauen, finden die Kunden auch andere und eher traditionelle Apfelsorten, Boskop und Sauergrauech etwa, sowie Birnen und Zwetschgen.

Anders als die neu angelegte Apfelplantage für den Grossverkauf (3 ha), stammen einige der Früchte im Hofladen von jahrzehntealten Hochstammbäumen, die für die Artenvielfalt und besonders für die Vögel wichtig sind.

«Wir experimentieren derzeit mit den Angeboten für den Hofladen: Dörrfrüchte, Konfi, Sirup. Als nächstes möchten wir Geschenk-Sets zusammenstellen», sagt Daniela Wittwer. Die gelernte Drogistin arbeitet einen Tag pro Woche auf ihrem Beruf.

Den Rest der Zeit widmet sie ihren Töchtern und dem Mattenhof: «Der Hofladen entwickelt sich gut, Fussgänger und Velofahrer schätzen das Angebot. Auch in der Stadt spricht es sich allmählich herum. Das freut uns riesig.»

Jeden Samstag bäckt Monika Kobi Brot und Züpfe aus dem hofeigenen Mehl – diese Produkte passen ebenfalls zum neu geschaffenen Absatzkanal. «Ausser Honig und Eiern, die unsere Nachbarn beisteuern, stammen alle Produkte vom Mattenhof», erklärt sie.

Räucherei und Beiz

Kobis bewohnen den Hof, auf dem Peter Kobi aufgewachsen ist, nach der Betriebsübergabe weiterhin, zusammen mit Thomas Leimer, dem Bruder von Monika Kobi. Tiere gibt es hier auch nach dem Ende der Weidemast letztes Jahr – die Milchwirtschaft wurde bereits vor fünf Jahren aufgegeben: ein Wachhund, eine Katze, einige Laufenten und zwei junge Esel.

Ein Nachbar nutze zudem eine Weide zur Sömmerung von Vieh, erklärt Peter Kobi. Die junge Generation ist in Scheuren daheim. Doch Kobis Enkelinnen Fabia (7) und Sarah (5) fühlen sich bei den Grosseltern völlig zu Hause.

Der Mattenhof wurde 1779 gebaut und dürfte damit eines der ältesten Gebäude in der Witi sein. Die geschwärzten Dachbalken im Estrich zeugen von der Zeit, als sich dort eine Wursträucherei befand.

Im 19. Jahrhundert zog das Hochstudhaus als Schenke mit Namen Jurablick all diejenigen Grenchner an, die ihr Bier und ihren Most nicht unter den Augen der Obrigkeit im Dorf trinken wollten.

Der getarnte Flughafen

Aus der einstigen Gaststube ist Kobis Wohnzimmer geworden, seinerseits dominiert von einem grossen Tisch. Und im 2. Weltkrieg diente das Haus als Munitionsdepot, während Fliegeroffiziere ihre Zelte unter den Obstbäumen aufschlugen.

Zur Tarnung der Graspiste seien mit Sägemehl schmale Pisten ausgelegt worden, die für fremde Flugzeuge beim Überflug wie Feldwege mit Mergelbelag aussahen, weiss Peter Kobi aus Erzählungen seines Grossvaters.

«In meiner Kindheit habe ich das eine oder andere Relikt aus dem Krieg gefunden, zum Glück waren es keine Blindgänger», erinnert er sich. Peter Kobi hat sein ganzes Leben im Schatten startender und landender Flugzeuge gelebt.

Die Nachbarschaft zum Flughafen sei unproblematisch. Für die Pistenerweiterung vor 16 Jahren habe man Land abgetreten, sagt er. Dennoch ist die Familie froh, dass die Pläne für eine neue Verlängerung der Piste nicht realisiert werden. Denn ihr grösster Wunsch ist, dass «wir auch in Zukunft vom Mattenhof leben können».

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